911 GT3: Für Puristen der einzig echte Porsche

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Der Elfer: Für Puristen unter den Fans der Zuffenhausener Sportwagen ist er der einzig echte Porsche. Letztlich steht nicht nur bei diesen Vertretern der wahren Lehre die Zahl 911 als Synonym für automobile Träume, in denen es um die typische flache Silhouette, berauschende Beschleunigung, angeborene Kurvengier, offene Direktheit und harten Kontakt zur Straße geht. Die Faszination der dreistelligen Zahl lässt sich allerdings noch gewaltig steigern, wenn sie in Kombination mit dem Zusatzkürzel GT3 auftritt.

GT3: Schon tauchen im Kopf die berühmten Rennstrecken auf. Denn der 911 GT3 ist ein Spross der Rennabteilung, die es sich den Kopf gesetzt hatte, einen rennstreckentauglichen 911er auf die dicken Räder zu stellen, von dem es auch eine Version mit Zulassung für die öffentliche Straße gibt. Das Entwicklungstrio glänzt mit berühmten Namen wie dem von Rallye-Weltmeister Walter Röhrl und von Renningenieur Roland Kussmaul. Das Ergebnis: Der GT3 ist einfach der „porscheste“ 911. Inzwischen röhrt er in der sechsten Generation durch die Welt und ist gerade 20 Jahre alt geworden.

Um das Jubiläum standesgemäß zu zelebrieren, lud Porsche in die Schweiz, wo neben dem aktuellen GT3 auch die Modelle aus der Ahnenreihe zum Erleben bereit standen. Warum die Schweiz? Weil sich der GT3 auf Alpenpässen wie Gotthard, Nufenen, Grimsel und Furka besonders wohl fühlt. Um die Entwicklung der letzten zwei Jahrzehnte aufzuzeigen, wählte mid-Autor Klaus Brieter den Urtyp von 1999 (996.1), die Version von 2006 (997.1) und den aktuellen GT3 (991.1) zum Ritt über die Bergstraßen aus.

Nach dem Platznehmen im tiefen Kübelsitz und dem Anlassen brummelt der 3,7-l-Sechszylinder Wasserboxer zunächst zufrieden vor sich hin. Ein ehrlicher Saugmotor mit 360 PS, der zum Erreichen der maximalen Durchzugskraft ordentlich Drehzahl braucht. Erst ab der Marke 5.000 auf der Skala liefert das Triebwerk mit entsprechender Akustik 370 Nm. Erstaunlich, wie viel fahrerisches Geschick der „alte“ GT3 von 1999 noch erfordert. Die Lenkung mit dem verhältnismäßig großen Lenkrad wirkt deutlich indirekter als in den aktuelleren Modellen. Trotzdem fühlt man sich im alten GT3 wohl und mit dem um 30 Millimeter abgesenkten Fahrwerk sehr nah an der Straße.

Dazu leisten das beinharte Fahrwerk und der nahezu ungepolsterte Sitz in Personalunion ganze Arbeit. Die Wirbelsäule wird aufs Innigste ohne Zeitverzug über jede noch so geringe Straßenunebenheit informiert. Der Leichtbau mit dünneren Scheiben und fehlenden Schalldämpfungselementen gibt sich keine Mühe, die Fahrgeräusche zu absorbieren. Selbst einzelne aufgewirbelte Kieselsteine klingen wie abprallende Geschosse, wenn sie in die Radkästen schmettern. Aber Komfort war ja auch nicht das Entwicklungsziel. Schließlich behindert jedes zusätzliche Gramm den Tatendrang: So vergehen nur 4,8 Sekunden, um aus dem Stand Tempo 100 zu erreichen.

Schon deutlich näher an den Fahreigenschaften des aktuellen Modells treibt der 997.1 von 2006 sein Spiel. Inzwischen gehen 415 PS an die Hinterachse, das maximale Drehmoment ist ab 5.500 U/min abrufbar. Wer das Drehzahlband bis zum Ende auskosten will, muss erst bei 8.400 Touren in den nächsthöheren Gang schalten. Erstmals sorgt ein aktives Fahrwerk (PASM) für Anpassungen an den Einsatzzweck. Im Sportmodus reduzieren sich die Aufwärtsbewegungen, was die Dynamik auf Rennstrecken erhöht. Der verkleidete Unterboden und eine neuer Heckflügel reduzieren den Luftwiderstandsbeiwert (cw) auf niedrige 0,29.

Schließlich sitzen wir im GT3 von 2017. Das Hubraumvolumen hat mittlerweile vier Liter erreicht, aus denen nun 500 PS mobilisiert werden. Und weil Porsche beim GT3 bis heute daran festhält, auf den Turbo zu verzichten, stellt sich das maximale Drehmoment von 460 Nm erst ab 6.000 U/min ein. Mit dem Siebengang-PDK (Porsche Doppelkupplungsgetriebe) stürmt dieser 911 in 3,4 Sekunden auf 100 km/h und erreicht Spitzentempo 318. Wer sich für das manuelle Sechsgang-Getriebe entscheidet, braucht bis 100 km/h zwar eine halbe Sekunde länger, erreicht dafür jedoch maximal 320 km/h.

Trotz dieser Leistungswerte fährt sich die sechste Generation des GT3 fast spielerisch: Die absolut präzise Lenkung, die mitlenkende Hinterachse und die Hinterachs-Quersperre erzeugen im Verbund ein Fahrgefühl in Kurven, das dem Begriff „wie auf Schienen“ sehr nahe kommt. Eigentlich ist es kaum vorstellbar, dass sich das Gesamtpaket Porsche 911 GT3 noch steigern lässt. Dem Vernehmen nach fahren erste Exemplare der Generation 7 bereits auf der hauseigenen Rennstrecke bei Weissach. Auch im dritten Jahrzehnt seines Lebens soll der GT3 weiterhin der „porscheste Elfer“ bleiben. (Klaus Brieter / mid)

Kommentar verfassen