VW T-Roc „R“ – den Spaß lassen wir uns nicht nehmen

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Von Klaus H. Frank

Auf der einen Seite fährt Volkswagen seit Monaten voll auf Elektromobilität ab, folgt damit dem Mainstream und bestärkt gleichzeitig den Irrglauben all jener, die meinen, mit Elektroautos den Klimawandel aufhalten zu können. Auf der anderen Seite adeln die Wolfsburger ihren braven Crossover T-Roc mit dem „R“-Symbol,  mit dem sie optisch und leistungsmäßig Modelle ihrer Palette zu veritablen Sportkanonen hochpushen. Geht dieser konträre Ansatz eigentlich? Wir meinen „Ja“, es geht, und zitieren mit Augenzwinkern den Satz, der sogar in der Bibel steht und da lautet: „Das eine tun und das andere nicht lassen“.

Natürlich ist die Offensive in Elektromobilität richtig, wohl wissend, dass der gesamte CO2-Fußabdruck eines Elektroautos von der Rohstoffgewinnung bis zum Recycling katastrophal schlecht ist. Schlechter als der eines Dieselautos. Die Hoffnung aber stirbt zuletzt, auch dies einmal in den Griff zu bekommen. Zum anderen: Soll angesichts der derzeitigen Hysterie um Treibhausgase und Klimawandel jedermann ein nachhaltig gewebtes Büßergewand anziehen, nur noch Opas rostigen Drahtesel reiten und einem schwedischen Teenager nach dem Mund reden –  wenngleich das gehypte Mädchen Greta natürlich in vielen Dingen recht und die Menschen hoffentlich aufgerüttelt hat, nicht nur an sich selbst, sondern auch an die Generationen von morgen zu denken. Aber: Ein bisschen Benzin im Blut darf schon noch sein. Den Spaß lassen wir uns nicht nehmen.

Sportlich orientiert – aber voll alltagstauglich

Auch deshalb sagen wir ganz klar „Ja!“ zum Volkswagen T-Roc mit besagtem „R“. Ein feines kleines SUV ist der T-Roc „R“, der zum einen voll alltagstauglich ist, andererseits die Gelüste sportlich orientierter Zeitgenossen voll befriedigen kann. Sicherlich ein schwieriger Spagat – aber er ist gelungen. Wer die vielen Assistenten schlummern lässt, die den T-Roc zum Supersportler machen, der findet sich in einem ganz normalen Auto wieder, mit dem Papa die Kinder in die Schule fährt oder Mama zu „Netto“ geht  – ohne Lärm und quietschenden Reifen.

Wird der T-Roc jedoch auf High-Performance „umprogrammiert“ und die „Race“-Taste gedrückt, dann gebärden sich die 300 temperamentvollen Pferde unter der Haube ziemlich wild, beschleunigen den T-Roc in nur 4,8 Sekunden auf 100 und schieben ihn auf eine Spitzengeschwindigkeit von 250 km/h. Verantwortlich dafür ist ein aufgeladenes direkteinspritzendes Zweiliter-Triebwerk (TSI) (bekannt aus Golf R, Seat Cupra und Audi SQ2), das den T-Roc zum Chefdynamiker befördert und dank Allradantrieb mit perfekten Fahreigenschaften segnet. Stehen alle Zeichen auf Power, dann lässt es sich „R“-leben, dass der T-Roc ein echtes Sportlerherz hat. Und der Sound (Titanabgasanlage von Akrapovič) erinnert bei der Gaswegnahme mit lautem blubbern, rotzen und spotzen eher an einen Jaguar F-Type als einen konservativen Wolfsburger – manchmal wirkt’s fast ein bisschen peinlich.

400 Newtonmeter Kraft bei 2000 Touren

Die maximale Kraft von 400 Newtonmetern liefert der T-Roc „R“ schon bei 2000 Touren. Nicht schlecht, aber: Der Weg aus dem Stand dorthin kommt uns trotz allem etwas pomadig vor. Direkt nach Leerlaufdrehzahl könnte durchaus etwas mehr Schub kommen – ein zusätzlicher kleiner Turbo für untenrum wär da genau das Richtige. Springt der Drehzahlmesser dann aber über die 2000er-Grenze hinweg, dann legt der T-Roc richtig los und macht dem „R“ alle Ehre. Schluss mit lustig ist erst, wenn die Hochleistungs-Bremsanlage das Fahrzeug auf null heruntergebremst hat. Der Kraftstoffverbrauch liegt kombiniert laut WLTP Messung bei 8,8 bis 8,4 Liter. Auf ersten Testfahrten in den Seealpen, hinauf zum Col des Vence und wieder hinab, summierte sich der Verbrauch auf Grund der Topographie jedoch auf 12,3 Liter – ein durchaus artgerechter Verbrauch, wie ein VW-Sprecher schon vor Beginn der Testfahrten schmunzelnd bemerkte.

Ganz Verrückte können beim Start die serienmäßige Launch Control aktivieren, mit der ein Formel-1-Blitzstart simuliert werden kann. Unnötige Spielerei, meinen wir, nach der die Kupplung irgendwann schlapp macht. Interessanter  ist es, mit abgeschaltetem ESP den Grenzbereich des T-Roc „R“ in Kurven auszutesten – aber bitteschön nur dort, wo niemand gefährdet wird. Die Fahreigenschaften nämlich sind hervorragend. Das auf Sport getrimmte Fahrwerk ist bei der Modi-Einstellung „Race“ zwar knochenhart, zeigt sich aber vollkommen unbeeindruckt, wenn der zügige Fahrer den T-Roc unbarmherzig durch enges Landstraßen-Geschlängel prügelt. Das Fahrzeug klebt regelrecht am Boden. Wankbewegungen gehen in Richtung Null – der T-Roc liegt auf der Straße wie das gern zitierte Brett. Das Allradsystem verteilt die Kraft je nach Bedarf in Millisekunden zuverlässig zwischen Vorder- und Hinterachse, ist so programmiert, das Untersteuern stark minimiert wird und Traktion auf jedwedem Untergrund vorhanden ist. Nur bei leichtsinnigem Geschwindigkeitsüberschuss am Kurveneingang schiebt der Wagen über die Vorderräder nach außen. Aber das ist beherrschbar.

Optisch gibt der T-Roc „R“ den Leistungssportler

Auch optisch gibt der T-Roc „R“ den Leistungssportler. Stoßfänger im R-Styling und Lufteinlässe mit Lamellen in Schwarz sind die typischen Insignien der leistungsstarken Volkswagen-Familie, und natürlich erkennbar ist er mit dem „R“-Logo im schwarzem Kühlergrill und auf der Heckklappe. Für eine perfekte Ausleuchtung der Straße sorgen LED-Scheinwerfer, das prägnante Tagfahrlicht ist senkrecht im Frontstoßfänger integriert. Das macht die Top-Version innerhalb der Baureihe schon von weitem unverwechselbar. Die LED-Rückleuchten sind „R“-typisch dunkelrot verglast. Die beiden Abgas-Doppel-Endrohre links und rechts am Heck sind verchromt.

Natürlich ist auch der Innenraum sportlich abgestimmt, wirkt „R“ typisch rassig und rasant: Edelstahlpedale, weiße Ambiente-Beleuchtung, schwarzer Dachhimmel, dazu Chrom-Applikationen an den Schaltern für Licht, Fensterheber und Außenspiegeleinstellung. Instrumententafel, Mittelkonsole und die Türverkleidungen schmücken ab Werk Dekoreinlagen in „Piano Black“.

Seine Alltagstauglichkeit unterstreicht der T-Roc „R“ mit hoher Flexibilität und einem Höchstmaß an Komfort. Die Rücksitzlehne ist asymmetrisch geteilt
umklappbar, unter dem rechten Vordersitz bietet eine Schublade Stauraum für Kleinkram und Nützliches. Das Ladevolumen beträgt 392 bis maximal 1237 Liter.

Auch die gesamte Bandbreite an smarter Konnektivität und Assistenzsystemen bietet der T-Roc „R“ auf. Serienmäßig zum Beispiel sind die Müdigkeitserkennung, der Notruf-Service oder die Berganfahr- und Bergabfahrassistenten. Optional sind unter anderem die automatische Distanzregelung ACC „stop & go“, Stauassistent, Ausparkassistent, Spurhalteassistent „Lane Assist“, „Blind Spot“-Sensor und Notbremsassistent „Front Assist“. Der Volkswagen T-Roc R ist der neue „Star“ der T-Roc-Familie und kostet 43 995 Euro. (autour24/khf)

Technische Daten Volkswagen T-Roc R: Länge – Breite – Höhe (in Metern): 4,23 – 1,82 – 1,57, Radstand: 2,59 Meter. Vierzylinder-Benziner, 1991 ccm, Turbo, Direkteinspritzung, Leistung: 221 kW / 300 PS, Max. Drehmoment: 450 Nm zwischen 2000–5200 U/min. Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h, Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 4,8 Sek. WLTP-Durchschnittsverbrauch: 8,4 Liter, CO2- Emissionen: 191 g/km (Euro 6d-Temp). Leergewicht / Zuladung: min. 1575 kg / max. 570 kg, Kofferraumvolumen: 392–1237 Liter, Max. Anhängelast: 1900 kg, Wendekreis: 11,1 Meter. Basispreis: 43 995 Euro.

 

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