Audi RS Q3: Mal Sprinter, mal Reisewagen

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Es gibt Autos, bei denen schnellt man bei Diskussionen über die Sinnfrage mit Vollgas in Argumentationsschwierigkeiten. Allerdings lässt sich der verteidigende Begriff „Fahrspaß“ nicht ernsthaft messen. Der Audi RS Q3 Sportback fällt genau in diese Kategorie. Nachdem wir uns in Nordschweden auf einem zugefrorenen See mit Eis und Schnee bereits über dessen hervorragenden Drift-Eigenschaften freuen durften, stand im zweiten Durchgang das Fahren auf trockenen Straßen an.

Beim Audi RS Q3 Sportback stellt sich die Sinnfrage

Beim Blick auf die Leistungsdaten könnte zunächst der Eindruck entstehen, dass es sich um ein überzüchtetes Exponat handelt, das zwar auf der Rennstrecke eine gute Figur macht, jedoch vom Alltagsbetrieb überfordert ist: 400 PS und 480 Nm sind schließlich Werte, die aus der automobilen Oberliga stammen. Das reicht dann auch für maximal 280 km/h und einen Sprint von Null auf Hundert in 4,5 Sekunden.

Zurück zum Alltag: Sofort nach dem Drücken des Startknopfes stellt sich ein gleichmäßiger Rundlauf ein, der weit vom nervösen Gebaren eines Wettbewerbs-Sportler entfernt ist. Allerdings spricht der Sport-Auspuff (Aufpreis: 1.000 Euro) sofort eine klare und grummelnde Sprache, wenngleich er in dieser Phase auch für die Außenwelt erträglich wahrgenommen wird. Zudem macht der rote Bereich des Drehzahlmessers, der in dieser Kaltstart-Phase schon bei 4.800 Umdrehungen pro Minute beginnt, unmissverständlich klar, dass der Motor erst einmal auf Betriebstemperatur gebracht werden will, bevor er auch nur den Gedanken an einen „Burn-Out“ mit Drehzahl 7.000 zulässt.

Das eigenwillige Klangbild mit den markant rauen Zwischentönen des Audi RS Q3 Sportback hat seinen Ursprung in der asymmetrischen Zylinderzahl seines 2,5-l-Motors, der als quer eingebauter Reihenblock seine schiere Kraft aus fünf Töpfen schöpft. Sofern es nur darum geht, im Verkehr mitzuschwimmen, brabbelt der Motor zufrieden vor sich hin. Das ändert sich allerdings schlagartig, wenn das temperierte Aggregat auf freier Bahn gefordert wird. Dann wird die Mischung aus Trompeten und Prasseln zu einem Getöse, das im äußeren Umfeld weiträumig die Scheiben klirren lässt. Da ist sie wieder: die Sinnfrage, ob es denn zum Beispiel unbedingt ein Sport-Auspuff sein muss. Für den vierstelligen Aufpreis gibt es sicher sinnvollere Sonderausstattungen.

Auf der Autobahn wirkt der RS Q3 absolut souverän

Auf der leeren Autobahn wirkt der RS Q3 bis in den Bereich der Höchstgeschwindigkeit souverän. Er zieht absolut geradlinig seine Bahn, reagiert wegen seines hohen Aufbaus als SUV-Coupé bei sehr starkem Seitenwind jedoch trotz des stabilisierenden Allradantriebs etwas nervöser als seine flacheren Kollegen. Auf der Landstraße begeistert die Lenkpräzision, mit der jede angepeilte Linie exakt eingehalten werden kann.

Das vermutlich schwerste Pfund, mit dem der RS Q3 wuchern kann, ist seine Vielseitigkeit. Denn er kann exzessiv sportlich und erstaunlich komfortabel. Sprinter und Reisewagen. Das zeigt sich übrigens auch bei den Verbräuchen. Beim „Angasen“ auf der leeren Autobahn passiert der Potenzling im Bordcomputer schon mal die 21-Liter-Marke, bei einer schnellen Runde im BAB- und Landstraßen-Mix laufen fast 14,5 Liter durch die Einspritzdüsen und bei einer gemächlichen, aber nicht als Schleichfahrt absolvierten Runde im „Efficiency-Modus“ geht der Durst immerhin auf 8,5 l/100 km zurück.

Gut Platz für vier Erwachsene im RS Q3

Vier erwachsene Personen finden allemal im Auto Platz, ohne dass die Hinterbänkler in drangvoller Enge darben müssen. Aber das kann man bei einem SUV-Coupé dieser Größe auch erwarten. Wem es nur um entspanntes Reisen geht, findet sich im Q3-Programm sicher eine kostengünstigere Alternative. Denn der duale Q3 mit den zusätzlichen RS-Tugenden hat seinen Preis: Unter 65.000 Euro läuft da nix! Bei unserem Testwagen waren bei der Bestellung ein paar Extra-Kreuzchen gesetzt worden, wodurch sich der Preis letztlich bei exakt 89.649,98 Euro einpendelte.

Den dicksten Brocken in der Ausstattungsliste reklamiert die Keramikbremse mit fast 5.000 Euro für sich. Rund 1.500 Euro gehen jeweils an die hervorragend geschnittenen Sportsitze mit leuchtend roten Applikationen und die Freischaltung der Höchstgeschwindigkeit von 250 auf 280 km/h, zudem läppert sich der Posten „Kleinkram“ im dreistelligen Bereich.

Und damit sind wir wieder bei der Sinnfrage. Wer sich den Fahrspaß ordentlich was kosten lassen will, wird auch mit reichlich Fahrspaß belohnt. Aber anders als bei den meist eng anliegenden Sportcoupés offeriert der RS Q3 obendrein die „Nutzfahrzeug-Vorzüge“, die den Verkaufserfolg der SUV-Modelle quer durch alle Automarken ausmachen. Insofern spart man sich die Kosten für einen entsprechenden Zweitwagen, der als Alternative zum reinen Sportgerät in der Garage parken könnte. Ob der Audi RS Q3 bei dieser spekulativen Modellrechnung als Sparwunder einzustufen ist, hängt letztlich von der Dicke des eigenen Geldbeutels ab. Oder ist das auch schon wieder eine Sinnfrage? (Klaus Brieter / mid)

Technische Daten Audi RS Q3 Sportback: L/ B/ H: 4,51/ 1,85/ 1,56 m. Motor: Fünfzylinder-Reihenmotor mit Turbolader und Direkteinspritzung, Hubraum: 2.480 ccm, Leistung: 294 kW/400 PS bei 5.850 – 7.000 U/min, max. Drehmoment: 480 Nm bei 1.950 bis 5.850 U/min. Getriebe / Antrieb: 7-stufige S tronic mit Doppelkupplungsgetriebe / Allradantrieb. 0 bis 100 km/h: 4,5 Sekunden, Spitze: 250 (280) km/h. Normverbrauch je 100 km: 8,8 – 8,9 l, CO2-Emissionen: 202 – 204 g/km, Abgasnorm: Euro 6d-TEMP-EVAP-ISC. Preis: ab 65.000 Euro.

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen