Skoda Azubi Car: Die jungen Wilden bauen ihren Traumwagen

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Was für ein Traum für junge Menschen in der Ausbildung: Als Team ein Auto zu konzipieren, seine Form festzulegen gestalten und es schließlich zu bauen. Beim tschechischen Autohersteller Skoda hat dieser Traum inzwischen eine mehrjährige Tradition. Seit 2014 stellen die Azubis jedes Jahr aus eigener Kraft ein besonderes Einzelstück auf die Räder.

In diesem Jahr rollte das siebte Unikat in Reihe aus der Werkhalle. Der Name dieser besonderen Kreation: Slavia. Damit ist das Azubi Car 2020 eine Verbeugung vor dem Unternehmen Skoda und den zwei Gründervätern der Marke, Vaclav Laurin und Vaclav Klement. Denn die beiden starteten vor 125 Jahren mit einer Produktion von Fahrädern, die den Produktnamen Slavia trugen.

„Das Azubi Car ist das Leuchtturm-Projekt eines jeden Jahrgangs der Skoda-Berufsschule“, sagt Alois Kauer, der die Skoda Akademie seit Februar 2020 leitet. „Unsere Studenten stellen bei der Planung, Konstruktion und Fertigung eines beeindruckenden Einzelstücks den hohen Standard der Ausbildung in unserem Haus unter Beweis. Sie arbeiten dabei in verschiedenen Unternehmensbereichen mit den Profis zusammen. So lernen sie bereits im Rahmen ihrer Ausbildung Abläufe kennen, die später einmal zu ihren Aufgaben gehören werden, wenn sie nach ihrem Abschluss in der Berufsschule die nächsten Schritte bei uns im Unternehmen machen.“

Beim Design holten sich die engagierten Auszubildenden ihre Inspiration bei einem historischen Auto, dem Skoda 1100 OHV, einem offenen Rennwagen aus dem Jahr 1958. Der rote Zweisitzer, der sich tief auf die Straße duckt, hat nämlich ein auffälliges Stilelement, das sich bei der entfernten Replik wiederholen sollte: eine Art gerundete Heckflosse, die vom hinteren Ende des Wagens nach vorn ansteigt und schließlich wie eine solide Kopfstütze für den Fahrer wirkt.

Den 31 Jungen und Mädchen der „Skoda Academy“, die das Projekt in Szene setzten, reichte das aber nicht aus, als sie zunächst einmal von einem aktuellen Skoda Scala das Dach absägten, um daraus ein Cabrio zu machen. Statt des einen Höckers wurden es beim Slavia zwei, die sich hinter den beiden Sitzen aufwölben. Der weiße High-Tech-Lack in drei Schichten zeigt einen bläulichen Perleffekt und bildet einen spannenden Kontrast zu den schwarzen Elementen an Front- und Heckpartie.

Bei der Innenraumausgestaltung bewiesen die Nachwuchs-Autokonstrukteure guten Geschmack. Sichtbarer Beweis dafür sind die auffälligen weißen Steppnähte, zum Beispiel an der schwarzen Sitzpolsterung und am Lederlenkrad. Klar, dass sich die jungen Wilden nicht davon abhalten ließen, den historischen Rennwagen auch im Sound zu imitieren. Deswegen macht der Slavia nach dem Anlassen ein ordentliches Getöse, das wie eine generelle Kampfansage des Junior-Teams an konservative Werte klingt. Die Jungs und Mädels haben einfach ein paar Elemente der originalen Auspuff-Anlage weggelassen, um ihrem Auto eine kräftige Stimme zu verleihen.

Und damit sind wir bei einem wesentlichen Punkt des Meisterstücks der Auszubildenden: Es ist nicht nur ein sogenannter „Showcar“, der als statisches Kunstobjekt auf einer Drehscheibe festgenagelt ist und sich aus eigener Kraft nicht bewegen kann. Ganz im Gegenteil: Mit seinem 1,5 Liter großen Vierzylinder-Benzinmotor und 150 PS sowie 7-Gang-DSG lässt sich der Fronttriebler auf seinen dicken 20-Zoll-Leichtmetallrädern richtig fahren. mid-Autor Klaus Brieter durfte sich in das gute Stück setzen und damit auf abgesperrtem Gelände in der Nähe von Mlada Boleslav eine eindrucksvolle Ehrenrunde drehen.

Abgesehen von der beachtlichen Gesamtleistung des jungen Projekt-Teams stößt man bei näherem Hinsehen immer wieder auf Details, die ein Augenzwinkern der Erbauer verraten. So sind hinter den Sitzen in die Textilverkleidung der senkrechten Trennwand zum Kofferraum zwei stilisierte Löwen eingewebt, die als Wappentiere der Geburtsstadt des Spiders einen Bezug zum Firmensitz herstellen. Außerdem leuchtet der Skoda-Schriftzug an der Heckklappe zusammen mit den Bremslichtern rot auf, wenn der Fahrer das entsprechend Pedal tritt.

Welchen Wert das Auto für die jungen Menschen hat, lässt sich nur erahnen. Aber auch das Unternehmen hat davon einen riesigen Gewinn. Mit diesem Geschenk an die Lehrlinge entsteht mit Sicherheit eine hohe Bindung an die Ausbildungsfirma – gepaart mit hohem Engagement. Was kann sich ein Hersteller Besseres wünschen, als eine künftige Generation von Mitarbeitern, die sich mit Begeisterung in die Zukunft des Unternehmens einbringen? Einem Unternehmen, in dem man sogar eigene Träume verwirklichen kann. (Klaus Brieter / mid)

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