Zürich – weit mehr als nur Finanzplatz

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Von Kurt Sohnemann

Zürich. Selbstverständlich wird man in den Cafés der Bahnhofstraße auf Menschen treffen, die sich darüber unterhalten, ob Schweizer Aktien in Deutschland gehandelt werden sollten oder nicht. Auch werden die Nachteile protektionistischer Handlungen der Regierungen verurteilt. Auf der teuersten Straße Europas sind die Themen vorgezeichnet, die auch den Alltag einer Fülle von Menschen bestimmen, die in Zürich tätig sind. Die Schweiz ist nun einmal für die Finanzwelt ein wichtiger Handelsplatz in Europa und der Welt. Aber ebenso kommen die Menschen aus aller Welt, um die die Rahmenbedingungen für ihr Geld anzusehen. Der Tourismus hat in Zürich einen steigenden Stellenwert, auch wenn die Preise für die Gäste eine Dimension erreichen, die sie zumeist in ihren Heimatländern nicht vorfinden.

Mitten in der größten Stadt der Schweiz, die mit etwa 430.000 Einwohnern und 50.000 Studenten ein pulsierendes Leben aufweist, bildet der Bahnhof die baulich zentrale Funktion ab. Er ist nicht nur eine architektonische Meisterleistung. Er lässt auch den Stolz der Schweizer erkennen, indem das auffällige Portal dem Triumphbogen in Paris nachempfunden ist. Überdies ist die riesige Bahnhofshalle so hoch, das dort neben Konzerten und Märkten auch Stabhochsprung-Wettbewerbe ausgetragen wurden. Der belebte Sammelpunkt unzähliger Menschen wird demzufolge gern als Austragungsort skurriler Veranstaltungen genutzt. So kann es schon einmal vorkommen, dass der Gast unverhofft in die internationalen Schweizer Meisterschaften im Kirschkern-Weitspucken einbezogen wird.

Eigentlich hat Zürich die unbescheidenen Gebäude der Innenstadt dem Wirtschaftsmogul und Politiker Alfred Escher zu verdanken. Der 1819 geborene Escher entwickelte zudem die Eisenbahnstrukturen des Landes, gründete Banken und das eidgenössische Polytechnikum. Er ist auch Urheber des ersten Gotthardtunnels, der die Schweiz zu einem noch bedeutenderen Handelsplatz der Geschichte werden ließ. Escher ist demzufolge in der Stadt Zürich mit einem Denkmal bedacht worden, das aber nicht aus dem Schatten der vielen prägenden Gebäude mit seiner Handschrift heraustreten kann.

Wenn sich die Züricher Bahnhofstraße mit dem Champs-Elysees vergleicht, ist das Gleichnis nicht aus der Luft gegriffen. Auf den etwa 1,5 Kilometern haben alle europäischen Marktführer der Konsumgesellschaft einen direkten Draht zum Verbraucher. Die teuersten Uhrenmarken, Modeausstatter und sonstigen Designer haben eine Auswahl ihrer edelsten Kollektionen aufgeboten. Sicherheitspersonal sorgt zumeist dafür, dass nur eine begrenzte Anzahl an Kunden im Hause sein darf. Zwielichtige Gestalten sind dann auch entsprechend selten in Zürich zu sehen.

Da die Infrastruktur in der Schweizer Metropole einen ausgesprochen durchdachten Eindruck hinterlässt, kommen die Gäste hervorragend mit öffentlichen Verkehrsmitteln von Startort zum Zielpunkt. Da auch der Flughafen durch kurze Wege an die Stadt gebunden ist, verlieren Besucher kaum Zeit, die sie für die Visite unterschiedlicher Sehenswürdigkeiten zur Verfügung haben.

Viele kleine Treffpunkte mit Cafés und anderen Restaurationen bieten immer wieder Punkte der Ruhe und Erholung, wenn sie gewollt sind. Wer die Bahnhofstraße entlang pilgert, trifft automatisch auf den Zürichsee, der eine malerische Kulisse abbildet. Einige Fahrgastschiffe buhlen um die Gunst der Menschen, um diese über den See zu chauffieren. Wer lieber festen Boden unter den Füßen behalten will, kann sich aber auch am Fluss des Limmats erfreuen. Der Zufluss der Aare, die im Rhein mündet, zieht sich durch das Stadtzentrum und bietet den Zürichern, die gern baden gehen, einige Möglichkeiten diesem Spaß ohne Eintrittsgeld nachzukommen.

Wer vom Stadtzentrum einen Blick über den Limmat sucht, findet ihn an mehreren Stellen und dazu noch einen Blick auf den Uetliberg, den teuersten und beliebtesten Wohnort der Züricher. Wer sich hier seine eigenen vier Wände aufgebaut hat, gilt als betuchter Zeitgenosse.

Weniger mit Geld als mit künstlerischen Fähigkeiten hat der Blick auf die Fenster zu tun, die einst von Chagall gemalt wurden. Sie befinden sich im Fraumünster. Die Kirche ist nur einen Steinwurf von der zentralen Prachtstraße der Züricher entfernt gelegen. Im Landesmuseum direkt am Bahnhof lässt sich ein umfangreicher Blick auf die Geschichte der Eidgenossen werfen.

Lebendiger ist natürlich die Gegenwart, die lässt sich auch schon zu zivilisierten Grundpreisen erleben. Auf der Suche nach einem günstigen, sauberen und familiengerechten Hotel werden die Gäste in Harry`s Home fündig. Der Österreicher Hotelier hat seine 123-Betten-Herberge so konzipiert, dass bereits für ungewöhnlich günstige 99 Franken pro Tag ein Studio für die Gäste zu buchen ist. Vom Flughafen ist das Hotel nur 20 Minuten Fahrzeit mit der Tram entfernt, vom Hauptbahnhof etwa ebenso kurz. Dabei liegt die Haltestelle zudem direkt in Hotelnähe.

Bei der Suche nach einer günstigen Tasse Kaffee oder Mahlzeit gestaltet sich die Sache schon schwieriger. Selten wird das schwarze Getränk für weniger als fünf Franken auf den Tisch gestellt. Auch sollte man mindestens zehn Franken oder Euro in der Tasche haben, wenn der kleine Hunger seine Bedürfnisse mitteilt.

Infos: www.zuerich.com und www.harrys-home.com/zuerich

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