Opel Rocks-e: Sicherer unterwegs als auf einem Moped oder Roller

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Von Karl Seiler

Der zweisitzige Opel Rocks-e kommt noch heuer als „Sustainable Urban Mobility“ SUM genanntes Leichtkraftfahrzeug auf den deutschen Markt. Der City-Stromer ist rechtlich und tatsächlich kein vollwertiges Automobil. Entsprechend sollte er bei aktiver und passiver Sicherheit auch nicht damit, sondern eher mit einem Moped oder e-Roller verglichen werden – und ist insgesamt deutlich sicherer!

Nachdem am 1. Februar 2005 Leichtkraftfahrzeuge oder „Microcars“ auch in Deutschland zugelassen wurden, titelten die VDI-Nachrichten „Unfallangst macht es Leichtfahrzeugen hierzulande schwer“ – denn der ADAC bezeichnete nach einem Crashtest den neuen Fahrzeugtyp als „tödliche Falle und Verkehrshindernis“ und zog das drastische Fazit: „Leichtkraftfahrzeuge gewähren keinerlei aktive oder passive Sicherheit für den Fahrer. Der Körper wird zur Knautschzone.“

Im August 2021 wurden nun auch zwei Fahrzeuge der Klasse L6e-B (maximal 45 km/h) getestet und mit „insgesamt mangelhaft“ abgewertet. Zugestanden wurde jedoch abschließend: „Im Falle eines Unfalls schützen … Leichtkraftfahrzeuge dank ihrer Fahrgastzelle dennoch besser als ein Zweirad.“

Klar reduzierte Sicherheitsanforderungen

Für den (mit den Citroen Ami baugleichen) Opel Rocks-e gelten – ähnlich wie für mehrsitzige Quads – im Vergleich zu einem Personenwagen klar reduzierte Sicherheitsanforderungen: ABS oder gar ESP werden ebenso wenig gefordert wie Airbags. Als vierrädrige Alternative zum klassischen Moped oder sogar zu einem stärkeren und schnelleren Elektro-Roller ist der Rocks-e in der Stadt und auf Landstraßen aber für seine Insassen und für andere Verkehrsteilnehmer deutlich sicherer als diese Zweiräder. Als „normaler Pkw“ darf der Rocks-e nicht angesehen werden – obwohl er äußerlich wie ein kleines Auto oder (verniedlicht) ein „Autochen“ wirkt.

Mit rund zwei Quadratmetern ist die (für das Erkennen durch andere Verkehrsteilnehmer wichtige) Stirnfläche nur um ein Drittel kleiner als bei einem kompakten Pkw und fast vier Mal so groß, wie bei einem Zweirad. Runde LED-Scheinwerfer bzw. Rückleuchten und hochgesetzte Blinkleuchten in der identischen Front- und Heckpartie zeigen auch bei Nachtfahrten, – die nach Meinung des ADAC ebenso wie Überlandfahrten ein „No-Go“ und „nicht zu empfehlen“ wären – dass hier „mehr als ein Zweirad“ fährt.

Weil es vorne kein reflektierendes Normal-Kennzeichen und hinten nur das Postkarten-große Versicherungskennzeichen gibt, sollte der Gesetzgeber aber entsprechende Signal-Aufkleber gestatten – retroreflektierende, weiße Geschwindigkeitsschilder mit 20 Zentimeter Durchmesser und schwarzer „45“ sind an beiden Längsseiten und an der Rückseite des Fahrzeugs nach § 58 StVZO (eigentlich?) vorgeschrieben.

Wagenbreiter Gitter-Rohrrahmen

Der im Bereich der Fahrbatterie unter den Sitzen und vor der Verbundlenker-Hinterachse weit nach außen gezogene Gitter-Rohrrahmen des Rocks-e schützt bei einem Seitenaufprall die Hüften der Insassen und darüber hinaus als Faradayscher Käfig sogar bei einem Blitzschlag. Frontantrieb und – wie die Batterie – tief montierter Elektromotor sorgen für eine gute Straßenlage.

Beim ADAC drohte ein Aixam-Leichtkraftfahrzeug im VDA-Ausweichtest bei 45 km/h zu kippen – ist aber wohl nicht umgefallen. Der Rocks-e wurde dieser Prüfung noch nicht unterzogen. Sollte es aber doch einmal zum „Sturz“ kommen, ist zwischen der Fahrbahn und dem Rocks-e-Insassen aber zumindest noch der Abstand zum Gitterrohrrahmen und die abriebfeste Kunststoff-Außenhaut

Mit Scheibenbremsen vorn und Trommelbremsen hinten verzögert der (voll besetzt mehr als 600  Kilogramm schwere) Rocks-e vor allem auf glatter Fahrbahn besser, als ein ähnlich schweres Zweirad – denn die vier Reifen der Größe 155/65 R 14 bieten mit ihrem flachen Profilquerschnitt erheblich mehr Aufstandsfläche als zwei seitlich stark abgerundete Motorrad-Pneus. ABS – das erst seit 2016 für Krafträder über 11 kW Leistung vorgeschrieben ist – gibt es aber leider auch nicht gegen Aufpreis.

Überlegt gestalteter Innenraum

Zwei identische Türen bedeuten, dass die Tür auf der Beifahrerseite vorn angeschlagen ist und auch – wie seit 1963 nur noch zulassungsfähig und seitdem „gewohnt“ – nach vorne öffnet. Die hinten angeschlagene und entsprechend nach hinten öffnende Fahrertür ist nach der europäischen Betriebserlaubnis (COC Papiere) genehmigt. Vor dieser, früher öfter als „Selbstmördertür“ bezeichneten, Tür-Bauweise muss sich der (mit dem Rocks-e wohl vertraute) Fahrer aber nicht fürchten – nicht zuletzt, weil die Öffnung von innen per Zugband nicht an der Tür, sondern am Armaturenbrett erfolgt.

Bei einem Frontal-Aufprall kann sich die geteilte Lenksäule nicht in den Innenraum schieben und leicht bedienbare Dreipunkt-Sicherheitsgurte mit Gurtkraftbegrenzern halten die Passagiere auf den Sitzen. Deren angeformte Kopfstützen schützen bei einem Anprall von hinten vor einer Peitschenschlag-Verletzung.

Die weit nach hinten gerückte Sitzposition (der Beifahrersitz lässt sich sogar nicht nach vorne schieben) bringt beachtliche Kopf- und Beinfreiheit, ohne die Sicht nach vorn zu beeinträchtigen – denn das serienmäßige Panorama-Glasdach erlaubt auch den Blick nach oben, z.B. auf Ampeln. Hinter den Sitzen gibt es bewusst keine Hutablage, sondern nur ein kleines Ablagefach. Groß sind dagegen die fast einen Meter langen Staufächer in den Türen.

Statt einem Kofferraum gibt es im Beifahrer-Fußraum einen 63 Liter großen Stauraum. In den passt ein Koffer im Bordcase-Format und der muss auch nicht extra gesichert werden, weil er bei einer Vollbremsung – ebenso wie Gegenstände auf der wagenbreiten Ablage hinter der Frontscheibe – nicht nach vorn fliegen kann. Kaum teurer als ein Elektro-Roller und deutlich preiswerter als die meisten Lastenfahrräder bietet der Opel Rocks-e so zwei Personen jeden Alters und unabhängig von der körperlichen Konstitution nicht nur (im Vergleich zu einem Zweirad) relativ sicheren, sondern auch recht komfortablen Transport. (autour24/ks)

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