Opel Corsa: „French Connection“ auf Sparflamme

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Von Klaus H. Frank

Potzblitz. Klasse gemacht, Opel – trotz aller Stolpersteine. Der neue Corsa ist ein „richtiges“ Auto geworden, mit allem Drum und Dran – ein Fahrzeug, kein Spielzeug. Ehrlich, schon der erste Blick begeistert. Und die Testfahrten in Kroatien erst recht.

Doch erlauben wir uns einen kurzen Blick zurück ins Jahr 1982, als der erste Corsa A knackig und kantig auf die Straße rollte. 3,62 Meter lang war er damals, ein Winzling im Vergleich zum Neuen, der sich immerhin auf 4,06 Meter streckt. Die legendäre Steffi Graf räkelte sich damals auf der Motorhaube des kleinen Rüsselsheimers und war eine der ersten Markenbotschafterinnen von Opel. Knapp 14 Millionen Corsa hat Opel seitdem produziert, und der Neue dürfte wiederum vor allem die Frauen begeistern, obwohl der jetzige Markenbotschafter ein Mann ist. Und was für einer. „Kloppo“ ist es – Jürgen Klopp, Erfolgstrainer bei den „Reds“, dem legendären Fußballverein FC Liverpool.

Beschäftigen wir uns aber mit dem neuen Corsa, der in seiner sechsten Generation erstmals Geschwister aus Frankreich besitzt: den Peugeot 208 und den Citroen DS3. Dass dies Drillinge sind, darauf muss der nicht eingeweihte Zeitgenosse aber mit der Nase gestoßen werden. Denn optisch ähnlich sind sich Corsa, Peugeot 208 und DS3 überhaupt nicht. Und auch beim Fahren sind keine großen Gemeinsamkeiten zu entdecken, so die Meinung derer, die schon alle drei gefahren haben. Die Rüsselsheimer haben es perfekt verstanden, die Markenidentität des Corsa hochzuhalten, nicht zu vernachlässigen. Man könnte es „French Connection“ auf Sparflamme nennen. Dieser Corsa ist ein echter Opel mit einem straffen und nicht schwammigen Fahrwerk – mehr Vollkornbrot als Baguette.

Es war nicht einfach, den Corsa auf Opel zu trimmen. Denn als die Opelaner mit der Entwicklung des neuen Corsa fast schon fertig waren, wurden sie vom französischen Konzern PSA (Peugeot, Citroen, DS) geschluckt. Und deren oberste Macher bestanden darauf, Synergien auszuschöpfen, also eine gemeinsame Plattform und die darauf aufbauende Technik zu nutzen. Geschadet hat dies dem neuen Corsa nicht. Denn er fährt sich super, ist deutlich sportlicher als sein Vorgänger, besitzt als Kleinwagen die digitale Technik, die sonst nur in höherklassigen Modellen zu finden ist.

Seine neue Sportlichkeit strahlt der Corsa schon durch sein aktuelles Design aus. Er ist länger, breiter und flacher – und das macht ihn deutlich dynamischer. Da er beim Radstand um drei Zentimeter zugelegt hat, ist nun auch etwas mehr Platz für die Passagiere in der zweiten Reihe, die immer durch eine eigene Tür ein- und aussteigen können, denn einen zweitürigen Corsa gibt’s nicht mehr. Und – ganz wichtig für das sportliche Gefühl – der Fahrer sitzt 28 Millimeter tiefer in seinem von der „Aktion Gesunder Rücken“ zertifizierten Pilotensitz mit Massagefunktion. Dank längerem Radstand ist auch der Kofferraum in seinem Volumen gewachsen und schluckt nun statt 285 genau 309 Liter; maximal sind es 1081 Liter.

So sehr sich die Drillinge optisch unterscheiden, so identisch sind sie bei der Motorisierung, denn alle Triebwerke stammen aus den Regalen der Franzosen. Bei den Benzinern herrscht akustisch ein ziemliches Geschnatter, denn alle sind Dreizylinder mit 1,2 Litern Hubraum. Der Sound nervt jedoch in keinster Weise, ist durchaus als kernig zu bezeichnen. Die drei Triebwerke leisten wahlweise 75, 100 und 130 PS. Als Diesel kommt ein 1,5-Liter-Vierzylinder mit 102 PS. Der günstigste Verbrauch beim Diesel soll bei 3,2 Litern liegen, beim Benziner bei 4,7 Liter. (CO2-Ausstoß 85 bis 106 g/km). Sehr gute Werte, die vor allem der Abnehmdiät des Corsa geschuldet sein dürften, denn er hat im Vergleich zum Vorgänger bis zu 100 Kilo abgespeckt. Der stärkste Benziner ist mit einer Achtgang-Automatik gekoppelt, die ihre Schaltvorgänge ruckfrei und souverän erledigt. Natürlich warten Opel-Corsa-Fans noch auf stärkere Motorisierungen, also GSi oder OPC-Modelle. Ob sich da noch was tut, steht in  den Sternen. Versprechungen macht Opel nicht.

Das Cockpit des Corsa wirkt sachlich und aufgeräumt. Kein unnötiger Schickschnack, dafür aber sehr wertige Materialien und präzise Verarbeitung. Und natürlich haben sich im Corsa jede Menge Heinzelmännchen versteckt, die darauf  warten, dem Fahrer hilfreich zur Seite zu stehen. Unter anderem sind dies: Frontkollisionswarner mit Gefahrenbremsung, Tempomat, Verkehrsschild-Erkennung oder Spurhalte-Assistent. Und wenn noch ein paar Euro auf dem Konto liegen und darauf warten, ausgegeben zu werden, dann darf in die Wunsch-Kiste mit Sonderausstattung gegriffen werden. Denn dort gibt‘s unter anderem blendfreies Matrix-Licht (700 Euro), 180-Grad-Kamera mit Park & Go (650 Euro), Abstands-Tempomat, Online-Navi (800 Euro) oder ein schlüsselloses Zugangssystem, Sportsitze und Lenkrad beheizt (350 Euro) sowie eine Rückfahrkamera.

Und wie fährt der neue Corsa? Genauso wie wir es von einem sportlichen Opel erwarten: präzise Lenkung, zupackende Bremsen, gutmütiges Kurvenverhalten und straffe Dämpfung ohne unkomfortabel zu sein. Ja, damit ist auch Kurvenräubern angesagt. Vor allem, wenn die Wahl auf das stärkste GS-Modell (130 PS, 230 Nm bei 1750 U/min, Spitze 208 km/h, Sprint auf 100 in 8,7 Sekunden) gefallen ist. Die französischen Geschwister können in der Disziplin des Kurvenräuberns sicher nicht mithalten: Zu kommod und weich – frankophiles Autofahren ist halt nun mal ein ganz anderes Thema.

Wie stets eigentlich mit den Preisen? Start für das Basisfahrzeug ist bei 13 990 Euro, mindestens 17 530 Euro sind für den 100-PSler zu zahlen, das Topmodell GS kostet 23 340 Euro. Der Diesel liegt bei 19 350 Euro.

Im Fühjahr kommt der elektrische Corsa

Und im Frühjahr folgt dann ein elektrisierendes Highlight: Der Corsa mit 136-PS-Elektro-Antrieb und einer Reichweite von 330 Kilometern. Der Preis für ihn: mindestens 29 900 Euro. Hier ein TV-Clip dazu mit Markenbotschafter „Kloppo“, Jürgen Klopp.(autour24/khf)

Technische Daten Opel Corsa 1,2 Direct Injection Turbo: Länge x Breite x Höhe (m): 4,06 x 1,96 x 1,43, Radstand (m): 2,54. Dreizylinder-Benziner, 1199 ccm, Turbo, Direkteinspritzung, Leistung: 100 PS (74 kW) bei 5500 U/min, Max. Drehmoment: 205 Nm bei 1750 U/min. Höchstgeschwindigkeit: 194 km/h, Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 9,9 Sek. WLTP-Durchschnittsverbrauch: 5,5 Liter. Effizienzklasse: A, CO2-Emissionen: 122 g/km (Euro 6d). Leergewicht / Zuladung: min. 1164 kg / max. 455 kg, Kofferraumvolumen: 304–1083 Liter, Max. Anhängelast: 1200 kg, Wendekreis: 10,1 m, Bereifung: 185/65 R 15, Luftwiderstandsbeiwert: 0,29, Wartungsintervalle: 20 000 km. Garantie: 24 Monate. Basispreis: 17 530 Euro.

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