Mit Schal und Mütze zum Ruhepuls

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Von Kurt Sohnemann

St. Peter-Ording. Nicht immer scheint die Sonne auf den feinen Sand, auf dem sich die Nordsee-Wellen mit ihren Ausläufern verteilen. Der Herbst und Winter ist mittlerweile von vielen Urlaubern als Idealjahreszeit entdeckt, um dem Strand einen Besuch abzustatten, der mal von der Ebbe kilometerlange Wanderungen im Sand ermöglicht, mal bei Flut das Ganze einige hundert Meter landeinwärts verlagert. Idealerweise dann auf dem Deich oder auf den Wanderwegen in den Dünen. Sankt Peter-Ording, das von den Einheimischen nur SPO genannt wird, hat sich nicht erst seit dem vermehrten Drang in Pandemiezeiten ans Meer auf die Wünsche der Gäste eingestellt.

„Der Hauptgrund, uns zu besuchen, ist wohl diese einzigartige Stimmung an der rauen Nordsee, die so unterschiedlich sein kann. Aber immer beständig dabei ist die gute Luft, die auch aus gesundheitlichen Gründen einen Aufenthalt empfiehlt“, erzählt Claudia Nissen aus der Touristik-Information in der Gemeinde Sankt Peter-Ording. Sie hatte in den Jahren, in denen Reisen ins Ausland nicht immer ohne Risiko stattfinden konnten, alle Hände voll zu tun, die Menschen unterzubringen, die ihre schönsten Wochen des Jahres genießen wollten. Dabei hat sich einmal mehr die Tendenz verstärkt, dass der Herbst und Winter nicht mehr aus dem Reiseplan ausgeklammert werden. Zwar haben in dieser Zeit nur noch wenige Fahrradverleiher ihre Läden geöffnet. Dafür bieten die Konfektionäre doppelt so viel Funktionskleidung wie im Frühjahr an. Der Blick an den Strand bestätigt: Ohne Mütze und Schal, einem Wind- und Regendichten Mantel ist hier niemand in wetterfesten Schuhen unterwegs.

„Es ist herrlich, diese salzige Luft zu atmen, während die Schaumkronen vom Wind über den Strand gerollt werden“, bekennt eine Urlauberin aus Bayern, einem Bundesland das die Nordseeküste in diesen Monaten neu für sich entdeckt zu haben scheint. Sprachbarrieren sind schnell überwunden. Dass hier alle nur „Moin“ sagen, auch wenn die Sonne längst die Weiten des Horizonts über den Wellen in dunkles Rot getaucht hat, gehört zur Dialektauffrischung. Aber wenn dann vom Klabautermann oder dem Nöck die Rede ist, sollte man vorsichtshalber nachfragen. Sie zählen in die Reihe der Meeresgeister, die in zahlreichen Sagen vorkommen und in abendlichen Unterhaltungen an den vielen Theken der Restaurants gern ins Seemannsgarn gesponnen werden.

Dann haben auch die letzten „Landratten“, die Menschen ohne Meeresbezug gern von den Bewohnern am Deich genannt werden, die Küste erreicht. Je feuchter das Klima, desto trockener ist der Humor der Norddeutschen, wird gern unterstellt und verdeutlicht sich in Sankt Peter-Ording. Ebenso ist es nicht ungewöhnlich, dass in den Lokalen zumeist Fische in unterschiedlicher Zubereitung angeboten werden. Tafelspitz und Kaiserschmarrn gehören ebenso ins Reich der Exotik wie Pfälzer Saumagen oder Kellerbier. Hier regiert herbes Pils den Zapfhahn, und wenn die Rede von „lütt un lütt“ ist, dann hat der Gast ein kleines Bier mit einem Kornbrand bestellt.

Nun sind Hummer und Krabben, Strand und Meer, Wanderungen zu Fuß und per Fahrrad nicht die einzigen Lockmittel der Nordsee. Sie gibt auch Schätze frei, die sich gern zu Schmuck verarbeiten lassen und als Bernstein mehr als nur eine Erinnerung an eine manchmal stürmische Begegnung sind. Erst durch die aufgeraute See werden die Fundstücke an den Strand getrieben und geraten dann den aufmerksamen Spaziergängern unter die Augen.

Im Gegensatz zu vielen Landstrichen Dänemarks sind die übrigens die Dünenlandschaften in St. Peter-Ording vor der Bebauung mit Ferienhäusern geschützt. Sie sind mit Wegen versehen, so dass sie von Spaziergängern, Nordic-Walkern oder auch sportlichen Läufern genutzt werden können. Kilometerweit schlängeln sich die Wege durch Wälder, deren Kiefern durch ihren Wuchs die vorherrschende Windrichtung erkennen lassen und Strandhafer, in dem sich die Kaninchen gern vor ihren natürlichen Feinden verstecken und Singvögel hilflos ihre Stimmen gegen das markante Schreien der Möwen erheben.

Da es aber auch Gäste in St. Peter-Ording gibt, die ihren Ruhepuls nicht unbedingt vom Rhythmus der Natur bestimmen lassen wollen, haben die Bewohner der drei Ortsteile am Meer eine Dünen-Therme in der Ansiedlung „Bad“ errichtet. Auch wenn die Mehrheit der Einheimischen behauptet, es gäbe kein schlechtes Wetter, steigt die Besucherfrequenz mit Fallen der Temperaturen in dieser Therme, die Kindern wie Erwachsenen eine Behaglichkeit in feuchter Umgebung sichert. Eine große Saunalandschaft hilft dann bei den Temperaturwünschen. Wer es lieber etwas kulturell anspruchsvoller mag, sollte sich im Ortsteil Dorf das Museum ansehen, dass die vergangene Lebensart auf der Eiderstedter Halbinsel ebenso widerspiegelt, wie die Kämpfe der Menschen gegen die Naturgewalt Nordsee oder auch der Wikinger.

Unverwechselbar in seiner Art ist natürlich die Idylle am Strand mit den Pfahlbauten, die teils Restaurants, teils auch Zweckbauten in sich bergen. Zudem ist die Lebensrettung darauf tätig, wenn die Sommermonate wieder Tausende an die Küste locken. Dann aber haben die Herbst- und Winterbesucher die Schönheiten an der Nordsee längst in nahezu einsamer Beschaulichkeit genossen.

Infos zu St. Peter Ording unter www.st-peter-ording.de

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