Ford baut Scheinwerfergehäuse aus Kaffeebohnen

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Nachhaltigkeit spielt bei der Automobilproduktion eine immer größere Rolle. Es geht darum, Pluspunkte bei jungen Menschen zu sammeln. Die gehen schließlich für ein besseres Klima weltweit regelmäßig auf die Straße. Eines ist klar: Die Vertreter der „Generation Greta“ von heute sind vielleicht die Kunden von morgen. Warum also nicht mit pfiffigen Ideen schon jetzt einen bleibenden Eindruck hinterlassen?

Das jedenfalls denken sich die schlauen Köpfe bei Ford. Der Hersteller geht beim Thema „Nachhaltigkeit“ sogar eine ungewöhnliche Partnerschaft ein. Zusammen mit McDonald’s will Ford einige Fahrzeug-Modelle in die „grüne“ Spur bringen – mit Hilfe von Kaffeebohnen. Wie bitte? Da dürfte selbst so mancher Koffein-Fan erstmal ungläubig den Kopf schütteln. Doch was im ersten Moment nach einem April-Scherz klingt, entpuppt sich bei etwas näherer Betrachtung als ganz besondere Innovation.

Denn bei Ford sollen Bestandteile von Kaffeebohnen in Bauteilen wie Scheinwerfergehäusen verwendet werden. Da gibt es auch keine Nachschubprobleme. Jedes Jahr fallen beim Rösten von Kaffee große Schalenmengen an, dabei handelt es sich um die getrocknete Haut der Bohnen. Und diesen langlebigen Reststoff wolle man nun einem nachhaltigen Zweck zuführen, heißt es bei Ford.

Und wie funktioniert das technisch? Ganz einfach: Durch starke Erwärmung bei niedrigem Sauerstoffgehalt lässt sich das Material mit Kunststoff und anderen Additiven vermischen und in Pellets umwandeln. Ein Pellet ist ein kleiner Körper aus verdichtetem Material in Kugel- oder Zylinderform. Diese Pellets können ihrerseits in verschiedene Formen gebracht werden.

Das Verbundmaterial erfüllt laut Ford die Qualitätsanforderungen für Teile wie Scheinwerfergehäuse und zahlreiche weitere Komponenten. Die Fahrzeugteile ermöglichen eine Gewichtseinsparung von bis zu 20 Prozent und benötigen rund 25 Prozent weniger Energie während des Formprozesses, heißt es.

Auch die Wärme-Eigenschaften des neuen Werkstoffs seien deutlich besser als bei einigen derzeit verwendeten Materialien, so die Ingenieure. Es ist das erste Mal, dass Ford Schalen von Kaffeebohnen verwendet, um sie in geeignete Fahrzeugteile umzuwandeln. Zunächst ist diese außergewöhnliche „Kaffee-Fahrt“ nur in den USA vorgesehen. Sollte die Idee gut angenommen werden, ist diese Art der Produktion auch in anderen Ländern vorstellbar.

„Das Engagement von McDonald’s für Innovationen hat uns beeindruckt und entsprach unseren Vorstellungen von nachhaltigem Handeln“, sagte Debbie Mielewski, der zuständige Technischer Leiter von Ford. Nachhaltigkeit habe bei Ford seit mehr als 20 Jahren eine hohe Priorität: „Und dies ist ein exzellentes Beispiel für eine wirtschaftlich sinnvolle Kooperation, bei der Materialien branchenübergreifend genutzt werden, die sonst Neben- oder Abfallprodukte wären.“

Es wird erwartet, dass McDonald’s einen erheblichen Teil der anfallenden Kaffee-Reststoffe in Nordamerika an Ford weiterleiten wird, damit daraus Fahrzeugteile entstehen können. Man sei bestrebt, die Verschwendung zu minimieren und immer auf der Suche nach innovativen Wegen, um dieses Ziel zu erreichen, so McDonald’s-Direktor Ian Olson. „Die Nutzung von Kaffee-Reststoffen als Ressource zeigt, wie Unternehmen gemeinsam innovatives Recycling betreiben können.“ Das klingt in der Tat nicht nach kaltem Kaffee. (Ralf Loweg / mid)

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