„Cupra Garage“: Eröffnung mit Extremen

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Von Frank Wald

Auf den ersten Blick könnte man es auch für eine stylische Mode-Boutique oder einen angesagten Partyclub halten – wenn der Standort des antrazitfarbenen Gebäudes nicht die Hamburger Automeile Nedderfeld wäre und das gemälderahmenartige Holzportal nicht von kupferfarbenen Cupra-Logos flankiert würde. Seats sportlicher Ableger hat in der Elbmetropole seine erste „Cupra Garage“ in Europa eröffnet. Warum? Weil in der Hansestadt die meisten Autos der Marke verkauft werden.

„Deutschland ist der größte Markt für uns“, sagt Cupra-Chef Wayne Griffiths, der zur Eröffnung des ersten europäischen Flagship-Stores aus Barcelona angereist war. „Im vergangenen Jahr haben wir hier mehr als 10.000 Fahrzeuge verkaufen können.“ Die Corona-Pandemie hat zwar auch bei der Sportschmiede der spanischen VW-Tochter Seat das Geschäft zum Erliegen gebracht. Doch „inzwischen steigen die Absatzzahlen wieder zweistellig“, sagt Griffiths. Mit der Eröffnung der ersten Cupra-Garage in der zweitgrößten Stadt Deutschlands gibt es nun insgesamt rund 248 Verkaufsstandorte weltweit.

Erst im Frühjahr 2020 wurde das Projekt in Auftrag gegeben und ist sieben Monate später bereits fertig gestellt. Auf den 250 Quadratmetern Ausstellungsfläche finden fünf Fahrzeuge Platz. Zwei so genannte Cupra-Master beraten die Kunden. In einem zusätzlichen Virtual-Reality-Raum können Details künftiger Modelle gezeigt werden. Hinzu kommen eine 350 Quadratmeter große Werkstatt sowie Verkaufsbüros, eine Fläche für den Verkauf von Motorsport- und Lifestyle-Artikeln sowie die Service-Annahme. Im Innern dominieren Beton-Optik und kupferfarbene Gestaltungselemente, die sich nicht nur an der Wand, sondern auch in den Möbeln und unter der Decke wiederfinden. Sie fügen sich in die Charakteristik des Industriebaus aus den 1950er-Jahren, in dem einst Kraftmessgeräte für Jahrmärkte und die Lostrommel der Fernsehlotterie gefertigt wurden.

Formentor als Plug-in-Hybrid

Bernhard Bauer, Geschäftsführer des deutschen Seat-Importeurs, ist von dem stylishen Vermarktungskonzept überzeugt. „Ich bin sicher, dass wir mit unseren Partnern vor Ort und der aktuellen Erweiterung der Modellpalette der Performance-Marke erst am Anfang einer großen Erfolgsgeschichte stehen.“ Bislang besteht die noch aus leistungsgesteigerte Seat-Modelle wie dem Cupra Leon oder dem Cupra Ateca. Das erste eigenständige Modell, für das es keine Seat-Vorlage gibt, wird der Crossover Formentor sein, der ab Oktober mit 310 PS (228 kW) Leistung, später auch als Plug-in-Hybrid mit 245 PS (180 kW) ausgeliefert werden soll.

Denn neben der Sportlichkeit will Cupra sich auch in Sachen Elektromobilität etablieren. Das erste vollelektrische Cupra-UV-Coupé Tavascan steckt zwar noch in der Studienphase. Doch dafür haben die Spanier jüngst auf Basis des Leon den von vier Elektromotoren angetriebenen Cupra e-Racer auf die Räder gestellt, der an der für kommendes Jahr geplanten Elektro-Tourenwagenmeisterschaft Pure ETCR teilnehmen soll. Pilotiert wird der 680 PS (500 kW) starke E-Renner unter anderem von Mattias Ekström.

Zwischen Motorsport und Umwelt-PR-Aktion

Der schwedische DTM-Champion wird außerdem am Steuer eines 550 PS (405 kW) starken Elektro-Geländewagen in der neuen Rennserie Extreme E sitzen, wie Cupra bei der Enthüllung in Hamburg bekannt gab. Zusammen mit der Kemptener Tuningschmiede und Rennstall Abt Sportsline werden die Spanier als erster Autohersteller an der Ende Januar 2021 startenden Offroad-Rallye teilnehmen. Sie besteht aus acht Teams, darunter auch eines von Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton, und ist ein heikler Spagat zwischen Motorsport und Umwelt-PR-Aktion. Um auf die Umweltzerstörung und die Folgen der Klimakrise aufmerksam zu machen, finden die Offroad-Rennen auf Grönland, im Amazonas-Regenwald, in der Wüste oder im Himalaya statt.

Gefahren wird jeweils ein etwa acht Kilometer langer Parcours ohne Zuschauer gegen die Zeit. Am Lenkrad der martialischen Einheits-Elektro-SUVs sitzen abwechselnd eine Frau und ein Mann. Ein umgebautes Schiff dient als Transporter und schwimmendes Fahrerlager, aufgeladen werden die Autos über Brennstoffzellen und selbst hergestelltem Wasserstoff. Gründer und Organisator der Extreme E, Alejandro Agag, verspricht, weder Schäden noch Müll in der Natur zu hinterlassen. Im Gegenteil, „werden wir uns vor Ort an Programmen zu Wiederaufforstung, Klima- und Sozialprojekten beteiligen“. Der Spanier, der zuvor auch schon die Formel E in die großen Hauptstädte geholt hatte, freut sich „ganz besonders, Cupra als ersten Automobilpartner von Extreme E zu begrüßen.“ Und auch Cupra-Chef Wayne Griffiths glaubt, die Serie passe perfekt „zur Einstellung der Marke, Herausforderungen im Rennsport anzunehmen, und zu ihrem Ehrgeiz, neue Motorsportwelten zu erforschen“. (ampnet/fw)

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