Bürstner Campervans 2022: Der Ford Transit soll es richten

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In den vergangenen Jahren kennt die Reisemobilbranche nur Gewinner. Nicht nur die Hersteller haben höchst profitable Geschäfte gemacht, auch bei den Lieferanten der Basisfahrzeuge könnten die Scheiben des Kuchens dicker nicht sein. Vor allem Vans und Kastenwagen, sie machen gut die Hälfte aller Neuzulassungen aus, stehen beim Kunden hoch im Kurs. Da wundert es nicht, wenn Bürstner genau in dieser Klasse sehr aktiv wird. Die Baureihen Copa, Eliseo und Lineo bekommen in diesem Jahr Zuwachs mit neuen Grundrissen, Auch das Allradangebot wird dank des Ford Transit ausgebaut.

57.270 Euro kostet der Copa C 500 4×4, dafür gibt es ein Hubdach mit zwei Schlafplätzen, eine Miniküche mit Kühlbox und elektrische Wasserversorgung. Auf Wunsch wird dem Transit Geländeschminke aufgelegt, dazu zählen grobstollige Reifen, ein Kühlergrill im Trail-Design und der Unterfahrschutz. Aufpreis kostet auch die Schlafbank unten, die zwei weitere Liegeflächen an Bord bringt. Serienmäßig ist dagegen die Dieselheizung von Webasto. Ebenfalls in der Copa-Baureihe ist der rund 30 Zentimeter längere Grundriss im C 530 zu finden, der einen Sanitärbereich mit Klappwaschbecken und Kassettentoilette im hintern Wohnraum integriert. Eine steckbare Duschwanne (die bei Nichtgebraucht an der Heckklappe verstaut wird) und ein Duschvorhang komplettieren die Ausstattung der Hygieneabteilung.

Um den notwendigen Raum für die Körperpflege zu schaffen, öffnet beim C 530 das Hubdach nicht vorn, sondern hinten. Der Einlegeboden, der oben zwei Betten schafft, lässt sich doppelt falten, so dass fast bis zu den Vordersitzen Stehhöhe geboten wird. Das Schlafdach selbst hat eine Panoramafunktion, die Schlafbank im Parterre wird bei diesem Modell serienmäßig eingebaut, grundsätzlich hat der Campervan zwei Schiebetüren um einen komfortableren Einstieg zu ermöglichen. Ab Sommer soll der bislang größte Copa zu den Händlern kommen, der Preis wird vermutlich bei rund 55.000 Euro liegen.

Neu bei Bürstner ist die Campervan-Serie Lineo deren Einrichtung der Campeo-Baureihe auf Fiat oder Citroën ähnelt, allerdings den Ford Transit als Basis nutzt. Vorerst ist nur ein Grundriss im Angebot, der C 590 ist 5,98 Meter lang und wird in Deutschland von September an zu Preise ab 48.690,- Euro erhältlich sein. Das Grundmodell ist mit einem 130 PS (96 kW) starken Zwei-Liter-Diesel motorisiert. Serienmäßig gibt es einen Seitenwindassistenten, eine Traktionskontrolle, eine Schiebetüre rechts und beheizbare Heckfenster. In Wagenmitte findet sich die übliche Halbdinette sowie die Küchenzeile, mittig und im Heck sind Waschraum und das Doppelquerbett angeordnet. Ein Doppelboden nimmt die Installation auf und sichert so den frostsicheren Betrieb, über weitere Grundrissvarianten denkt Bürstner noch nach.

In der vierten Campervan-Baureihe Eliseo bereichert der C 644 künftig das Portfolio. Er kann mit der beliebten Rundsitzgruppe im Heck aufwarten. Darüber lädt ein Hubbett zur Nachtruhe ein, während auch die Sitzgruppe selber zu zwei Liegeflächen umgebaut werden kann. Bad und Küche sind vorne untergebracht, hilfreich ist eine neue Unterbaukonstruktion, mit der sich der Tisch auch draußen nutzen lässt. Ein Hubdach ist für den C 644 nicht vorgesehen, das bleibt den bisherigen vier Grundriss-Varianten vorbehalten. Etwa 55.000 Euro wird der 6,4 Meter lange und auf Fiat Ducato rollende Eliseo C 644 kosten.

Auffällig ist, dass Bürstner – wie so manch andere Volumenhersteller auch – die Grundmodelle nur noch mit dem Nötigsten ausstattet. Dabei sprechen wir nicht einmal von der Markise, die in dieser Klasse zwecks Wohnraumgewinns unverzichtbar ist. Vielmehr muss der Kunde die Verdunklungsjalousien im Fahrerhaus extra bezahlen, selbst eine Einstiegsstufe ist bei vielen Modellen schon lange nicht mehr im Serienstandard enthalten. Das heißt, der Basispreis ist eine eher wenig aussagekräftige Orientierungshilfe, das genaue Studium der Ausstattungs- und Preislisten ist für smarte Käufer ein absolutes Pflichtprogramm – und treibt so manches zunächst günstig anmutende Modell am Ende doch zu unerwartet hohen Anschaffungskosten.

Zur schärferen Kalkulation dürfte auch die zunehmende Vielfalt der Basisfahrzeuge geführt haben. Denn noch bis vor wenigen Jahren standen bei den meisten Herstellern entweder einen Fiat Ducato (oder die baugleichen Citroën und Peugeot) oder einen Mercedes –Sprinter zur Wahl. Nun aber stürmen Fahrzeuge wie der Ford Transit auf den Markt der Reisemobile, selbst der Nissan NV 200 wird schon hergenommen, sogar der verblichene Hyundai H1 wurde bereits auf den Stellplätzen gesichtet. Vor allem liegt das an der Lieferschwäche von Fiat, die sich mit einem Neben-Deal wenig Freunde gemacht haben. Während Chipmangel und Rohstoffknappheit die Wunschbestellungen der Aus- und Aufbauer ohnehin immer weiter reduziert haben, zogen die Italiener mit einem großen Geschäft mit der Logistik-Branche den Zorn der Camper auf sich. Kurzerhand wurden mehrere 1000 Ducatos nicht an die Caravaningindustrie geliefert, sondern gingen an den Lieferkönig Amazon.

Zahlen werden das die Camping-Fans. Denn jedes Basisfahrzeug stellt seine eigenen, ganz besonderen Anforderungen bei der Konstruktion des Auf- oder Ausbaus. Leitungen in einem Transit müssen anders verlegt werden, als in einem Peugeot, gleiches gilt für Gurt- oder Möbelbefestigungen. Das macht die Entwicklung neuer Modelle auf bislang nicht eingesetzten Transportermodellen aufwändig, langwierig und vor allem teurer. (aum/Michael Kirchberger)

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