Der elektrische Cowboy

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Wo immer man mit dem Cowboy auftaucht, sind positive Kommentare garantiert. Denn das Produkt eines belgischen Start-ups setzt auf eine ganz spezielle Optik. Das mattschwarz lackierte Pedelec ist ein echter Augenschmaus: klare Linien, aufs Wesentliche reduziertes, gelungenes Design. Alles nur schöner Schein oder feine Verpackung für eine solide Substanz? Wir haben’s ausprobiert.

Das Cowboy-Bike ist in vielen Bereichen anders als andere E-Bikes. Nicht nur, dass es optisch ganz eigene Wege geht. Auch die Technik birgt einige Überraschungen. Konnektivität spielt eine entscheidende Rolle. Erst App herunterladen, die zum speziellen Exemplar passenden Daten eingeben, sonst geht gar nichts. Im Test wehrte sich die Technik ein bisschen gegen die Inbetriebnahme, erst nach ausführlichen Chats mit der sehr freundlichen Service-Abteilung ließ sich das Rad einschalten. Und auch anschließend gab es ein paar kleine, aber schnell behebbare Unstimmigkeiten zwischen Hard- und Software. Wer darauf gar keinen Bock hat oder schlicht nicht das Smartphone zwangsweise auch zum Radfahren einsetzen will, sollte die Finger vom belgischen Viehhirten lassen.

Die Technik ist dann, einmal in Gang gesetzt, durchaus überzeugend. Das Cowboy kommt mit Einheitsrahmen (passt für 1,70 bis 1,95 Meter Körpergröße), leisem Riemenantrieb und als Singlespeed angerollt – Schalten ist nicht. Auch die Intensität der elektrischen Unterstützung bis 25 km/h lässt sich nicht steuern, eine schlaue Software errechnet je nach Widerstand beim Treten, wie viel der nicht wirklich üppigen 30 Nm vom E-Motor im Hinterrad abgerufen werden. Was schon zeigt: Ein Mountainbike-Ersatz ist der E-Flitzer nicht, sondern ein klarer Fall für die Stadt und für die eher flachen Gegenden dieser Republik. Diesen Job erledigen die gut aufeinander abgestimmten Komponenten bis zu mittleren Steigungen zur vollen Zufriedenheit. Und auch die Sitzposition passt.

Nicht nur Ein/Aus, auch der Rest des Fahrrads wird per App gesteuert, überwacht und angezeigt, also die fest installierte Beleuchtung samt blinkendem Bremslicht hinten oder der Füllstand des herausnehmbaren 360 Wh-Akkus, das Tempo und die gefahrene Strecke. Apropos Tempo: Weil in anderen Ländern E-Bikes nicht nur bis 25 Sachen mitschieben dürfen, lässt sich der Cowboy per App auf 30 km/h „tunen“ – allerdings mit dem deutlichen Hinweis, dass diese Einstellung bei uns auf öffentlichen Straßen nicht zulässig ist.

Die Reichweite geben die Belgier mit rund 70 Kilometer an, im Test kam deutlich mehr zustande, weil das Rad auf seinen Straßenslicks sehr gut abrollt und man auf ebener Fahrbahn meist sowieso über 25 Sachen und damit ohne E-Unterstützung unterwegs ist. Die Komponenten machen einen guten und soliden Eindruck, der schon beim Auspacken aus dem Karton und dem sehr simplen Zusammenbau mit dem liebevoll verpackten Bordwerkzeug beginnt. Was nicht so praktisch ist: Die Sattelhöhe wird per Imbusschrauben verstellt, das geht aber erst, wenn der Akku herausgenommen wurde. Eben mal schnell auf einen neuen Benutzer einstellen klappt also nur bedingt.

Positiv sind das Gewicht (nur 16,1 Kilo inklusive 2,4-Kilo-Akku) und die Verarbeitung des Cowboy zu bewerten. Der Preis von 1.990 Euro bei kostenloser Lieferung per Spedition ist angesichts des weitgehend gelungenen Gesamtpakets ebenfalls sehr in Ordnung. In vielen großen deutschen Städten sind inzwischen auch Probefahrten möglich. (Rudolf Huber / mid)

Kommentar verfassen