Opels neuer Stromer: Starker Mokka und cooles Design

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Von Klaus H. Frank

Die ersten Statements sind vollmundig, aber durchaus begründet und nicht übertrieben. „Mit dem Mokka haben wir Opel quasi neu erfunden“, sagt Opel CEO Michael Lohscheller. Er und seine Opelaner sind stolz darauf, dass sie den Mokka von Anfang an, quasi auf einem leeren Blatt Papier, entwickelt und designt haben, mit dem Hauptfokus auf Präzision und Qualität. Lohscheller: „Der neue Mokka zeigt, wofür Opel heute und in Zukunft steht. Er verkörpert perfekt die Markenwerte von Opel – deutsch, nahbar, begeisternd“. Und: Der Mokka ist der erste Opel, der ab seinem Marktstart (außer mit drei Verbrennungsmotoren) auch voll elektrisch auf die Straße rollt.

Und dieser Mokka-e  zeigt schon mit der auffälligen grünen Lackierung, was unter dem schicken Blechkleid zu erwarten ist: Er ist ein Stromer, dessen Aufgabe nicht nur darin liegt, die CO2-Bilanz und den Klimaschutz zu verbessern, sondern er soll seinem Besitzer auch die Freude am Fahren versüßen. Und nach unseren ersten kurzen Fahreindrücken können wir sagen: „Yes, he can“ – er macht richtig Laune der Mokka-e: Ein wahrhaft elektrisierendes Auto in Sachen Technik und Design, das die Position der Rüsselsheimer innerhalb des neu geschaffenen Konzerns Stellantis mit 14 verschiedenen Automarken nachhaltig festigen wird.

Ein Blick in das Gesicht des neuen Mokka weckt Erinnerungen. Die neue Vizor-Front – ähnlich dem Visier eines Integral-Helmes – haben sich die Designer nämlich von einem alten Bekannten abgekuckt – vom Manta A. Und dieser Vizor aus dunklem Plexiglas mit dem neu gestalteten Opel-Blitz, der sich quer über die Front des Autos zieht, soll auch bei kommenden Modellen (demnächst beim neuen Astra) im Mittelpunkt stehen und Opel ein echtes Alleinstellungsmerkmal in Sachen „deutsches Design“ verleihen. Klares Design auch am Heck, auf dem der Mokka-Namenszug in eleganter Schrift fast über die gesamte Breite der Heckklappe läuft.

Ein Vergleich mit dem alten Mokka fällt schwer. Denn dies ist wie der Vergleich von gestern mit morgen. Der Vorgänger war ein eher pummeliges Mädchenauto, in dem sich so mancher Mann etwas deplatziert gefühlt haben mag. Anders der Neue. Todschick ist er, geduckt (12,4 Zentimeter niedriger) mit kurzen Überhängen und breiter Spur. Er wirkt top-modern, innovativ, männlich – wenngleich auch die Frauen darauf abfahren werden. Mit 4,15 Meter ist er 12,5 Zentimeter kürzer als der alte, was sich jedoch auf die Geräumigkeit im Innenraum nur marginal auswirkt. Mangelnder Platz ist kein Thema, weder im Passagier- noch im Kofferraum (310 bis 1060 Liter).

Klares, puristisches Design finden wir auch im Innenraum. Opel nennt es Pure Panel, weil damit der Blick aufs Wesentliche gerichtet ist. Im Cockpit dominieren zwei Widescreen-Displays, in denen alle Informationen klar gegliedert und auf einen Blick erfassbar sind – das sieht richtig cool aus. Die Opel-Designer haben größten Wert auf eine „digitale Entschlackung“ gelegt und nehmen dabei gern das Wörtchen „Detox“ in den Mund. Um die volle Aufmerksamkeit auf das Verkehrsgeschehen zu lenken, steht die intuitive Bedienung des Systems im Mittelpunktt. Sehr erfreulich, dass Opel sich nicht wie manch anderer Hersteller vom Digitalisierungs-Wahn hat leiten lassen. So sind denn auch wichtige Funktionen (Klima, Radio, etc.) nach wie vor über „normale“ Tasten zu bedienen, ohne dass sich der Fahrer durch alle möglichen Untermenus klicken muss und damit den Blick auf das Verkehrsgeschehen verliert.

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Wer noch nicht mit einem elektrischen Antrieb liebäugelt, der hat beim Mokka auch die Wahl zwischen hochmodernen und sparsamen Diesel- und Benziner-Aggregaten mit einem Leistungsspektrum von 100 bis 130 PS.  Deren Turbolader besitzen bereits bei sehr niedrigen Drehzahlen enorm viel Kraft. Die Gänge sortiert ein hochmodernes Sechsgang-Schaltgetriebe oder eine sanft schaltende Achtstufen-Automatik mit Quickshift-Technologie und manuellen Schaltwippen.

Der Mokka-e wird von einem Elektromotor mit der Leistung von 100 kW/136 PS und 260 Newtonmeter maximalem Drehmoment angetrieben. Das ist ganz ordentlich, aber ein Temperamentsbolzen ist er nicht. In 9,0 Sekunden beschleunigt er von null auf 100 km/h; den Sprint auf 50 km/h schafft er in gerade mal 3,7 Sekunden hin. Das allerdings klingt ganz gut. Weniger gut finden wir, dass die Höchstgeschwindigkeit mit dem Blick auf ausreichende Reichweite auf 150 km/h begrenzt ist.

Der Fahrer kann zwischen den drei Fahrstufen Normal, Eco und Sport wählen. Gestartet wird der Mokka-e im Normal-Modus, der ihn zu einer Leistung von 109 PS befähigt. Eigentlich vollkommen ausreichend. Bestens geeignet für den Stadtverkehr ist der Eco-Modus, der die Leistung zwar auf 82 PS reduziert, jedoch die versprochene Reichweite von 324 Kilometer (WLTP) gewährleisten dürfte. Wer zügig unterwegs sein will, wählt „Sport“ und besitzt damit die gesamte Leistungsausbeute, muss allerdings eine deutliche Verringerung der Reichweite in Kauf nehmen. Als realistische Reichweite bei normaler Fahrweise und mittleren Temperaturen dürften etwa 250 Kilometer möglich sein.

Das Fahren des flüsterleisen Mokka-e unterscheidet sich kaum von dem seiner Verbrenner-Brüder. Das Kurvenverhalten des Fronttrieblers ist sogar besser, weil durch die gewichtigen Batterien im Unterboden der Schwerpunkt deutlich tiefer liegt, das Fahrzeug straff abgestimmt ist und kaum wankt. Auch von der Lenkpräzision sind wir begeistert – perfekt.

Das Laden des Mokka-e ist relativ easy. Muss „nachgetankt werden, lässt sich die 50 kWh-Batterie an einer 100 kW-Gleichstrom-Säule in 30 Minuten per Schnellladung bis zu 80 Prozent wieder aufladen. Saft für 100 Kilometer gibt’s in zwölf Minuten. Laden zuhause an der Haushaltsteckdose dauert fünf Stunden. Egal ob Wall Box, High-Speed-Charging oder Kabellösung für die Haushaltssteckdose – der neue Mokka-e ist auf alle Ladeoptionen vom einphasigen bis zum dreiphasigen Laden mit 11 kW Wechselstrom vorbereitet. Der dreiphasige 11 kW-On-Board-Charger ist bei den Varianten Elegance, GS Line und Ultimate Serie. Ideal ist der „Universal Charger“, mit dessen drei Adaptern sich das mobile Ladegerät an nahezu alle ländertypischen Haushaltssteckdosen bis hin zur Drehstromsteckdose sowie an öffentliche Ladesäulen anschließen lässt.

Eigentlich überflüssig zu erwähnen: In Sachen Infotainment, Konnektivität und Assistenzsysteme (16 an der Zahl) ist der Mokka „state of the art“, was heißt: Er verfügt über alle elektronischen Heinzelmännchen und Sicherheitsdetails (z. B. Einparkhilfe, Notbremsassistent mit Fußgängererkennung, LED-Matrix-Licht, ACC stop & go), die es da so gibt – manche allerdings sind nur gegen Aufpreis erhältlich.

Zum vieldiskutierten Problem der Lieferengpässe gibt es leider keine präzisen Aussagen und keinen neuen Stand. Fakt ist. Die Produktionskapazitäten des Mokka-e, der im französischen PSA-Werk Piossy gebaut wird, sind voll ausgelastet, Wartezeiten unvermeidbar. Konkrete Lieferfristen sind deshalb nicht zu bekommen. Wer auf einen Mokka-e spekuliert, sollte sich beim Händler informieren, der weiß über den jetzigen Sachstand Bescheid. Geht momentan nix, dann wird dieser eventuell den Corsa-e empfehlen, der die gleiche technische Basis wie der Mokka-e besitzt und wegen der Lieferengpässe mit guten Rabatten angeboten werden dürfte.

Die Preise: Der Mokka mit Verbrennungsmotor startet 19 990 Euro (1,2-Liter-Benziner mit 100 PS), das teuerste Modell (Ultimate) liegt bei 32 175 Euro. Der Mokka-e kostet in der günstigsten Version 34 110 Euro, in der Topversion sind es 41 200 Euro. Davon abgezogen werden muss die Prämie für Elektroautos (9570 Euro), die den Preis auf 24 540 Euro reduziert. Ein wirklich gutes Angebot, das nur noch einen runden Tausender über dem Preis des Diesels liegt. (autour24/khf)

Technische Daten Opel Mokka-e: L x B x H (Meter): 4,15 x 1,98 x 1,53, Radstand (Meter): 2,56. Motor: Elektro, Leistung: 100 kW/136 PS, Max. Drehmoment: 260 Nm.
Batterie: Hochvolt-Lithiumionenbatterie 50 kWh. Höchstgeschwindigkeit: 150 km/h, Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 9,0 Sek. Elektr. Reichweite: 324 km. WLTP-Durchschnittsverbrauch: 17,4–18,0 kWh. CO2-Emissionen: 0. Leergewicht / Zuladung: min. 1598 kg / max. 417 kg. Kofferraumvolumen: 310–1060 Liter. Wendekreis: 11,08 m. Luftwiderstandsbeiwert: 0,32. Preis ab 34 110 Euro.

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