Das „Monster“ von Alfa Romeo wird 30

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Vor 30 Jahren feierte der Alfa Romeo SZ Weltpremiere. Chassis vom Alfa Romeo 75, leistungsgesteigerter Dreiliter-V6 und Karosserie aus Kunststoff sorgen für ein besonders sportliches Fahrverhalten. Das avantgardistische Design führte zum Spitznamen „Monster“. Unterdessen ist das Modell eine Rarität: Denn die geringe Stückzahl von 1.036 Exemplaren macht den Alfa Romeo SZ heute zum wertvollen Klassiker.

Die Geschichte ist an den Mutterkonzern Fiat geknüpft: Im Prozess, der 1986 übernommenen Marke Alfa Romeo neues Leben einzuhauchen, schreckte Fiat auch vor unkonventionellen Ideen nicht zurück. Vittorio Ghidella, damals Präsident von Fiat, brachte persönlich das Projekt „Experimental Sportscar, 3.0 litre engine“ ins Laufen. Als Ziel für den unter dem Kürzel ES30 geführten Entwicklungsauftrag gab Ghidella ein puristisches Coupé vor, mit sportlichen Fahrleistungen und Aufsehen erregendem Design.

Ums Design kümmerten sich gleich drei Teams parallel: die Alfa Romeo Designabteilung unter der Leitung von Walter de Silva, später auch maßgeblich am Alfa Romeo 156 beteiligt, das Fiat Centro Stile mit Projektleiter Robert Opron, zuvor unter anderem Designer des Citroën-Maserati SM, dazu das Designstudio Zagato, das seit Jahrzehnten für einige der spektakulärsten und im Rennsport erfolgreichsten Modelle von Alfa Romeo verantwortlich ist.

Diese Dreier-Mannschaft erhielt als Vorgabe außerdem geringes Gewicht sowie eine möglichst effiziente Aerodynamik inklusive Ground-Effect wie bei einem Formel-1-Rennwagen, der das fertige Modell durch den Fahrtwind geradezu an die Straße saugen sollte. Das Ergebnis war ein avantgardistisches Design mit schmalen, quadratischen Dreifach-Scheinwerfern, ausgeprägter Keilform mit hoher Gürtellinie und kurzem Steilheck. Eine kontrovers diskutierte Optik, die dem Projekt ES30 schnell besagten Spitznamen „Il Mostro“ – „Das Monster“ einbrachte.

Als Antriebsquelle wählten die Techniker den V6-Benziner mit drei Litern Hubraum aus dem Alfa Romeo 75 America. Dessen Leistung steigerten sie unter anderem durch schärfere Nockenwellen und neu programmierte Motorelektronik (Bosch Motronic) auf jetzt 155 kW/210 PS. Sogar eine Rennversion des ES30 entwickelte Zagato, die 1993 in einem eigenem Markenpokal im Rahmen einiger Formel-1-Rennen auftrat.

1992 ergänzte das Cabriolet Alfa Romeo RZ – für „Roadster Zagato“ – das Angebot, bei dem das Aluminium-Dach durch ein Stoffverdeck ersetzt war. Da Zagato nach dem offiziellen Verkaufsstopp durch Alfa Romeo den 140.000 D-Mark (rund 71.500 Euro) teuren Roadster in Eigenregie weiterbaute, ist die genaue Produktionszahl nicht gesichert. Belegt sind 287 Stück.

Heute sind beide Varianten des Projekt ES30 – bis zur Einführung der Alfa Romeo Giulia 2016 das letzte Serienfahrzeug der Marke mit Hinterradantrieb – gesuchte Klassiker. In gutem Zustand erreichen Alfa Romeo SZ, dessen erste Exemplare inzwischen das begehrte H-Kennzeichen bekommen, und Alfa Romeo RZ deutlich mehr als den Neupreis. (mid)

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