Eine Maske im Gesicht und die Angst im Nacken

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Lanzarote startet den Tourismus mit Vorkehrungen und

Appell an die Vernunft

Von Kurt Sohnemann

Arrecife. Wer zuvor einen Bogen ausgefüllt hat, in dem er einen Unbedenklichkeitsstand seiner Gesundheit beteuert, an den Flughäfen der kanarischen Inseln noch einmal seinen coronafreien Zustand bestätigt, ist schon so gut wie eingereist. Nachdem Lanzarote für einige Tage als frei von dem Virus Covid 19 galt, am 9. Juli sechs neue Fälle auftraten, schärften sich die Alarmglocken in den Köpfen der knapp über 150.000 Insulaner erneut. Sogar unter freiem Himmel ist kaum ein Heimischer ohne Maske anzutreffen. Die Angst vor Ansteckungen ist allgegenwärtig. Dass die Verfehlungen einiger Gäste auf Mallorca dazu beigetragen haben, ist den Gesprächen zu entnehmen. Auch wenn die Kanaren bisher gesundheitlich relativ unbeschadet im Verhältnis zum spanischen Festland davongekommen sind, ist die Sensibilität extrem geschärft.

„Überall ist spürbar, dass wir diesen Zustand nicht lange durchhalten“, erzählt Pedro Gomez. Er muss seinen Lebensunterhalt als Taxifahrer verdienen und kommt auf Tage, an denen er nicht mehr als 20 Euro einnimmt. In den Straßen von Arrecife mehren sich die Menschen, die sich herzlich bedanken, wenn ihnen jemand ein 20-Cent-Stück in den hingehaltenen Pappbecher wirft. „Wir brauchen den Tourismus. Mich rufen die heimischen Händler und Handwerker an, ob ich bald wieder meine Hotelbetten belegt habe“, schildert Juan Carlos Albuixech. Die über 300 Apartments des Sands Beach Resorts, einer der größten Anlagen mit Sportcharakter auf Lanzarote, sind nur zu zehn Prozent ausgebucht. Geraldine McFadden öffnet ihre beiden Hotels nicht vor September. Zu groß ist ihr die Unsicherheit derzeit.

Die sensible Vorsicht der Hoteliers, die derzeit mehr Alkohol in Desinfektionsmitteln verwenden, als sie an Bars ausschenken, passt in das Vorsichtsgefüge, um den Urlaubsgästen auf Lanzarote den Aufenthalt so ungefährlich wie möglich zu gestalten. In den Reisebussen herrscht Maskenpflicht, die Mietwagen sind gründlich desinfiziert und die Restaurants achten auf kontinuierliche Sauberkeit auf den Tischen und Plätzen.

Die Insel ist für Menschen weiterhin ein Magnet, die sich von der Schönheit der Naturgewalten und ihrer Auswirkungen faszinieren lassen mögen, die den prägenden Einflüssen des Künstlers und Architekten Cesar Manriques erlegen sind und das inselweite Biosphärenreservat in seiner Einzigartigkeit genießen wollen. Kaum ein Punkt auf den 846 Quadratkilometern, der nicht auf den vulkanischen Ursprung von Lanzarote hinweist. Der Nationalpark Timanfaya spiegelt das wechselnde Tageslicht durch die Vielseitigkeit der erkalteten Lava und seiner unterschiedlichen Formationen faszinierend wider. Auf manche Flächen sollte sich niemand ohne Schuhwerk wagen, weil der Untergrund ziemlich heiß sein kann. Wenn die Ranger des Reservats die obere Erdschicht mit einer Schaufel abtragen und das trockene Gestrüpp der kargen Vegetation sich in einem Erdloch durch die Hitze entzündet, sorgt das für die Zuschauer in aller Regel für einen Effekt des Erstaunens.

Spätestens beim Einfüllen eines Eimer Wassers in ein in die Tiefe führenden Rohres schauen die begeisterten Zuschauer, wie das schnell erhitzte Nass als Geysir mit einem lauten Verpuffungslärm in die Lüfte steigt. Die erkaltete Lava der zu 42 Prozent naturgeschützten Insel hat den 1992 tödlich verunglückten Künstler Cesar Manrique zu viel beachteten Leistungen inspiriert. Die Jameos del Aqua ist eine Anlage, die Manrique aus einem unterirdischen Lavatunnel formte und durch ihre Lichtspiele und einzigartige Akustik in einen natürlichen Saal für Konzerte formte. Weiterhin schuf Manrique, der neben seiner Architektur durch Gemälde und Bildhauerei auf der ganzen Welt bekannt wurde, auf Lanzarote einen Kakteengarten mit über 1.400 verschiedenen Kakteenarten. Der Jardin de Cactus ist in einem offenen Steinbruch in der Art eines Amphitheaters gestaltet.

Da Lanzarote mit einem Niederschlagsmaß von nicht einmal fünf Prozent der Regenmenge Deutschlands auskommen muss, ist die Vegetation dort relativ bescheiden. Die fruchtbarsten Zonen werden mit Zwiebeln und Kartoffeln bepflanzt. Viel Mühe geben sich die wenigen Winzer, um die etwa 700.000 Liter Wein pro Jahr auf der Insel zu gewinnen. Aufwändig, teilweise mit Hilfe von Kamelen als Arbeitstiere lässt sich ein durchaus trinkbarer Weißwein gewinnen, während der Rotwein deutlich hinter der Qualität der Festlandsweine zurück bleibt.

Da auf Lanzarote überwiegend Fisch in unterschiedlichen Varianten gegessen wird, ist die Erzeugung von Weißwein nicht die schlechteste Lösung. Trotzdem spielen Landwirtschaft und etwas Industrie nur eine unbedeutende Rolle im Gefüge der Inselwirtschaft. Der Tourismus mit seinen 72.000 Betten ist die dominierende Einnahmequelle der Einwohner dieser ältesten kanarischen Insel. Da hier der Partytourismus nahezu nicht stattfindet, sollte einem Besuch nichts mehr entgegenstehen, wobei die Angebote der geöffneten Hotels ausgesprochen fair und sogar günstig gestaltet sind. (autour24/ks)

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