Statt Strand von Spanien die Natur im Westerwald

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Von Kurt Sohnemann

Hachenburg. „Eigentlich wollten wir unseren Urlaub in diesem Jahr in Spanien verbringen. Dann haben wir aber die gesunde Variante vorgezogen und sind in den Westerwald gefahren“, zeigen Jürgen und Heike keine Reue bei ihrer Entscheidung. „Es ist schon beeindruckend, wie schön Deutschland ist. Jetzt sind wir schon den vierten Tag zu Fuß in der Region unterwegs und entdecken nicht nur jeden Tag Neues, wir haben unsere Liebe zur Natur entdeckt“, setzt das Ehepaar aus Nordrhein-Westfalen das Loblied auf den Westerwald fort. Was für sie in der Vergangenheit nur der Saum der Autobahn 3 und etwas Grünes aus dem Fenster des etwa 300 Stundenkilometer schnell fahrenden ICE auf Höhe des Westerwaldes war, ist zu einem Ziel geworden, das sie nicht zum letzten Mal aufgesucht haben.

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Die Kleinstadt Hachenburg ist in diesem Jahr nicht nur bei einem Ehepaar Ausweichziel geworden, weil Covid 19 die gesamte Reisebranche erschüttert hat. Die drei Hotels und 15 Ferienwohnungen in der 6.000-Seelen-Stadt sind in Ferienzeiten gut frequentiert. Statt der Seminare sind jetzt Einzelreisende die Hauptklientel. „Wir haben uns schnell umgestellt“, sagt eine Angestellte des malerisch gelegenen Parkhotels im Ort und achtet streng auf die Auflagen, um nicht die Gesundheit der Gäste zu gefährden. Die Küche des Hauses zieht alle Register, um dem Anspruch eines Top-Restaurants gerecht zu werden – in aller Regel mit gutem Erfolg.

Dass der Westerwald nicht zu den seichtesten Landschaftsformen in Deutschland zählt, bekommen die Wander- und Fahrradtouristen schnell zu spüren. Oftmals ersticken die Bergan-Fahrbemühungen schon im Keim, wenn es keine Unterstützung eines Akkus des Zweirades gibt. Auch ist es förderlich, nicht zu schmale Reifen auf dem Bike zu haben, wenn die Untergründe der recht vielen Fahrradstrecken nicht den gewohnten Asphalt bieten. Der Westerwald ist Abbaugebiet von Basalt, was sich auch an der Schotterung mancher Wege deutlich zu erkennen ist.

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Eine Fundgrube für geologisch interessierte Gäste ist der in der Nähe von Hachenburg befindliche Stöffel-Park. Über eine Fahrradroute ist die ehemalige und stillgelegte Industrieanlage gut erreichbar. Nachdem der Basalt-Abbau dort im Jahr 2000 eingestellt wurde, lässt es heute Einblicke in Ausstellungen zu, die von der Förder- und Verarbeitungstechnik bis hin zu den fossilen Funden aus Zeiten bis vor 25 Millionen Jahren reichen. Mit viel Liebe zur Übersichtlichkeit ist der Abbau des Basalts leicht verständlich dokumentiert und das Basalt-Industrie-Museum lässt Einblicke in die Veränderungen der Gesteinsformationen einzelner Zeitepochen zu. Die riesige, in Deutschland einmalige Betriebsanlage ist aber auch als Kunstausstellung interessant.

Weniger weit in die Vergangenheit führt eine beachtliche Ausstellung in Hachenburg. Ein Ensemble aus Gebäuden, die bis in das Jahr 1680 zurückführen, dokumentiert die Bau- und Lebensweise im Westerwald der Vergangenheit. Das Fachwerk beherrschte den Baustil, der auch heute noch in vielen Gassen von Hachenburg und der Region vorhanden ist. Von den acht Gebäuden des Landschaftsmuseums am Stadtpark sind sieben im Fachwerkstil errichtet und wurden im Laufe der Zeit in der Region abgebaut, um zu diesem sehenswerten Museum zusammengeführt zu werden. Die Reise in die Vergangenheit ist bei günstigen Eintrittspreisen möglich, die der Unterstützung der Museumsarbeit zugeführt werden.

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Bei den Fahrradtouren oder Wanderungen auf den zahlreichen Strecken, die nur selten vom Autoverkehr gestört werden, wird deutlich, dass der Wald derzeit einem Umbau unterzogen wird. Statt der durch Windbruch, Trockenheit und Schädlingsbefall gelittenen Nadelhölzer halten vermehrt Laubgehölze Einzug in die Forstbestände. Damit ergeben sich unübersehbare Lücken im ansonsten dominierenden Waldbild der Region.

In die Landschaft eingebettet sind Seen, die Heimat für eine große Vielfalt von Wasservögeln geworden sind. Die Idylle teilen sich an drei Stellen Campingurlauber mit den natürlichen Bewohnern der Uferzonen an den Wasserflächen. Beim Anblick der vielfältigen Natur und der gegebenen Ruhe in der Landschaft wird mehr und mehr die Einstellung der Menschen deutlich, den Westerwald aufzusuchen, statt an die Strände nach Spanien zu reisen. Der Erholungseffekt ist zweifellos in der der Nähe größer. (autour24/ks)

Infos: www.westerwald.info

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