Porsche trickst den Wind aus

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Die Aerodynamik bringt Autodesigner immer in einen Zwiespalt. Denn die Form, die extrem windschlüpfig ist, hat zwar Vorzüge bei sehr hoher Geschwindigkeit, aber Nachteile für die Fahrdynamik. Im neuen 911 Turbo S bietet Porsche nun Techniken an, die sich der Fahrweise besonders raffiniert anpassen. Porsche Active Aerodynamics (PAA) heißt das schon seit einigen Jahren bekannte System, das jetzt aber für den Top-Boliden weiter verfeinert wurde.

„So aerodynamisch flexibel wie der neue 911 Turbo S reagiert kein anderer Sportwagen auf unterschiedliche Situationen“, sagt Dr. Thomas Wiegand, Leiter der Aerodynamik-Entwicklung bei Porsche. „Normalerweise stehen wir Aerodynamiker vor einem Dilemma: Ein geringer Luftwiderstand ist wünschenswert für Höchstgeschwindigkeit und Verbrauch, ein hoher Abtrieb hingegen ist für die Fahrdynamik von Vorteil.“ Beide Eigenschaften stünden aber im Widerspruch. „PAA hebt diese aerodynamischen Zielkonflikte auf.“

Die umfangreiche Erweiterung des intelligenten Systems beim 911 Turbo S soll eine noch größere Spreizung zwischen den Aerodynamik-Konfigurationen für optimale Fahrdynamik und minimalem Luftwiderstand ermöglichen. Zudem wird das Potenzial der Aerodynamik ausgebaut, in jeder Fahrsituation spezifische fahrdynamische Ansprüche zu unterstützen.

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Neu sind aktive Kühlluftklappen. Zusammen mit der variablen Lippe des Bugspoilers und dem ausfahr- sowie kippbaren Heckflügel besitzt das neue Top-Modell damit insgesamt drei aktive Aerodynamik-Komponenten. Damit wird zusätzlich zu den aus dem Vorgänger bekannten aerodynamischen Grundkonfigurationen des 911 Turbo „PAA Speed“ und „PAA Performance“ noch eine Eco-Konfiguration ermöglicht.

Erweitert wurde PAA ferner um die Airbrake-Funktion, die bei einer Vollbremsung aus hoher Geschwindigkeit für höheren Luftwiderstand und mehr Anpressdruck sorgt und somit für einen kürzeren Bremsweg und mehr Fahrstabilität.

Weiterhin wird PAA genutzt um die geänderte Fahrzeug-Umströmung bei geöffnetem Schiebedach oder Cabriolet-Verdeck zu berücksichtigen. Insgesamt lassen sich dadurch acht aerodynamische Konfigurationen unterscheiden, die jeweils durch eine spezifische Kombination der aktiven Aerodynamik-Komponenten beschrieben sind.

Aber nicht nur die Anpassung an die Anforderungen im Fahrbetrieb wurde verbessert, sondern auch die aerodynamischen Eigenschaften selbst: So wurde durch die Neugestaltung des aktiven Bugspoilers und des Heckflügels ein um 15 Prozent höherer Abtrieb erreicht, der für noch mehr Fahrstabilität und -dynamik im höheren Geschwindigkeitsbereich sorgt. Der maximale Anpressdruck in der Performance-Stellung (Sport-Plus-Modus aktiviert) beträgt jetzt rund 170 Kilogramm.

Je nach aerodynamischer Einstellung variiert der Luftwiderstandsbeiwert (cW) des 911 Turbo S. Die effizienteste Konfiguration mit dem minimalen cW-Wert von 0,33 wird mit geschlossenen Klappen sowie eingefahrenem Bug- und Heckspoiler erreicht.

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Eine große Rolle kommt der Gewichtsreduktion zu: Leichtbau kommt beim Heckflügel zum Einsatz: Das markante Turbo-Merkmal wiegt 440 Gramm weniger als das entsprechende Bauteil des Vorgängers, weist dabei aber eine um acht Prozent größere wirksame Fläche auf. Möglich wird das durch Materialien wie ein kohlefaserverstärkter Kunststoff in Kombination mit einem Schaumkern.

Wichtig bei aller Sportlichkeit ist aber auch Sicherheit bei jedem Wetter – vor allem bei Nässe. Bei der neuen Funktion Wet Mode steht die Fahrstabilität bei Nässe im Vordergrund. Erkennen die serienmäßigen Sensoren in den vorderen Radhäusern durch aufgewirbeltes Spritzwasser eine signifikant nasse Fahrbahn, erscheint im Kombiinstrument ein Hinweis für den Fahrer. Dieser kann dann manuell über den Drehschalter am Lenkrad den „Wet Mode“ aktivieren. Neben der oben beschriebenen Anpassung der Aerodynamik werden zusätzlich alle relevanten Regelsysteme auf höchste Fahrstabilität eingestellt. Sicherheit und Fahrspaß müssen einander ja nicht ausschließen. (Lars Wallerang / mid)

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