Neuer Opel Zafira: Der sah doch immer ganz anderes aus!

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Von Klaus H. Frank

Ich muss zugeben: Bei der Präsentation des neuen Opel Zafira Life stand ich ziemlich perplex vor dem neuen Rüsselsheimer Familienauto. Das soll der neue Zafira sein? Der sah doch immer ganz anders aus: kompakter, eleganter, fragiler. Die Ähnlichkeit des neuen Zafira Life mit dem alten Van reduziert sich auf den ersten Blick nahezu auf null. Nur der Name ist geblieben – außer dass jetzt ein „Life“ hinzugekommen ist. Nun, die Zusammenarbeit von Opel mit dem PSA-Konzern zeigt sich beim Zafira Life ziemlich dramatisch.

Und so ist der neue Zafira eigentlich kein „richtiger“ Opel, sondern ein Derivat der französischen Brüder, die da heißen Peugeot Traveller und Citroen Spacetourer. Und auch Toyota ist mit im Spiel und bietet seinen großen Bus, der die gleichen französischen Wurzeln hat, unter dem Namen ProAce Verso an.

Natürlich haben die Opelaner die französische Herkunft des Zafira Life etwas kaschiert, damit er wie ein echter Rüsselsheimer daherkommt. In einem Punkt ist es gelungen: Wer dem Zafira Life direkt ins Gesicht schaut, der hegt keine Zweifel, dass dies ein echter Opel ist. Denn inmitten des Frontgrills prangt das typische Opel-Markenzeichen: der Blitz. Aber rein äußerlich war’s das schon.

Die typische Zafira-Kundschaft fragt sich natürlich, warum dieser totale Wandel? Der alte Zafira war doch sooo schick? Nun, Opel-Chef Ulrich Selzer erklärt den Wechsel von alt zu neu damit, dass das Segment, in dem sich der alte Zafira tummelte, ziemlich schrumpft. Die Menschen wollen mehr Platz, fokussieren sich auf Fahrzeuge wie den Volkswagen Bulli. Und dem will Opel nun mit seinem Zafira Life ein bisschen Konkurrenz machen.

Opel bietet den Zafira Life in drei Längen an und macht ihn damit nicht nur für große Familien attraktiv, sondern auch für Anbieter von Shuttle-Services. Der Zafita „Small“ misst 4,61 Meter, der „Medium“ 4,96 Meter und der „Large“ 5,30 Meter. Am beliebtesten, so schätzt Opel ein, wird die mittelgroße Version sein, die sechs Zentimeter länger ist als ein VW T6.

Um das Kofferraum-Volumen im kleinsten Zafira Life auf 1500 Liter zu erhöhen, lassen sich die Sitze der dritten Reihe umlegen, werden sie heraus genommen, schluckt der „Small“ bis zu 3600 Liter. Bei optimaler Sitzeinteilung können hier neun Personen Platz finden. Außerdem überzeugt der „Small“ mit dem kleinen Wendekreis von 11,30 Meter, einem guten Handling und einer sensorgesteuerten Schiebetür, die sich von außen mit einem Kick elektrisch öffnen lassen. Gegen Aufpreis gibt’s auch eine zweite Schiebetür.

Der „Large“ (Radstand 3,28 Meter) schluckt dank seines riesigen Laderaums rund 4900 Liter und ist so prädestiniert für Shuttle-Services. Für diesen Einsatz bietet Opel Ledersitze (fünf, sechs, sieben oder acht), die sich in Aluminiumschienen variabel und kinderleicht verschieben lassen. Die umklappbare Lehne des Beifahrersitzes ermöglicht den Transport von bis zu 3,50 Meter langen Gütern.

Das „Tüpfelchen auf dem i“ ist die Lounge-Ausstattung für die beiden Versionen „Medium“ und „Large“ mit langem Radstand. Diese beiden Zafiras glänzen mit elektrisch beheizbaren Vordersitzen mit Massagefunktion. Und dahinter finden sich vier Ledersessel mit komfortablen Sitzen von 48 Zentimetern Breite. Passagiere können sich dank üppiger Beinfreiheit auch gegenüber sitzen. Da ist dann die Bezeichnung „Lounge auf Rädern“ wirklich goldrichtig gewählt. Die meisten Versionen des Zafira Life sind maximal 1,90 Meter hoch und passen damit problemlos in normale Tiefgaragen – wichtig für den Einsatz als Hotel-Shuttle.

Fast schon überflüssig zu erwähnen: Natürlich besitzt der neue Großraum-Pkw von Opel jede Menge innovative Fahrerassistenz-Systeme. Eine Frontkamera und ein Abstandsradar überwachen das Geschehen vor dem Fahrzeug. Das System erkennt die Straße überquerende Fußgänger und kann bis Tempo 30 eine Notbremsung hinlegen. Der intelligente Geschwindigkeitsassistent passt das Tempo des Fahrzeugs an den Vordermann an, nimmt automatisch Gas weg und verringert so die Geschwindigkeit im Bedarfsfall auf bis zu 20 km/h. Der Spurhalteassistent sowie die Müdigkeitskontrolle unterstützen und warnen den Fahrer, wenn er schon zu lange hinterm Lenkrad sitzt und eine Pause dringend notwendig hätte. Der Fernlichtassistent blendet oberhalb von 25 km/h automatisch auf und ab. Geschwindigkeit, Abstand zum Vordermann oder Navigation lassen sich beim Zafira Life auch über ein farbiges Head-up-Display anzeigen – das ist einzigartig in diesem Segment.

Angetrieben wird der Opel-Kleinbus von Euro-6d-TEMP-Dieselmotoren mit 1,5 und 2,0 Liter Hubraum. Die Spanne der Vierzylinder reicht von 75 kW/102 PS über 110 kW/150 PS bis 130 kW/177 PS. Letzterer wird serienmäßig mit Achtgang-Automatik kombiniert, entwickelt 400 Nm Drehmoment und sprintet in 10,4 Sekunden auf Tempo 100. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 185 km/h. Benziner sind nicht vorgesehen. Damit der Zafira Life auch bei miesem Wetter gut vorankommt, ist er mit der cleveren Traktionskontrolle IntelliGrip ausgerüstet. Es wird sogar eine 4×4-Variante (von Dangel) geben. Und zum Jahresbeginn 2021 rollt der Newcomer auch als rein elektrische Variante auf die Straße – ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zur Elektrifizierung der Marke.

Sehr wichtig bei Fahrzeugen dieser Grüße ist die gute Rundumsicht, etwa beim Rechtsabbiegen in Städten oder in engen Nebenstraßen. Ultraschallsensoren in der Bug- und Heckschürze wachen über jeden toten Winkel und melden dem Fahrer Hindernisse beim Einparken genauso wie Annäherungen von Fahrzeugen und Fußgängern. Eine Rückfahrkamera überträgt ihr Bild je nach Ausstattung auf den Innenspiegel oder den Sieben‑Zoll-Monitor – im letzteren Fall mit 180-Grad-Blickwinkel aus der Vogelperspektive.

Ein zentraler Blickfang im Cockpit ist der Sieben-Zoll-Touchscreen für die Infotainment-Systeme „Multimedia“ und „Multimedia Navi“. Beide Systeme integrieren Smartphones über Apple CarPlay und Android Auto. Beim „Multimedia Navi“ kommt eine Europa-Navigation mit 3D-Kartendarstellung hinzu. Dabei werden die Sehenswürdigkeiten großer Städte in Full HD-Qualität angezeigt. Bei Überlandfahrten bildet die Karte auf Wunsch sehr realistisch die Geografie entlang der Strecke ab. Das Navigationssystem verfügt dank Opel Connect über Echtzeit-Verkehrsinformationen für den Überblick zur aktuellen Verkehrslage. Für alle Ausstattungen gibt es leistungsstarke Soundsysteme. In der Topversion verwöhnen zehn Lautsprecher die Passagiere des VIP-Shuttles mit erstklassiger Klangqualität.

Abgesehen von der Pkw-Variante gibt es auf gleicher technischer Basis einen Transporter fürs Gewerbe, der jedoch einen anderen Namen trägt – statt Zafira heißt die Handwerkerversion wie sein Vorgänger „Vivaro“. Beim Händler steht der Kleinbus erst ab Herbst 2019.

Und der Preis? Der preisgünstigste Zafira Life in der mittleren Größe (Medium) kostet mit dem 102-PS-Diesel 34.660 Euro. Das geht ja noch, sind es doch rund 4000 Euro weniger als ein VW T6 kostet. Für den kleinsten Zafira Life S mit dem 177-PS-Diesel und Automatik in der Top-Version „Innovation“ verlangt Opel allerdings stolze 51 100 Euro. Das ist dann schon ein bisschen happig. Wenngleich der Blick auf die höheren Preise der VW-Konkurenz dann doch wieder etwas versöhnt. (autour24/khf)

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