Berchtesgaden – unterwegs im Revier der Huber-Buam

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Von Kurt Sohnemann

Berchtesgaden. Isabel hat ihre Finger ganz fest um den kleinen Vorsprung der Felswand geklammert. Auf zittrigen Knien hat sie die ersten 50 Meter hinter sich gebracht. Unter ihr die steile Fallhöhe von nicht minderer Weite, vor sich noch endlos scheinende weitere Schritte und Thomas Huber, der ihr Mut zuspricht. Den kann sie jetzt gebrauchen, denn sie hat sich bewusst in die Situation gebracht. Die Höhenangst will besiegt werden. Behutsam balanciert sie ihre 63 Kilogramm Lebensgewicht auf den erfahrenen König der Berge zu, der als Part der „Huber-Buam“ mehrfach auf den höchsten Gipfeln dieser Erde unterwegs ist. Das Seil in der Wand vermittelt Sicherheit, und erst nach dem gelungenen Abseilen lässt die Euphorie einen stolzen Gesichtsausdruck zu. Die Mundwinkel reichen von Ohr zu Ohr und der Beifall aller Zuschauer vor der Göll-Westwand im Nationalpark Berchtesgaden darf Isabel als echte Respektsbekundung für sich in Anspruch nehmen.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Aber eigentlich muss man nicht Bergsteiger sein, um die Schönheit der Region für sich in Anspruch zu nehmen. Auf den breiten Wanderwegen kämpfen zahlreiche Mountainbike-Fahrer mit oder ohne Elektrounterstützung gegen die Höhenmeter und wer es bei Schusters Rappen belässt, hat ebenfalls seine Freude an mehr oder weniger sportlicher Leistung. Malerisch zeichnet die Natur dabei mit Almwiesen, Blumen, Felsen und herabstürzenden Bächen eine Szenerie, die romantischer kaum sein könnte. „Wir haben uns stark dafür eingesetzt, dass wir mit dem ,Freundeskreis Rietberger Horn‘ einen Alpenplan durchsetzen konnten, der in drei Zonen gegliedert ist. Die Zone A ist für Touristen zugängig, die Zone C gilt als absolut unantastbar“, schildert mit Alexander Huber der zweitgeborene der Huber-Brüder seine Leidenschaft für die Natur und ihre Bewahrung.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Zu den Gipfelerlebnissen, die selbst für Menschen mit den Voraussetzungen eines norddeutschen Krabbenfischers möglich sind, gehört die Besteigung des Jenners. Der Berg erhebt sich 1.874 Meter und gibt einen großartigen Blick auf den Königssee preis. Beim Aufstieg darf sogar mit der Jennerbahn etwas gemogelt werden. Die abschließenden Meter sind immer noch ein sportlicher Weg für Menschen, die nur Deiche als höchste Landschaftsform gewohnt sind. Wer dann schon einmal oben ist und nach einer Belohnung für seine Mühen sucht, wird fündig. Zumeist ist es Max Hirlinger, der das älteste Brennrecht ausübt, das Florian und Martin Beierl im Jahre 1692 zugeteilt wurde. Aus Enzian, Wacholderbeeren, Lavendel, Koriander und Meisterwurz fließen die Destillate in ihre begehrten Behältnisse, um von den Touristen erworben zu werden. Mit dem gleichen Stolz wie ein Fünfjähriger sein Seepferchen, tragen die Wanderer dann die abgefüllten Produkte zu Tal, falls diese den Transportweg unangetastet überleben.

Ohnehin hat sich die Region Berchtesgaden den regionalen Produkten verschrieben. Frisch und direkt landen sie pur oder veredelt auf den Tellern der Gäste. An der Spitze der Veredlungskunst steht dabei zweifellos Sternekoch Uli Heimann, der im Restaurant „Pur“ im Kempinski ebenso sicher die Zubereitungstechniken beherrscht, wie die Herausforderungen in den Bergen. Er gilt als Deutschlands bestkochender Bergsteiger. Aber auch ohne diese sportlichen Voraussetzungen eifern ihm andere Kollegen nach. In der malerischen Fußgängerzone der Stadt haben Beni Rasp und Marko Lauterbach moderne bairische Küche zu bieten, das Restaurant „Esszimmer“ von Maximilian Kühbeck steht für gehobene Küche und wer Wert auf Vollwertküche legt, ist jenseits des Schweinsbratens bei Kristina Pinters in der „Mountain Bakery“ an der richtigen Adresse.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Angesichts der verlockenden Perspektiven der oberbayerischen Idylle sollten sich die Gäste aber nicht über ihre Möglichkeiten hinauswagen. „Das Können ist des Dürfens Maß“, gibt Thomas Huber als Faustformel mit auf den Weg. Jacob Brandner von er Bergwacht ergänzt mit dem Rat, dass es eine defensive Tourenplanung geben sollte. „Nicht so wie die beiden Bloggerinnen, die einzig mit einem Bikini und Highheels bekleidet in eine Gewitter gerieten und sich vor Kälte kaum noch bewegen konnten, als die Bergwacht eintraf, um sie zu retten. Einzig Mobiltelefone hatte sie noch dabei“, erinnert sich Jacob Brandner an den Einsatz, von denen es zunehmend mehr gibt, seit es Smartphones und Selfies gibt.

Infos unter: www.berchtesgaden.de

Kommentar verfassen