Die richtige Mischung aus Natur und Gesundheitsprävention

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Von Kurt Sohnemann

Bad Aibling. Die Tourismusbranche hat es zweifellos durch die Covid-19-Pandemie schwer erwischt. Nur noch ein paar Zeilen auf den Abflugtafeln der Flughäfen, die sonst prall gefüllt waren, Busunternehmer kämpfen mehr mit Formularen als mit dem Wochenendverkehr und die Reiselust der Deutschen hat sich mehr auf die Ziele innerhalb des Landes beschränkt als auf exotische Ziele. „Wir haben wohl die richtige Mischung vorzuweisen, um jetzt ein attraktives Ziel abzugeben“, kann Thomas Jahn erfreut die Gästezahlen der vergangenen Wochen und Monate resümieren. Er ist Kurdirektor in Bad Aibling. Die Stadt mit den 20.000 Einwohnern im Landkreis Rosenheim hat in den vergangenen Jahren offensichtlich die richtigen Hebel in Bewegung gesetzt, um jetzt als Gewinner aus der Gesamtsituation hervorzugehen. Seit Juli 2020 sind die knapp über 2.000 Gästebetten ausgebucht.

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Wer sich auf den Weg nach Bad Aibling macht, wird schon weit vor dem Ortseingang von einem Panorama empfangen, das malerischer kaum sein kann. Die von den Alpen gesäumte Stadt hat sich seine Lage auf moorigem Boden mit Thermalquellen zunutze gemacht. Schon vor 175 Jahren ist der Ort als Moorbad in Erscheinung getreten. Findige Aiblinger haben die gesundheitsförderliche Wirkung des Moores für sich und ihre Gäste entdeckt. Vor 125 Jahren erfolgte dann die offizielle Ernennung zum Moorheilbad, was in diesem Jahr eigentlich mit großen Veranstaltungen gefeiert werden sollte. „Das ist jetzt leider alles der Pandemie zum Opfer gefallen“, bedauert Thomas Jahn, dass die intensiven Vorbereitungen alle verworfen werden mussten.

Trotzdem haben die Aiblinger nie die Köpfe ins Moor gesteckt – wohl aber die restlichen Körperteile. Mit dem Resultat, dass den Kurgästen bei Rheuma, Neurodermitis und beim Kinderwunsch geholfen werden konnte (letzteres , weil der weibliche Organismus positiv auf die Einwirkungen des Moores reagiert). Der Torf wird in den Bädern auf etwa 45 Grad erhitzt und hält diese Wärme über eine weitaus längere Dauer als beispielsweise Wasser. Eine Ausstellung im Bad Aiblinger Stadtzentrum gibt Auskunft für die heilenden Wirkungen dieses Naturfundus‘ der Stadt. Auf einer Fläche von etwa 10 Hektar wird der Moorboden abgebaut und nach Verwendung auch wieder in die Natur verbracht. „Das Moor muss die Konsistenz von Pflaumenmus haben“, rieten nach dem Pionier der Anwendungen Dr. Desiderius Beck auch viele seiner Nachahmer in Bad Aibling. Der königlich bayerische Gerichtsarzt eröffnete 1845 die erste Sole- und Moorschlamm-Badeanstalt hatte wenig Rückendeckung in der Bevölkerung der Stadt Aibling und zudem noch gegen die Überzeugungen des damaligen Pfarrers Meier zu kämpfen. Heute ist sogar ein Ehrenpreis der Stadt nach Beck benannt.

Anwendungen können Gäste in der Therme erfahren, die vornehmlich auf die natürlichen Heilquellen der Natur aufgerichtet wurde. Gemeinsam mit einer Eishalle grenzt die weitläufige Therme an den idyllischen Kurpark. Der Stadt ist es gelungen, ein arrondiertes Ensemble von Erholungs- und Heileinrichtungen zu schaffen, die allesamt in kürzester Zeit von der Stadtmitte erreichbar sind. Zu den Reha-Einrichtungen haben sich im Laufe der vergangenen Jahre noch diverse Spezialkliniken gesellt, so dass Bad Aibling seinem Ruf als Gesundheitszentrum in Oberbayern alle Ehre macht. Etwa die Hälfte aller Touristen besuchen die Stadt, um ihrer Gesundheit Gutes zu tun. Wer auch das Wandern und Radeln zu den Komponenten der Gesundheit zählt, kommt auf einen noch höheren Prozentsatz.

Grund für die Beliebtheit Bad Aiblings bei Wanderern und Radlern ist das hervorragend ausgebaute Wegenetz. Die Radwege sind weitgehend eben und als leicht einzustufen. Wer mittelschwere und schwere Passage bevorzugt, findet diese aber auch in der Nähe. Verleihunternehmen sorgen für die fahrbaren Untersätze, so dass diese nicht extra mit nach Bad Aibling genommen werden müssen. Eine der leichten Strecken führt nach Berbling, einem kleinen Ort in der Nähe, der für die malerische Kirche und seinem Schatz bekannt ist. Hier hat der Maler Wilhelm Leibl das bekannte Bild „Die drei Frauen in der Kirche“ gemalt, für das er vier Jahre Zeit investierte. Eine Kopie ist in der schmucken Heilig-Kreuz-Kirche aufgehängt, das Original befindet sich in der Hamburger Kunsthalle.

Auf den Rundwegen ist die landschaftliche Schönheit der Region beeindruckend. Die Füsse Mangfall und Glonn prägen den hohen Freizeitwert der Stadt. Dass im kristallklaren Wasser der Flüsse gebadet werden kann, liegt an der Sauberkeit des Wassers und den Staustufen, die für flachen Zonen sorgen, in denen auch Kinder unbesorgt plantschen können. Nicht selten sonnen sich die Menschen aber auch auf den kleinen Inseln in der Mangfall, um dem Alltag zu entkommen. (autour24/ks)

Infos: www.aib-kur.de

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