VDIK: Bei Förderung alternativer Antriebe fehlt es in Europa häufig an Ambition

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Von Karl Seiler

In Brüssel und Berlin sind 2022 viele wichtige klimapolitische Weichen gestellt worden. Europa und Deutschland haben ihre Ziele für die CO2-Reduzierung weiter verschärft. Auf der anderen Seite fehlt es bei den Rahmenbedingungen und der Unterstützung für die alternativen Antriebe häufig an Ambition.

„Das Streben nach großem Erfolg bei besonders hohen Zielen wie dem Klimaschutz scheitert oft bei der praktischen Umsetzung“, bedauerte Reinhard Zirpel als Präsident des Verbandes der Internationalen Kraftfahrzeughersteller bei der VDIK-Jahrespressekonferenz. „Die internationalen Hersteller sind jedoch entschlossen, die von der Klima- und Wirtschaftspolitik vorgegebenen Ziele zu erreichen. Sie werden ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten – daran lasse ich keinen Zweifel“.

Europa muss die Weichen stellen

Weil ab 2035 Neuwagen in der EU kein CO2 mehr ausstoßen dürfen, wurde damit de facto das Ende des Verbrennungsmotors ab 2035 besiegelt. Fraglich ist, ob die nötige Infrastruktur für e-Mobilität schnell genug aufgebaut werden kann und ob genügend Rohstoffe für die Batterieproduktion verfügbar sind. Vernünftiger wäre es gewesen, mit der endgültigen Festlegung noch abzuwarten. So bleibt die Technologieoffenheit auf der Strecke. Das ist aus Sicht der internationalen Hersteller bedauerlich, weil sie die CO2-Ziele auf ganz unterschiedlichen technologischen Wegen erreichen.

Entscheidend ist auf europäischer Ebene die Verordnung zur Tank- und Ladeinfrastruktur AFIR. Deren Vorgaben zum Aufbau von Ladestationen und Wasserstoff-Tankstellen sollten ambitioniert ausfallen. Um die richtige Prioritätensetzung geht es auch bei der neuen europäischen Abgasnorm Euro 7. Es wäre kontraproduktiv, erst ein Ablaufdatum für den Verbrennungsmotor festzulegen und danach die Hersteller durch scharfe Abgasnormen zu neuen umfangreichen Investitionen in diese Technologie zu zwingen.

Ladeinfrastruktur und Umweltbonus bleiben wichtig

Die Ladeinfrastruktur darf für den Erfolg der Elektromobilität nicht zum Flaschenhals werden. Deswegen kommt es beim Masterplan Ladeinfrastruktur II der Bundesregierung entscheidend auf das Tempo der Umsetzung an. Die internationalen Hersteller, ihre Mitgliedsunternehmen und ihre Partner haben schon mehrere tausend Ladepunkte errichtet. Ergänzend ist die Wasserstoffinfrastruktur für Pkw und Nutzfahrzeuge wichtig und die Bundesregierung sollte den Aufbau eines H2-Tankstellennetzes zur Grundversorgung weiter unterstützen.

Daneben muss für E-Auto-Kunden aber auch der finanzielle Rahmen stimmen. Hier war der Umweltbonus bisher ein großer Kaufanreiz, um die beschlossenen Klimaziele zu erreichen. Mit den geplanten Kürzungen der Elektroauto-Kaufprämien wird sich der Markt für E-Fahrzeuge in den kommenden Monaten weit weniger dynamisch entwickeln wird, als es nötig wäre. Ab 2023 fallen Plug-In-Hybride aus der Förderung heraus – obwohl sie als Brücke dienen könnten, bis die Ladeinfrastruktur optimal ausgebaut ist. Aktuell fordert der VDIK von den Zulassungsstellen und dem BAFA, dass die Zulassung neuer Fahrzeuge und die Antragsstellung insbesondere für Plug-In-Hybride bis zum 31. Dezember reibungslos funktionieren.

Klimafreundliche Lkw kommen Schritt für Schritt

Bei den schweren Nutzfahrzeugen ist der Startschuss für den Hochlauf der alternativen Antriebe spät gefallen. Die IAA in Hannover hat jedoch gezeigt, dass die Lkw-Hersteller das Zeitalter der Elektro- und Wasserstoff-Trucks einläuten. Auch für schwere Lkw mit Null-Emissions-Antrieben sind die Kaufförderung und die Verfügbarkeit von Tank- und Ladeinfrastruktur erfolgskritisch. Vor allem der Aufbau einer Schnellladeinfrastruktur für schwere Lkw muss dringend in Fahrt kommen. Derzeit kommt der Masterplan für vollelektrische schwere Lkw teilweise zu spät – das so genannte Megawatt-Laden muss binnen zwei bis drei Jahren ausgerollt werden.

Der Bund unterstützt zwar die Anschaffung klimafreundlicher Nutzfahrzeuge seit 2021 mit einem eigenen Förderprogramm. Dieses sollte noch praxistauglicher und effizienter werden. Dazu hat der VDIK bereits umfangreiche Vorschläge auf den Tisch gelegt. Der Markt für alternative Antriebe dürfte wieder in eine kritische Phase kommen. Die Elektrofahrzeug-Neuzulassungen werden 2023 das 2021 und 2022 wieder erreichte Niveau halten – aber eben auch nicht viel mehr. Nun ist dafür zu sorgen, dass die Welle nicht abebbt, sondern stärker wächst. (autour24/KaSe)

Kommentar verfassen