XV mit typischer Subaru-DNA: Boxermotor und Allradantrieb

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Von Klaus H. Frank

Subaru ist konsequent. Der weltgrößte Hersteller von Allrad-Pkw hält nicht nur daran fest, seine Fahrzeuge über alle vier Räder anzutreiben. Nein, die zu Fuji Heavy Industries gehörende Marke schwört bei den Triebwerken nach wie vor auf das Boxer-Prinzip, ein Motoren-Layout, dass außer Porsche heutzutage niemand mehr favorisiert. Logisch, dass auch der Crossover XV mit dieser typischen Subaru-DNA unterwegs ist. Obgleich: Bei ihm und damit für Subaru gibt’s ab 2020 eine kleine Revolution: Der XV wird elektrisch – zum  Teil wenigstens. Ein 2,0 Liter-Boxermotor mit 150 PS wird mit einem E-Motor gekoppelt, dessen Leistung von 16,7 PS das Fahrzeug bis zu 1,6 Kilometer emissionsfrei fahren lassen kann und Beschleunigung sowie Spritverbrauch verbessert.

Bis dies soweit ist, ist der Subaru XV konventionell mit zwei Benzinern unterwegs, der stärkere davon mit zwei Litern Hubraum und 156 PS steckt unter der Haube unseres Testfahrzeugs 2,0i Exclusive+ Lineartronic. Fast überflüssig zu erwähnen: Ein klasse Triebwerk, dieser Boxer, mit einigen Vorteilen gegenüber einem Reihen- oder V-Motor – aber auch Nachteilen. Doch dazu später.

Das Zweiliter-Triebwerk macht Spaß. Es ist außerordentlich drehfreudig, hängt gut am Gas, bietet mit dem maximalen Drehmoment von 198 Nm bei 4000 Touren zwar etwas spät, aber dennoch ausreichend Durchzugsvermögen und enttäuscht auch nicht bei den Fahrwerten. Den Sprint auf 100 schafft der Direkteinspritzer in 10,4 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 194  km/h. Den Verbrauch (ECE) gibt Subaru mit 6,9 Liter an, im „wirklichen Leben“ konsumiert der XV zwei Liter mehr – das ist noch okay.

Ein paar Sätze zum Subaru-Triebwerk: Das Besondere am Boxermotor sind die sich im 180-Grad-Winkel gegenüberliegenden Zylinder, in denen sich die Kolben in horizontaler Linie bewegen – also nicht auf und ab, sondern hin und her. Das sieht dann so aus, als würden zwei Rücken an Rücken stehende Boxer mit ihren Fäusten einen imaginären Gegner traktieren. Und was ist so toll an diesem Boxermotor? Ohne zu tief in die Technik einzusteigen, sind seine Vorteile damit erklärt, dass er außerordentlich laufruhig, vibrationsarm und drehfreudig ist, sich leichter kühlen lässt und durch seine flache Bauweise den Schwerpunkt eines Autos sehr tief hält. Laufruhig ist er deshalb, weil (hier nun doch ein bisschen Fach-Chinesisch) sich im Gegensatz zum konventionellen Reihen-oder V-Motor die Massekräfte der Kolben dabei gegeneinander aufheben. Deshalb braucht es an der Kurbelwelle keine Ausgleichsgewichte.

Und die Nachteile? Es ist der hohe Aufwand für den Bau des Boxers, der mehr Teile besitzt als ein Reihen- oder V-Motor (u.a. zwei Zylinderköpfe) – das macht ihn teurer. Außerdem baut er sehr breit (siehe den typisch breiten Porsche-Hintern) und kann daher nicht quer eingebaut werden.

Nun, das Subaru-Boxer-Herz stößt zwar stets auf ungeteiltes Interesse all derer, die sich für den japanischen Crossover interessieren. Aber da gibt’s ja noch mehr zu erzählen über den Subaru XV, der in der internen Hitparade der Subaru-Modelle seit knapp zwei Jahren sogar dem Forester den Rang abgelaufen hat und damit der beliebteste Subaru in deutschen Landen ist.

Das Design des Subaru XV wollen wir mal als robust und praktikabel bezeichnen. Eine Design-Ikone ist er sicher nicht. Dynamisch und geduckt steht er da, besitzt eine coupéhaft abfallende Dachlinie, präsentiert eine markante Front mit dem Subaru-typischen Hexagonalgrill, der flankiert ist von Scheinwerfern im „Adleraugen“-Stil. Das Platzangebot ist sehr gut, auch hinten sitzen die Passgiere entspannt. Das Kofferraumvolumen variiert zwischen 385 – 1290 Liter.

Was wir weniger schön finden: Der Subaru XV erscheint uns ungeheuer hochbeinig, mit riesigen Radhäusern, in denen sich die 18-Zöller geradezu verlieren. Nun, diese Kritik mag ein bisschen unfair sein, denn gerade diese Hochbeinigkeit, die auf lange Federwege schließen lässt, hat ja ihren Sinn. Der XV nämlich ist ein perfekter Geländegänger, der es durchaus mit so manchem echten SUV aufnehmen kann. Mit einer Bodenfreiheit von 22 Zentimetern und den Böschungswinkeln von 19,7 Grad vorne und 31,5 Grad hinten besitzt er von der Karosserie (4,67 Meter lang und 1,80 Meter breit) her gesehen exzellente Voraussetzungen beim Klettern über Stock und Stein. Perfektioniert werden seine guten Kraxel-Eigenschaften von dem erstklassigen permanenten Allradsystem Symmetrical AWD. Auf Asphalt fährt der XV souverän, freut sich dank seines Allradantriebs mit Torque Vectoring über jede Kurve, die er sehr präzise durchsteuert. Die Lenkung ist sehr direkt, die Wankneigung  marginal und die Bremsen packen – gut dosierbar – kräftig zu.

Was so mancher Autofahrer nicht mag: Der Subaru XV besitzt die nicht unumstrittene  CVT-Automatik (Lineartronic), die, obwohl stufenlos, sieben Gänge simuliert. Wer nicht allzu hektisch mit dem Gasfuß werkelt, wird mit diesem  Getriebe durchaus zufrieden sein. Wer das Gaspedal aber gern spontan bis zum Bodenblech durchdrückt, der lernt das typische CVT-Problem kennen: der Motor heult auf, aber die Beschleunigung hinkt hinterher. Dennoch: Subaru hat es geschafft, diesen früher sehr nervenden Gummiband-Effekt abzumildern. Außerdem können die Gänge auch per Hand über Schaltwippen am Lenkrad oder mit dem Automatikwählhebel gewechselt werden. Das funktioniert eigentlich am besten, wenn’s jemand eilig hat.

Mit seinen Assistenzsystemen ist der Subaru XV im Heute angekommen. Vor allem was die Sicherheit betrifft, ist er vorbildlich bestückt. Der Crossover besitzt unter anderem ein Antikollisionssystem, einen Abstandstempomaten, einen aktiven Spurhalteassistenten, Totwinkelwarner,  Querverkehrsassistent und LED-Licht. Highlight ist das kamerabasierte System „Eyesight“, das auf rein optischer Basis (kein Radar, keine Mikrowellen) arbeitet. Rechts und links vom Innenspiegel sind zwei Kameraobjektive platziert, die ein Stereo-Bild erzeugen. Sogar der ADAC lobt die Detailgenauigkeit der Datenerfassung und die daraus resultierenden Warnungen und Eingriffe von Eyesight, das in seiner Effizienz die Systeme vieler Wettbewerber übertrifft. Durch die Platzierung der Kamera im Fahrzeuginneren, besteht außerdem keine Gefahr, dass die Linsen durch Schneematsch etc. verschmutzen und damit total funktionsunfähig werden.

Ganz generell ist der Innenraum recht modern gehalten. Obgleich unser Auge auch Hartplastik findet, freuen wir uns über die wertige Cockpitoberfläche mit orangefarbenen Kontrastnähten. Die analogen Instrumente sind gut ablesbar und von den Displays gibt’s gleich drei an der Zahl. Einmal ein kleines 4,2-Zoll-Display hinter dem Lenkrad, ein 6,3 Zoll großes LCD-Multifunktionsdisplay oberhalb der Instrumententafel und ein zentrales 8-Zoll-Touchscreen für Navi, Infotainment und Apple Carplay oder Android.

Der Subaru XV ist ein gutes Auto, ein Fahrzeug für Menschen, die großen Wert auf Sicherheit legen, weniger auf Lifestyle-Design. Ideal für Zeitgenossen, die in bergigen Gegenden leben, wo es noch Winter gibt, und die hin und wieder mal die asphaltierten Straßen verlassen müssen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Dafür ist der Subaru XV gemacht. Erstaunlich, dass er so wenig auf unseren Straßen zu finden ist, obwohl er bei all seinen guten Eigenschaften doch zu einem lukrativen Preis angeboten wird. Der Subaru XV 2.0i Exclusive+ Linerartronic kostet 32 980 Euro, die abgespeckte Basisversion nur 22 980 Euro. (autour24/khf)

Technische Daten Subaru XV 2.0 Exclusive+ Lineartronic: Fünftüriger Crossover, L/B/H/Radstand in Metern: 4,46/1,80/1,62/2,67. Leergewicht: 1462 kg, zul. Gesamtgewicht: 1940 kg, max. Anhängelast: 1400 kg, Tankinhalt: 63 l, Kofferraumvolumen: 385 – 1.290 l. Vierzylinder-Boxer, Hubraum 1.995 ccm, Leistung: 115 kW/156 PS bei 6.000 U/min, max. Drehmoment: 196 Nm bei 4.000 U/min, 0-100 km/h: 10,4 s, Höchstgeschwindigkeit: 194 km/h, CVT-Automatikgetriebe mit sieben manuellen Schaltstufen, permanenter Allradantrieb, Normverbrauch: 6,9 l Super/100km, CO2-Ausstoß: 155 g/km, Preis: ab 32.980 Euro

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