Goodyear Blimp: Die Wiederentdeckung der Langsamkeit

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Von Walther Wuttke

Die National-Football-Foundation der USA ist eine elitäre Vereinigung, und wer hier aufgenommen wird, muss besondere Talente auf oder neben dem Spielfeld geleistet haben. Oder im Ausnahmefall auch über dem Stadion. So wie der Goodyear Blimp, der im vergangenen Jahr als Ehrenmitglied in die College Hall of Fame aufgenommen wurde. Bisher durften nur ausgezeichnete Trainer oder Spieler diese höchsten Weihen des Footballs empfangen. Der Blimp, der weder das eine noch das andere ist, sondern ein ausgewachsener Zeppelin aus deutscher Produktion, gehört zu den bedeutenden amerikanischen Sportveranstaltungen – vom Superbowl über die Nascar-Rennen bis zur Baseball-World-Series sowie die Olympische Spiele – wie Hotdogs, Cola und das Barbecue vor dem Spiel.

Eine Fahrt im Goodyear-Luftschiff ist die Rückkehr in eine Zeit, als Geschwindigkeit noch eine relative Größe war, als die Menschen sich die Zeit nicht nehmen mussten, sondern sie einfach besaßen und diese dann auch genossen. Das Wort „gemütlich“ trifft diese Art des Reisens nicht wirklich. Wenn der Blimp (engl. = Luftschiff) mit rund 60 km/h über dem Rheintal oder an der Frankfurter Skyline vorbei schwebt und sich vor dem Auge Burg auf Burg und die modernen Bankenburgen aufbauen, macht sich ein Nostalgie breit und versetzt den Passagier in eine Zeit, als das Reisen allein schon das Ziel war. Natürlich kommt mitunter ein Gedanke an die unglückliche Hindenburg auf, doch das moderne Luftschiff ist vor solchen Katastrophen perfekt geschützt.

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Vor allem, wenn im Cockpit 50 Jahre Flugerfahrung sitzen. Zudem ist die Ausbildung zum Luftschiffkapitän aufwendig, und „wir nehmen nur Berufspiloten in unsere Ausbildung“, erklärt der Kapitän vor dem Start. „Erst nach zwei Jahren und vielen Starts und Landungen ist die Lehrzeit abgeschlossen.“ 180.000 Euro kostet die Ausbildung, die sich der im 2007 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommene US-amerikanische Milliardär, Abenteurer und Flugpionier Steve Fossett leistete. Milliardär zu sein, wäre schön. Dann stünde auf der Liste der überflüssigen Luxus-Investitionen ein Luftschiff statt der Megayacht ganz oben. 18 Millionen Euro plus Unterhalt und Wartung kostet so ein Zeppelin wie der Goodyear Blimp. Deutlich weniger als die Yacht, aber mit mehr Genusswerten ausgerüstet.

Angenehm, fast wie ein Segelboot schaukelnd, fliegt der Zeppelin in rund 300 Metern Höhe über die Landschaft, und die drei 200 PS (147 kW) starken Motoren geben dazu die dezente (viel zurückhaltender als im Flugzeug) akustische Begleitung. In der Passagierkanzel ist ausreichend Platz für zwölf Fluggäste, und die Klimatisierung übernehmen die beiden vorne und hinten geöffneten Fenster. Jede Kursänderung macht sich mit einem kleinen Wackler bemerkbar, und erst bei der Landung – der Goodyear Blimp kann auf jeder Wiese landen – geht es steil herunter aufs Stoppelfeld, wo bereits die Landemannschaft wartet. Vor der Landung hält der Chef der Landemannschaft noch einen kleinen tragbaren Windsack in die Höhe, um die Windrichtung anzuzeigen. Das Luftschiff landet immer direkt im Wind. Und nachdem die neuen Passagiere an Bord sind, rauschen die Motoren etwas lauter, und das Luftschiff ist wieder in seinem Element.

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Seit dem Jahr 1925 beherrschen die Blimps von Goodyear den Himmel, und heute sind drei der Zeppeline in den USA stationiert. Das vierte Luftschiff wird von der Heimat des Zeppelins in Friedrichshafen aus eingesetzt. Bereits 1910 entdeckte Goodyear die damals noch junge Luftfahrtindustrie und entwickelte mit Gummi überzogene Materialien für die Fluggeräte. 1972 schließlich kam der Goodeyear Blimp auch nach Europa. Aktuell will der Reifenhersteller mit ihm auf die Rückkehr in den internationalen Motorpsort aufmerksam machen.

Neben seinen Auftritten bei Sportveranstaltungen können auch Rundflüge gebucht werden. Die nächsten Stationen des Luftschiffs sind die 24 Stunden von Le Mans (18. bis 20. September), Bonn (22. September), die WTCR auf dem Nürburgring (26. September), Friedrichshafen (28. September) und schließlich München (9. Oktober). (ampnet/ww)

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