Mid-Zeitreise: New Beetle – Nostalgisch, modern, faszinierend

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Am 9. November 1998 berichtete der Motor-Informations-Dienst (mid) im 43. Jahrgang über die Markteinführung des New Beetle.

Die Faszination des alten Käfers sollte in die Gegenwart gerettet werden. Dass dies gelang, hat in den USA die Beetle-Mania deutlich gemacht. Jetzt ist der Hingucker auch bei uns offiziell zu haben. Ab dem 27. November steht er zum Preis ab 34.950 DM bei den Händlern.

Doch von der alten Käfer-Idee seines legendären Konstrukteurs Porsche ist nur die Hülle geblieben. Im neuen Kleid steckt ein modernes Hightech-Produkt. Es basiert auf der aktuellen Golf-Plattform. Dr. Kocks, Vorstandsmitglied Kommunikation bei VW, nannte ihn anlässlich der Europa-Präsentation „Schwester des neuen Golfs“, mit dem eine „neue Lust am Auto“ eingeläutet werde. Da man aber bei den Modewellen nicht genau wisse, wie lange sie dauern, helfe die Plattform-Philosophie. Sie ermögliche es, „das eine zu können und das andere zu lassen“.

Der New Beetle kann wahlweise mit einem 2-Liter-Benzin-Motor mit 85 kW/115 PS und 185 km/h Höchstgeschwindigkeit oder mit einem 1,9-Liter-Turbodiesel-Direkteinspritzer mit 66 kW/90 PS und 171 km/h Spitze geordert werden. Lieferzeiten von vier bis sechs Monaten müssen für das bislang nur in Mexiko produzierte Auto in Kauf genommen werden. Von den 80.000 für Europa bestimmten Einheiten sind 45.000 für den deutschen Markt vorgesehen. Weltweit gibt es nach Angaben von VW schon 200.000 feste Order für das „Kultauto“, so dass über eine Produktionsausweitung – möglicherweise in Wolfsburg – nachgedacht wird. Eine Entscheidung darüber soll nicht vor dem Frühjahr 1999 fallen.

Der alte Käfer war ein Zweitürer. Der New Beetle macht es ihm nach. Nur zwei Türen jedoch erfordern das Umlegen der Rückenlehne des Vordersitzes, um nach hinten einsteigen oder die Hinterbank mit Gepäck belegen zu können. Mit moderner Klapptechnik geschieht das beim Beetle zügig. Sitzt man dann auf dem Fahrersitz, umfasst das gepolsterte Lenkrad mit Alu-Speichen und schaut sich in dem Wagen um, dann weiß man es genau: Das hat mit einem Käfer nichts mehr gemein – trotz der nostalgischen Halteschlaufen im Fond oder gar der Blumenvase am Armaturenbrett.

Das Cockpit mit seinen Van-Ausmaßen zur Frontpartie hin, die gut sichtbaren Rundinstrumente im zylindrischen Blendschutz sowie die herausgearbeitete Bedieneinheit für das multifunktionale Radio, die Lüftung und die diversen Schalter demonstrieren modernes Auto-Design. Der Blick rundum wird durch nichts gestört und gibt eine gute Sicht frei.

Die Sitze sind bequem. Etwas unglücklich ist die rechte heruntergeklappte Armlehne neben dem Fahrersitz angebracht. Sie stört Langarmige beim Schalten. Ansonsten überzeugen das auf der Golf-Plattform basierende Fahrwerk, der Frontantrieb und der quer eingebaute Frontmotor auf der ganzen Linie. Serienmäßig an Bord sind Fahrer- und Beifahrerairbags, Seitenairbags, 16-Zoll-Räder, Scheibenbremsen vorn und hinten, natürlich ABS und das neue ESP, das ungewolltes Unter- und Übersteuern verhindert. Ab Werk gibt es ferner eine Zentralverriegelung und elektrisch verstellbare Spiegel.

Freude kommt auf, wenn der Wagen mit dem 2-Liter-Motor kraftvoll beschleunigt. Der Sprint von Null auf 100 km/h wird in 10,9 Sekunden erledigt, der Verbrauch mit 8,7 Liter Super auf 100 Kilometer angegeben. Bei hohen Geschwindigkeiten sind nur die Windgeräusche zu hören. Etwas schwerer tut sich der New Beetle mit dem 1,9-Liter-TDI, dessen 20 Kilogramm Mehrgewicht sich im ganzen Handling bemerkbar machen. Die Beschleunigung erfolgt aus dem Stand bis zur 100 km/h-Marke in 13,1 Sekunden, der Verbrauch beläuft sich auf 5,2 Liter Diesel.

Mann muss schon sehr verliebt sein, um mit dem 209 Liter umfassenden Stauraum auszukommen, wobei sich das Volumen durch das Vorklappen der Rückbank auf 527 Liter vergrößert. Es wird darüber nachgedacht, durch geteiltes Umklappen die Variabilität zu erhöhen. Um das recht kleine Gepäckabteil des VW Beetle zu erweitern, wollen Zubehörspezialisten zudem einen faltbaren Rucksack entwickeln, der nach dem Ziehharmonika-Prinzip huckepack draufgesattelt werden kann.

Der alter Käfer war ein Kultauto. Viele haben damit ihre erste Freundin zum Rendezvous abgeholt. Sie haben dann mit der neu gegründeten Familie Urlaub im Süden gemacht. Ob das Bedürfnis an Nostalgie eine neue, langwährende Kult Ära einläutet, wird sich zeigen müssen. (mid/autour24))

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