VW Touareg – „Innovision Cockpit“ mit Wow-Effekt

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Von Klaus H. Frank

Der erste Blick ist schlichtweg beeindruckend – mehr ist kaum zu sagen. Der Touareg ist, so ließe er sich beschreiben, ein richtiger Brocken, wirkt wie ein monolithischer Block. Obwohl: Mit einer Länge von 4,87 Metern (Breite mit Spiegel 2,19, Höhe 1,70 Meter) ist er gemessen an der süddeutschen Phalanx der Premium-SUV der Kleinste. Dickschiffe von Mercedes (GLS 5,13 Meter), Audi (Q7 5,06 Meter) und  BMW (X7 5,15 Meter) überragen ihn deutlich, was den Touareg in seiner optischen Präsenz jedoch nicht tangiert. Mit seinem breiten Chromgrill und seiner kantigen Form steht er außerordentlich stabil auf der Straße, erweckt keinesfalls den Eindruck, in zweiter Reihe hinter den Großen anzustehen. Und trotz seiner Größe und Wuchtigkeit ist ihm durch seine sanft abfallende Dachlinie eine gewisse sportliche Eleganz bewahrt geblieben.

Das Cockpit des Touareg hinterlässt Eindruck

Mal reinkucken in die „Gute Stube“. Und was da zu sehen ist, hinterlässt durchaus Eindruck. Kein simpler Passagierraum ist das, was sich dem Betrachter eröffnet, es ist ein Showroom. Riesengroß und ausgestattet wie die Business-Class-Lounge einer renommierten Fluglinie – für First-Class-Eindruck reicht es nicht ganz. Das Volkswagen Flaggschiff (den Phaeton gibt’s ja leider nicht mehr) ist zwar spitzenmäßig und präzise verarbeitet (O-Ton VW: „Urmeter für Qualität“), aber was die Materialien betrifft,  macht sich etwas Enttäuschung breit. Wir finden zu viel Hartplastik, was einem Premium-Fahrzeug gar nicht gut zu Gesicht steht. Und auch manche Oberflächen sind nur spärlich unterschäumt. Der optische und haptische Eindruck ist nicht perfekt, ist nicht Premium. Hier hat Volkswagen gespart – warum auch immer.

Trotzdem: Ein Wow-Effekt bleibt nicht aus, wirft der Fahrer einen Blick auf das „Innovision Cockpit“ (3500 Euro) des VW Touareg. Genau im Blickfeld des Piloten liegt ein 12-Zoll großes Display, das mit einem Klick individualisierbar ist. Entweder digital animierte Rundinstrumente sind dort darstellbar oder auch Info-Tafeln mit der Anzeige von Geschwindigkeit, Verbrauch, Fahrzeiten etc. Dort ist auch die Karte für die Navigation (mit Festplattenspeicher) dargestellt – hochauflösend in gestochener Schärfe und Brillanz. Im Hintergrund des Navis arbeitet Google-Earth, sodass alle Informationen (Staus und deren Umfahrung zum Beispiel) in Echtzeit sichtbar sind. Dann spannt sich noch ein weiterer Monitor über den mittleren Bereich des Cockpits, und zwar ein 15-Zoll-Touch-Screen-Bildschirm, zuständig für das Infotainment, Klima oder Assistenzsysteme etc. Die beiden nebeneinander nehmen fast die gesamte Breite des Cockpits ein – ganz großes Kino, wortwörtlich. Wer Knöpfe und Schalter sucht, der sucht vergeblich. Alles ist wie beim Smartphone mit Wischen und Tippen über das Touch-Display einzustellen, außer die Lautstärke des Radios. Das geschieht nach wie vor manuell über eine kleine Walze im Mitteltunnel – ein echter Drehregler wäre noch besser.

Erst über 2000 Touren zieht er richtig an

Aufs Gas treten und sehen, was kommt. Unten raus etwas zu wenig, obwohl sich die Leistungsdaten gar nicht so schlecht lesen. Der Dreiliter V6 TDI leistet 286 PS und besitzt ein maximales Drehmoment von 600 Newtonmetern zwischen 2250 und 3250 U/min.  Und genau hier, beim Drehmomentverlauf,  „liegt der Hund begraben“:  Da die volle Kraftentfaltung erst ab 2250 U/min. zur Verfügung steht, spielt sich im Drehzahlkeller relativ wenig ab, wirkt der Touareg etwas schlapp. Sind jedoch 2000 Touren überschritten, dann zieht er mit Vehemenz an. Der noble SUV schafft den Sprint auf 100 in 6,1 Sekunden und läuft bis zu 235 km/h schnell. Sehr gut ist die Beschleunigung von 60 auf 100 in 4,3 Sekunden – ein sehr beruhigendes Gefühl der Sicherheit beim Überholen auf Landstraßen. Perfekt zum durchzugsstarken Triebwerk passt die Acht-Stufen-Wandlerautomatik, die kaum spürbar und vollkommen unaufgeregt die Gänge wechselt.

Relativ zufrieden sind wir mit dem Verbrauch des Touareg, der ohne Sonderzubehör 2070 Kilogramm wiegt, genau 108 Kilo weniger als der Vorgänger.  Mit reichlich Sonderausstattung hat er aber schnell weitere 300 Kilo draufgepackt, was den Verbrauch logischerweise nach oben treibt. Die von VW vorgegebene Norm von 6,9 Liter Diesel ist, wie zu erwarten, zu optimistisch. Unser Testverbrauch summierte sich aufgrund zügiger Fahrweise schließlich auf 9,2 Liter. Wer jedoch unaufgeregt über Landstraßen cruist, der darf sich über den bescheidenen Durst von wenig mehr als sechs Liter freuen. Womit das Diesel- und SUV-Bashing mal wieder ad absurdem geführt wird. Selbstredend erfüllt der Touareg die Schadstoffnorm Euro 6d-Temp.

Der VW Touareg ist erstaunlich leichtfüßig

Und wie fährt er? Fahreigenschaften und Handlichkeit sind trotz seiner schieren Größe und des Gewichts erstaunlich „leichtfüßig“. Es ist ein sehr entspanntes Fahren mit dem Touareg, vor allem auf der Langstrecke. Der Komfort ist dank Luftfederung vorbildlich. Damit schluckt der Touareg Spurrillen, Kanaldeckel, Querfugen und Bodenwellen, als wären sie überhaupt nicht vorhanden. Und dank seines Adaptivfahrwerks mit Wankstabilisierung (im Paket mit Luftfederung und Allradlenkung 5300 Euro) durchläuft er Kurven wie eine „Eins“, stellt den Piloten nie vor unlösbare Aufgaben. Lediglich bei etwas zu viel Optimismus und Tempo am Kurveneingang macht sich eine leichte Untersteuerneigung, also ein Schieben der Vorderräder zum Kurvenaußenrand bemerkbar, ist aber problemlos zu beherrschen.

Und die Assistenten? Die sind recht fleißig und regeln nahezu alles, vor allem was für Sicherheit zuständig ist. Kollisionswarnung und Notbremsassistent samt Personenerkennung sowie der Spurhalteassistent sind Serie, ebenso die Müdigkeitserkennung und die Multikollisionsbremse. Sehr praktisch sind die Verkehrszeichenerkennung sowie die adaptive Temporegelung ACC (2300 Euro) inklusive vorausschauender Geschwindigkeitsregelung und Anpassung der Speed an Streckenverlauf und Tempolimits. Ein Sicherheitspolster bei Dunkelheit ist das Nachtsichtgerät „Nightvision“ (1820 Euro) mit Wärmebildkamera, das Personen und Tiere auch nachts ausspäht und im Display zur besseren Erkennung farblich markiert. Genial ist das IQ.Light mit LED-Matrixscheinwerfern für 1870 Euro, dessen 83 LEDs entgegenkommende Verkehrsteilnehmer aus dem eigenen Lichtstrahl ausschneidet und keine Blendgefahr darstellt. Eine große Hilfe ist der Stauassistent, der im Stop-and-go-Verkehr bis Tempo 60 km/h dem Vordermann automatisch folgen kann und auf Abstand hält. Kaum notwendig zu erwähnen: Es gibt fast nichts, was es nicht gibt – das ist ja heute bei Fahrzeugen wie dem Touareg an der Tagesordnung –treibt den Preis aber leider in astronomische Höhen.

Die Allradlenkung macht den SUV sehr wendig

Alltagstauglichkeit ist bei einem Fahrzeug dieser Größe ein wichtiges Kriterium. Ohne Übertreibung darf gesagt werden: Der Volkswagen Touareg lässt sich fast fahren wie ein Kompakter, ist handlich in der Stadt (Wendekreis 11,20 Meter), spursicher auf der Autobahn und wendig auf Landstraßen, wozu die Hinterradlenkung ihren Teil beiträgt. Bei langsamer Fahrt (bis 37 km/h) lässt sich der Touareg durch die gegensinnig einschlagenden Hinterräder besser manövrieren, während bei schnellerer Fahrt Vorder- und Hinterräder in die gleiche Richtung lenken, was bessere Agilität, mehr Stabilität und mehr Komfort bringt. Das ist besonders beim Spurwechsel auf Autobahnen sehr beruhigend.

Einzig der Besuch eines Parkhauses und das Finden eines geeigneten Parkplatzes bereiten dem Touareg-Fahrer manchmal etwas Kopfschmerzen. Außen groß heißt auch innen groß. Das Raumangebot ist ausgezeichnet, selbst für groß gewachsene Menschen. Die Sitzqualität vorbildlich (Lederpaket 4650 Euro) und die verschiebbare Rückbank schafft entweder mehr Knie- oder Kofferraum. Der Gepäckraum mit einem Volumen von 810 bis 1800 Liter macht das Packen für den Urlaub zu einer einfachen Übung – was da nicht alles reinpasst. Die Zuladung beträgt 780 Kilogramm und die Anhängelast von 3500 Kilogramm prädestiniert den Touareg zum idealen Zugfahrzeug für Caravans und Pferdeanhänger.

Das Bankkonto sollte gut gefüllt sein, wird der Kauf eines Volkswagen Touareg ins Auge gefasst. Der Basispreis von 60 130 Euro (231-PS-Diesel) klingt ja noch ziemlich verlockend – ans Eingemachte geht es, wenn zu viele Häkchen bei der Sonderausstattung gesetzt werden. Denn dann ist blitzschnell ein sechsstelliger Betrag erreicht. Womit der Name Volkswagen dann seine eigentliche Bedeutung verliert. (autour24/khf)

Technische Daten VW Touareg 3.0 TDI Elegance 4Motion: Fünftüriges, fünfsitziges Sport Utility Vehicle. Länge x Breite x Höhe (m): 4,88 x 1,98 x 1,72, Radstand (m): 2,90. Leergewicht: 2.070 kg, Zuladung: 780 kg; max. Anhängelast gebremst: 3.500 kg, Kofferraumvolumen: 810 – 1.800 l, Tankinhalt: 75 l. Antrieb: 6-Zylinder-Turbodiesel; Hubraum: 2.967 ccm; Leistung: 210 kW/286 PS bei 3.500 U/min; max. Drehmoment: 600 Nm bei 2.250 U/min; 8-Gang-Automatik; 0 – 100 km/h: 6,1 Sekunden; Höchstgeschwindigkeit: 235 km/h; Allradantrieb, Normverbrauch: 6,6 l/100 km; CO2-Emission: 173 g/km; Testverbrauch: 9,2 l/100 km; Schadstoffklasse: Euro 6d-Temp. Preis 63 860 Euro.

 

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