Der 500er – mal Knutschkugel, mal Kanonenkugel

 

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Von Klaus H. Frank

„Wow“, war das erste, was meine Frau erstaunt über die Lippen brachte, als sie den knall-gelben 500er Fiat in unsere Hofeinfahrt einbiegen sah. „Heißer Ofen“, meint sie. Eigentlich spitzen Frauen beim Anblick der Knutschkugel den Mund und flöten süüüß. Das Kindchen Schema des 500er-Gesichts begeistert immer wieder und provoziert den „muss-ich-haben-Effekt“. Männer lässt der 500er meist kalt – nix Besonderes. Dieser gelbe Italiener hat aber trotzdem was – ein Sondermodell Cult mit todschicken 16-Zoll-Felgen, viel Chrom-Zierrat und einem Panorama-Glasdach. Fiat nennt dieses Gelb „sole“ (Sonne), besser wäre „hornet“, also Hornisse. Denn ein Vergleich mit diesem giftigen, surrenden Insekt bietet sich an – des Motors wegen.

Wenn auch das Design mittlerweile ein bisschen angegraut ist – der klassische 500er ist und bleibt eine geile Kiste. Auch im Innenraum. Das Armaturenbrett sieht genauso aus, wie es aussehen sollte: farbig. Hier findet sich das Gelb der Aussenfarbe wieder. Todschick. Das sind auch die Ledersitze –aber nur optisch. Viele verfluchen sie, können darauf nicht richtig sitzen, finden keine vernünftige Position. Viel zu hoch „thronen“ Fahrer und Beifahrer darauf. Und wird versucht, mit der Höhenverstellung das Gestühl nach unten zu fahren, dann knickt lediglich die Sitzfläche ein. Also, das ist nix, Fiat. Positiv fällt ein bisher nicht gekanntes Detail im Blickfeld des Fahrers auf. Es ist ein runder Zentral-Monitor mit einem Durchmesser von 21 Zentimetern, der den bisherigen analogen Tacho ersetzt und nun den Fahrer mit allen wichtigen Informationen rund ums Auto versorgt. Neben der Geschwindigkeit zum Beispiel auch mit dem momentanen Verbrauch oder der Reichweite.

Wer sich mit Fiats neuester Motorentechnik wenig beschäftigt hat, wird beim Starten der Maschine erst mal gehörig erschrecken. Klingt glatt so, also liefe sie nicht auf allen Töpfen. Tut sie aber. Es sind halt nur zwei, aus denen der Twin Air Turbo-Benziner Kraft schöpft. Komischer Sound. Ein bisschen wie Hornisse, aber auch wie Nähmaschine – eine ganz große, mit der man Segel für Dreimaster näht. Nicht unangenehm, dieser raue Klang, den der Auspuff rausbläst. Durchaus sportlich. Auch die Leistung: Kleine 0,9 Liter Hubraum produzieren 105 PS und wuchten kraftvolle 145 Nm auf die Kurbelwelle. Die machen den kleinen Benziner erstaunlich elastisch. Wer Sprit sparen will, drückt per Taste den Eco-Modus und reduziert die Leistung auf 98 PS – das bringt nicht viel.

Es macht Spaß, die volle Leistung des Twin Air auszureizen. Wer sich traut, mit dem Gasfuß eine Delle ins Bodenblech zu drücken, für den wandelt sich die Knutschkugel zur Kanonenkugel, deren Ritt ein wirklich heißer ist. Der Sprint auf 100 dauert glatte 10 Sekunden, die Spitze beträgt 188 km/h. Auf einer Berg-ab-Passage zeigt der digitale Tacho sogar mal kurz Tempo 211 an. Irre! Trotz des kurzen Radstands bleibt der 500er auch dann sehr spurstabil. Dafür sorgen auch gut zupackende Bremsen und eine gefühlvolle Lenkung. Der kurze Radstand hat nur auf schlechten Straßen seine Tücken. Dann bockt und holpert der Fiat, malträtiert die Bandscheiben des Fahrers ganz schön heftig.

Über den Preis für das Sondermodell Cult mit dem 105 PS-Motor kann man reden. 16 950 Euro sind akzeptabel. Das Thema Verbrauch jedoch ist kein erfreuliches. Okay, man kann den Twin Air durchaus mit fünf Litern fahren (Norm 4,2). Aber ganz, ganz vorsichtig. Da der sportliche Sound jedoch zu forscher Gangart animiert, sind sechs Liter realistisch. Im Test sind‘s acht. Das ist zu viel. (autour/khf)

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here