VW e-Up: Auf dem Weg zum E-Auto-Bestseller?

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Von Heinrich Rohne

Wolfsburg. Mehr für weniger: ein seltener Schritt in der Autobranche! Der VW e-Up bekommt größere Akkus und wird gleichzeitig günstiger. Statt 18,7 kWh fassen die Akkus nun 32,3 kWh. Das hebt die Reichweite des E-Stadtflitzers von 160 auf 260 Kilometer. Und der Grundpreis wurde um fast 5.000 auf 21.975 Euro gesenkt, mit E-Auto-Förderung kostet der e-Up dann gar weniger als 18.000 Euro. Und ab Anfang kommenden Jahres wird es aufgrund der noch höheren Förderung noch günstiger: Dann ist der Elektro-VW bereits unter 16.000 Euro zu haben.

Äußerlich hat sich allerdings kaum was geändert. Auch der e-Up bekommt mit dem Facelift jetzt das neue VW-Logo. Das Cockpit ist ebenfalls bekannt. Die Materialien sind noch immer eher einfach. Da wird schnell klar, dass bei der Elektromobilität auch den Synergie-Spezialisten aus Wolfsburg die Hände gebunden sind. Um das Geschäftsmodell einigermaßen vorteilhaft zu gestalten, muss man den Rotstift ansetzen, wo immer es geht. Geblieben ist deshalb auch das schwarz-weiße Zentraldisplay, das aber immer noch recht modern rüberkommt.

Keine Einschränkungen beim Platzangebot

Weil die Batterie nach wie vor komplett im Unterboden untergebracht ist, gibt es keinerlei Einschränkungen beim Platzangebot. Für 3,60 Meter Länge ist der e-Up denn auch recht geräumig, auch wenn man sich weiterhin mit einem bescheidenen Kofferraum (251 bis 941 Liter) zufrieden geben muss. Aber mehr ist halt in einem Kleinstwagen nicht drin. Bequem sind die Sitze mit den integrierten Kopfstützen. Und: VW leistet sich den Retro-Charme eines herkömmlichen Zündschlosses statt eines Startknopfs. Auf Schlüsseldreh erwacht der e-Up zum Leben.

Und da wird der neue e-Up munter. Denn das Fahren mit diesem winzigen E-Mobil macht richtig Spaß. Schließlich ist der flinke VW mit 61 kW/83 PS nicht untermotorisiert. Gerade in der Stadt und auf Landstraßen fühlt sich der VW deutlich lebendiger an, als es die Sprintzeit von 11,9 Sekunden und die Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h erahnen lassen. Der kleine VW hat einen schnellen Antritt, verblüfft dank 212 Newtonmetern Drehmoment aus dem Stand sogar die Pizza-Boten auf ihren Vespas an der Ampel. Und er ist trotz des kurzen Radstands von 2,417 Metern kein beinhartes Brett. Wer es darauf anlegt, bringt in der Kurve sogar die Reifen zum Quietschen.

Das alles ist umso erfrischender, weil man jetzt nicht mehr ständig auf die Reichweiten-Anzeige starren muss. Denn auf ersten Testfahrten auf Landstraßen und in der Stadt wurde schnell klar: ein Durchschnittsverbrauch von knapp über 9 Kilowattstunden pro 100 km (angegeben sind 14,6 kWh/100 km nach WLTP) und somit eine Reichweite von 285 Kilometern (Nominell sind es 260 km) sind locker drin. Erst bei flotter Fahrt auf der Autobahn – bei 130 km/h wird abgeregelt – gehen die Verbrauchswerte Richtung 18 kWh. Allerdings sind die Akkus bei einer Ladeleistung von 40 kW in 60 Minuten wieder zu 80 Prozent gefüllt.

Interessante Lösung für Rekuperation

Nach wie vor interessant ist die Rekuperation gelöst: Neben der maximalen Stufe vier kann man durch seitliches Bewegen des Ganghebels eine zweite dazu wählen. Zieht man den Hebel nach unten, wechselt man zwischen den beiden Modi hin und her. Wobei selbst die stärkste Einstellung nur bei geringeren Geschwindigkeiten zum leichten Kopfnicken der Passagiere führt. Ganz einfach gelöst. Die Bremse muss aber auch in der höchsten Rekuperationsstufe nach wie vor getreten werden.

Auch die Ausstattung hat zugelegt. Ab Werk an Bord ist ein Radio mit Bluetooth-Schnittstelle und eine solide Docking-Station für das Smartphone. Das fungiert als zentrales Infotainment-System im Up. Per serienmäßiger „maps + more“-App und optionaler „We Connect“-App lässt sich damit sogar das Laden starten, stoppen und programmieren. Sehr praktisch: Auch Heizung und Klimaanlage können per App ferngesteuert werden, wenn der e-Up an der Ladeleine hängt.

Preis für VW e-Up gesenkt

Kommen wir schließlich wieder zurück zum Preis. Ein Grund für die Preissenkung des e-Up dürfte die Positionierung des Basismodells des neuen VW ID.3 sein. Um den e-Up am Markt attraktiv zu halten, musste VW seinen Einstiegspreis entsprechend niedriger ansetzen. Im Elektroauto-Geschäft sind die Margen zudem sehr gering, gerade im Segment des e-Up. Das erklärt auch seinen Innenraum mit einfachen Materialien. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass der e-Up mit der größeren Batterie und dem gesenkten Preis eine echte Elektro-Empfehlung für die Stadt ist. Der VW e-Up könnte somit zum E-Auto-Bestseller werden. (autour/hr)

 

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