Audi A8  – auch „Angie“ lässt sich damit gern kutschieren

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Von Klaus H. Frank

Der erste Blick. Im Comic-Heftchen würde das Design des Audi A8 ganz simpel beschrieben sein: In einer riesigen Sprechblase stünde dort in großen Lettern zu lesen: „Wooow!“. Das passt – aber wir suchen ein treffenderes Attribut und finden: groß, eindrucksvoll, präsent, zeitlos, elegant. Es gäbe noch mehr – aber eines ist gewiss: Es ist eine wahrlich repräsentative Limousine. Ein Liebling der Vorstands-Etagen. Eine Staatskarosse – gehört der Audi A8 doch zum Fuhrpark von Kanzlerin Angela Merkel.

Beim direkten Blick ins Gesicht des A8 sehen wir einen dominanten, extrem breiten, chromumrandeten Kühlergrill, der unmissverständlich dokumentiert: Hoppla, jetzt komm ich. Ansonsten – abgesehen von schicken HD-Matrix-LED-Scheinwerfern mit der typischen Audi-Taglicht-Signatur und den OLED-Rücklichtern – ist dieser Luxusschlitten sehr dezent gestaltet, geradezu unauffällig. Der A8 ist elegant und modern, aber nicht modernistisch, fast sogar ein bisschen konservativ. Besonders gern gesehen ist er auch in China. Am liebsten in der Langversion mit 5,28 Metern. Die mögen‘s ja groß, die Chinesen, und groß ist der A8 tatsächlich, auch in Normallänge von 5,17 Metern. Mit dem Nachteil, dass Einfahrten in ein enges Parkhaus sich zu einem kleinen Abenteuer auswachsen können. Es wachen zwar etliche Assistenten und Kameras darüber, dass der A8 nicht aneckt – aber wenn’s zu eng ist, ist es halt zu eng.

„Hereinspaziert“. Na hier fühlt sich doch gleich jeder wohl, fläzt sich in bequemen Sesseln aus feinstem Leder, kann die Beine ausstrecken, wofür der Radstand von drei Metern ein Garant ist. Es fühlt sich an wie Erste-Klasse-Fliegen – vorne im Cockpit und auch im Passagierabteil der zweiten Reihe. Alles perfekt. Die Materialen sind Spitze, die Verarbeitung präzise, das ganze Interieur ist Weltklasse – und sogar die Luft ist gut, denn die wird gefiltert. Hier ist die Zukunft hautnah spürbar. Außer dem Drehrädchen zur Lautstärkeregelung des Radios gibt’s keine Knöpfchen mehr, auch der MMI-Dreh-Drücksteller ist Vergangenheit. Was der Fahrer vom A8 erwartet, teilt er ihm per Sprache mit oder schreibt es mit spitzen Fingern aufs Display. Das ist Autofahren und -bedienen von morgen.

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Vor den Augen des Piloten liegen riesige Displays für Navigation, Infotainment, Infos – fast wie im Science-Fiction-Movie. Und das ganz große Highlight eröffnet sich bei Dunkelheit. Was sich da vor den Augen der Passagiere abspielt, ist ganz großes Kino. Ein Feuerwerk von Lichteffekten inszeniert ein beeindruckendes Spektakel. Und das Ambiente-Licht mit seiner Farbenpracht setzt dem Ganzen die Krone auf. Genial ist die Geräuschdämmung dank Akustik-Verglasung. Die lärmende Außenwelt wird hier geradezu ausgesperrt. Vom Triebwerk ist nur ein Säuseln zu hören. Lediglich beim ersten, kalten Anfahren scheint zwischen 1200 und 1400 Touren ein leichtes Grummeln vernehmbar zu sein.

Allerdings: Menschen mit einem leichten Putzfimmel werden im A8 manchmal verzweifeln: Denn  hochglänzender Klavierlack, der dem Armaturenbrett einen edlen Touch verleiht, verzeiht keine Fingerabdrücke, keinen Staub und keine Schmierer. So was macht sich gar nicht gut in einer Nobelkarosse. Also, immer ein Mikrofasertuch in der Tasche haben, damit alles wieder auf Hochglanz gewischt und gewienert werden kann.

Aufs Gas treten: Der Schub fühlt ich an, so darf salopp gesagt werden, als würde einem ein Esel ins Kreuz treten. 600 Newtonmeter schon ab 1250 Touren sind der theoretische Wert, der für dieses irre Gefühl von Beschleunigung sorgt. Und 286 PS sorgen für hinreichend Temperament des Dreiliter-V6, was sich beim Standard-Sprint auf 100 in flinken 5,9 Sekunden niederschlägt, die Spitze liegt bei (abgeregelten) 250 km/h. Gute Werte, denn der A8 wiegt immerhin 2,1 Tonnen. Und wer nun glaubt, dass solche Leistungen Gift für den Spritverbrauch sind, der dürfte überrascht sein. Gerademal 7,8 Liter Diesel genehmigt sich der Dreiliter-Sechszylinder im Test – ein toller Wert, der sogar grün angehauchten Zeitgenossen gefallen könnte. Mit dem serienmäßigen 72-Liter-Tank kommt der Audi-Fahrer so rund 1000 Kilometer weit, wird ein 82-Liter-Tank geordert, sind es nochmal rund 150 Kilometer mehr.

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Und wie fährt er? Wie Samt und Seide. Komfort ist hier mehr als nur ein Wort. Luftfederung ist eben Luftfederung. Das Zusammenspiel von Achtgang-Wandlerautomatik und Triebwerk funktioniert perfekt: Kein Ruckeln, butter-weiches Wechseln der Schaltstufen und entkoppeltes Segeln zwischen 55 und 160 km/h. Als Mild-Hybrid hält die speicherfähige Lithium-Ionen-Batterie stets ein Quäntchen Power zurück, damit sie dies dann bei Bedarf wirkungsvoll einsetzen kann. Der serienmäßige Quattro-Antrieb (Verteilung 40:60) vermittelt auch in der kritischen Jahreszeit ein großes Gefühl an Sicherheit. Die Dynamic-Allradlenkung, die auch ein leichtes Einschlagen der  Hinterräder zulässt, erlaubt ein ungeheuer präzises Handling, ganz gleich ob in schnellen Autobahnkurven, auf winkeligen Landstraßen oder in der engen Stadt.

Die Assistenten. Sie halten das Fahrzeug in der Spur und auf konstantem Abstand zum Vordermann, überwachen die Umgebung beim Ausparken, erlauben sogar teilautonomes Fahren, bei dem der Pilot kurzfristig die Hände vom Lenkrad nehmen kann. Ideal beim Stopp-und-Go-Verkehr, denn der Staupilot reguliert das Tempo bis zum Stillstand. Ohne diese hilfreichen Heinzelmännchen geht gar nichts mehr. Und so schlummern sie (bis zu 41 sollen es sein) auch im Audi A8 und warten darauf, dass der Fahrer sie um Assistenz herbeiruft.

Genial auch die Verkehrsschilderkennung. Das System übernimmt hier das angezeigte Tempolimit in den Tempomaten und reduziert das Tempo ganz automatisch auf die Geschwindigkeit, die das Verkehrsschild anzeigt. Damit fühlt sich der Fahrer manchmal etwas entmündigt, sollte aber froh sein, denn dadurch bleibt ihm mancher Strafzettel wegen Geschwindigkeitsübertretung erspart. Wird das Limit durch das runde weiße Schild mit Querstreifen aufgehoben, fährt der Audi wieder mit der vorher eingestellten Geschwindigkeit weiter.

Ein wahrhaft futuristisches System ist der prädiktive Effizienzassistent. Hier passt das System die Geschwindigkeit an die Situation oder Topographie, an Tempolimits und den vorausfahrenden Verkehr an. Dabei greift der prädiktive Effizienzassistent auf Streckendaten der Navigation zurück und gibt dem Fahrer Tipps, wann es sinnvoll sein könnte, vom Gas zu gehen, damit der Motor in den Segelmodus wechseln kann. Dann nämlich wird der Antriebsstrang komplett von Fahrwerk abgekoppelt. Das hilft beim Kraftstoffsparen. Die Hinweise erscheinen optisch im Display vor Kurven oder Kreuzungen vor einem Kreisverkehr, vor Gefällen, Ortschaften oder bei einem Tempolimit.

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Alltagstauglichkeit. Dann geh doch zu Netto, möchte man sagen – und schau mal, was alles in den Gepäckraum passt. Nicht allzu viel für so eine Riesenkutsche, muss konstatiert werden. Noch dazu, weil sich der Gepäckraum nicht erweitern lässt, da die Rücksitze nicht umklappbar sind. 440 Liter schluckt er. Das ist etwas mehr als Kompaktklassen-Niveau. Allerdings sollen sieben Getränkekisten reinpassen. Ganz generell aber ist die Alltagstauglichkeit perfekt. Der etwas zerklüftete Kofferraum lässt sich per Fußkick unter den Stoßfänger öffnen, das Platzangebot im Innenraum ist üppig, die Übersichtlichkeit ausreichend, Ein- und Ausstieg dank der Niveauregulierung mit der Luftfederung bequem.

Freut sich der Geldbeutel? Eher nein, denn der Audi A8 50 TDI quattro ist teuer. Ohne jegliche Sonderausstattung kostet er 90 600 Euro. Alll das, was ihn wirklich als Luxusschlitten ausmacht, kosetet viel, viel Geld kostet. Und der Preis steigt je nach Gusto des Käufers ganz rasant. Zum Beispiel unser Testwagen. Der kostet stolze 134 509,97 Euro. Kein Wunder, dass der Audi A8 ein Zuhause eher bei Vorstandsmitgliedern oder im Fuhrpark diverser Regierungen findet.

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Technische Daten Audi A8 50 TDI: L x B x H (in Meter): 5,17 x 1,95 x 1,47, Radstand : 3 Meter. V6-Turbo-Diesel, 2967 ccm, Direkteinspritzung, 210 kW / 286 PS bei 3750-4000 U/min, max. Drehmoment: 600 Nm bei 1250-3250 U/min. Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h (abgeregelt), Beschleunigung auf 100 km/h: 5,9 Sek.  CE-Durchschnittsverbrauch: 5,6 Liter. Effizienzklasse: A, CO2-Emissionen: 145 g/km (Euro 6). Leergewicht / Zuladung: 2050 kg / 640 kg, Kofferraumvolumen: 440 Liter, Anhängelast: 2300 kg, Wendekreis: 12,5 Meter. Räder / Reifen: 8 J x 17 / 235/60 R 17. Preis: 90 600 Euro. (autour24/khf)

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