Genuss und Kultur bei rauer Seeluft – das Vendee

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Von Kurt Sohnemann

Les Sables d’Olonne. „Es ist schon besser, wenn Du französisch sprichst“, rät Jean-Pierre. Er ist kennt die besten Rotweine der Region, nicht nur, weil er Keeper in einer kleinen Bar am Ufer des Atlantik in Les Sables d’Olonne ist. Die deutsche Sprache lässt er noch so gerade zu, aber bei englischen Bestellungen stellt er auf stur. Da hilft auch die musikalische Untermalung von Wilson Pickett mit „In the midnight hour“ aus dem Lautsprecher der Bar nicht. Jean-Pierre verteilt die bestellten Weine und Biere. Es scheint eine langjährige Abneigung gegen die Kultur von der Insel zu sein, aus denen Franzosen kein Hehl machen. Abends ist Jean-Pierres Stunde gekommen, weil die Franzosen in der malerischen Hafenstadt des Departement Vendee tagsüber zumeist Kaffee trinken.

Dass erst nach Einbruch der Dunkelheit die Geschmacksnerven parallel zu den Besuchen in den kleinen Restaurants der Stadt aufzublühen beginnen, liegt offensichtlich am Stellenwert des kulinarischen Genusses, den die Region perfekt ausdrückt. Kein Wunder bei der Nähe zum Hafen, wo die Fänge in den frühen Morgenstunden angelandet werden, beim Trubel in der Markthalle der 50.000-Einwohner-Stadt. Nach der Sommersaison entspannen und genießen die Einwohner gemeinsam mit ihren Gästen. Schließlich hatte man zuvor alle Hände voll zu tun, wenn man vom Tourismus lebt.

200.000 Besucher wollen sich in den Saisonmonaten an der malerischen Stadt am Atlantik erfreuen, aalen sich im Sand der drei Kilometer langen Küstenlinie vor Les Sables d’Olonne und treiben alle Wassersportarten, die der wilde Atlantik zulässt. Segeln, Schwimmen, Surfen, Wasserski, Kite-Surfen und Rennboot-Fahren gehören da noch zu den althergebrachten Arten, sich im Wasser zu vergnügen. „Neuerdings ist es Trend, im Wasser zu joggen“, schmunzelt Claudia Laumel-Hobohm angesichts der gewöhnungsbedürftigen Bilder, die sich den Betrachtern dabei bieten. Die gebürtige Deutsche will die Region nicht wieder verlassen, hat den Lebensstil schätzen gelernt.

Die nächste ganz große Veranstaltung in Les Sables d’Olonne wird allerdings der Start zum Vendee Globe sein. Diese bei geübten Seglern große Herausforderung führt die Wassersportler zum Einhandsegeln rund um den Globus. Für Deutschland wird beispielsweise Boris Hermann im November 2020 bei dieser Regatta starten.

Der Badekurort Les Sables d’Olonne

Sehr viel mehr Alternativen als der Tourismus bieten sich den Menschen auch gar nicht in der Vendee. Der Landstrich im äußersten Westen Frankreichs mit der Hauptstadt La Roche-sur-Yon ist an die Verwaltung der nächstliegenden Großstadt Nantes angebunden. Für die Stadt Les Sables d’Olonne, die ursprünglich als Fischerort auf Sand gebaut wurde, war es im 15. Jahrhundert ein Segen, dass der Regent Louis XI. an gleicher Stelle die Grundlagen für den Fremdenverkehr schuf. Er hob einen Badekurort aus der Taufe, der zusehends seine Gäste durch die raue, gesunde Meeresluft und die entsprechenden Wasser-Anwendungsmöglichkeiten bot.

Durch die Salzgewinnung, den Weinbau und die Landwirtschaft hat die Region um Les Sable d’Olonne heute mehrere Komponenten zu einer beliebten Tourismusregion zusammengeführt, die mit guter Küche und der abwechslungsreichen Architektur garniert wird. Wie sich die Menschen der Region in das Gefüge gekonnt einreihen, zeigen Thierry und Antoine Michon, die ihr Weingut in der Nähe der Küstenstadt auf biologischen Anbau umgestellt haben. Der heutige Inhaber Thierry Michon zeigt, dass auf dem salzigen Boden hervorragende Qualitäten entstehen, die von Liebhabern über den gesamten Erdball gemocht und bestellt werden. Zahlreiche Auszeichnungen belegten die Ausnahmestellung der Weine.

Verfallener Bauernhof wird Urlaubsoase

Wie man baulich eine ökologische Glanzleistung hinlegt, beweisen Marylou und Damien Lamy. Nach dem Grundsatz der Müllvermeidung und –verwendung hat das Ehepaar aus einem verfallenen Bauernhof eine Urlaubsoase für ökologisch orientierte Gäste entstehen lassen. Von pfiffigen Ideen bis zu grundsätzlich eigenem Anbau der Produkte, die auf dem Teller landen, gibt es auf dem Gehöft eine Menge Kreativität zu bestaunen. So wurden nicht mehr seetüchtige Boote zu Unterkünften umfunktioniert, Lodges gebaut, deren zwei Längsseiten im Sommer zu öffnen sind, was Wohnen im Freien bedeutet. Aus Altreifen werden Sitzmöbel gefertigt, ein ehemaliges Melkgeschirr dient als USB-Station, und viele andere Beispiele lassen die Gäste mit staunenden Mündern die Kreativität der Hausherren bewundern. Auch wurden statt gewöhnlicher Ziegeln für Seitenwände von Gebäuden Dachziegel übereinander vermauert, was eine optimale Durchlüftung der entsprechend genutzten Räume garantiert.

Ob ökologische Landwirtschaft oder Salzabbau in den Salzwiesen, Vogelschutzgebiet oder naturbelassene Flächen, die Urlauber haben für Ausflüge mit dem Fahrrad oder auf Schusters Rappen eine Fülle an landschaftlicher Schönheit zu genießen. 1.200 Kilometer Radwege können per Bike erfahren werden, wobei genügend Verleihstationen für entsprechende Ausrüstungen sorgen.

Pyro-Show im Park Puy de Fou

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Ein mit dem Auto einstündiger Abstecher führt die Gäste des Vendee aus Les Sables d’Olonne nach Les Epesses zur riesigen Parkanlage Puy du Fou. Auf gelungene Weise werden nicht nur historisch bedeutsame Stätten nachgebildet aufgezeigt. Hier werden auch Szenen von Schlachten mit teilweise knapp 400 Schauspielern nachgespielt. Eindrucksvolle Showelemente werden mit Pyrotechnik angereichert und schaffen so ein einzigartigen Park an unterschiedlichen Shows, die nicht einmal an einem Tag allesamt angesehen werden können. Ein Park, der auch für Kinder hochinteressant und spannend ist.

Infos: Das Vendee erreicht man nach einer Tagesfahrt aus Deutschland mit dem Auto und über den Flughafen Nantes mit verschiedenen Linien. Auch per Bahn ist die Region erreichbar, wobei es sich anbietet, dort ein Auto zu leihen, um die sehenswerten Orte allesamt zu erreichen. www.vendee-tourisme.com, wer mehr über das Gut mit biologischen Weinen wissen möchte kann dies bei www.domainesaintnicolas.com, für Spitzengastronomie der Region sind www.boisvinet.com und www.louloucotesauvage.com gute Adressen. Was die Gäste im Puy du Fou erwartet, ist unter www.puydufou.com/de einsehbar.

 

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