Luftfahrt-Klassiker auf der Motorworld Classics Bodensee

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Die 12. Motorworld Classics Bodensee rückte heuer drei Tage lang nicht nur die klassische Mobilität zu Lande und zu Wasser in den Mittelpunkt – erstmals wurde die Oldtimer-Messe auch zu einen Mekka der Fans der klassischen Fliegerei: 13 flugfähige Luftfahrtklassiker waren zu sehen und täglich gab es eine Airshow mit interessanten alten Maschinen.

Friedrichshafen ist eine bedeutende Wiege der deutschen Luftfahrt. Hier erhob sich vor annähernd 120 Jahren von einer schwimmenden Insel im Bodensee der erste Zeppelin und heute fliegt dessen moderner Nachfolger, der Zeppelin NT (für Neue Technologie) auf dem Flughafen Friedrichshafen. Dessen direkte Nachbarschaft zum Messegelände macht den Traum vom Fliegen hautnah erlebbar. Neben der Sonderschau mit historischen Flugzeugen in der Halle A3 beeindruckten auch  täglich die Flugvorführungen: Allein der Sound der Sternmotoren ließ die Fans aufhorchen und ein ehemaliger Militärjet, die Fouga Magista, sorgte für eine besondere Klangkulisse. Optische Leckerbissen waren der Segelkunstflug mit der Ka 7 von Henry Bohlig und die Pitts S1S AT der Österreicherin Petra Unger.

Den zum „Flugzeug-Hangar“ erklärten, ostwärtigen Teil der Halle A3 dominierte als größtes Flugzeug der Sonderschau  die 13-sitzige de Havilland DH. 104 Dove, die mit zwei je 400 PS starken Kolbenmotoren von 1957 bis 1958 bei der LTU eingesetzt war und heute noch mit ihrem Traditions-Kennzeichen D-INKA fliegt.

Obwohl erst Baujahr 1976, wirkte die polnische PZL-104 Wilga 35 optisch mit ihrem 260 PS starken 9-Zylinder-Sternmotor deutlich älter – besticht aber immer noch durch 92 km/h Mindest-Geschwindigkeit, nur 125 Meter kurze Startstrecke und die gute Eignung zum Absetzen von Fallschirmspringern.

Die Dornier Do 27 ist das erste nach dem 2. Weltkrieg in Deutschland in Serie gebaute Flugzeug. Eine der von 1956 bis 1965 von der Bundeswehr übernommenen 427 Maschinen ist das immer noch flugfähige Modell A4 aus dem Bestand des Dornier- Museums Friedrichshafen.

Bei der offenen Kinner Sportster mit anklappbaren Flügeln zur platzsparenden Unterbringung wurden schon 1934 viele Bauteile wie Sitze, Türgriffe und Tankanzeige aus dem Automobilbau verwendet. Die Steuerknüppel sind sogar Original-Schalthebel aus dem Ford-Modell A.

Die Morane-Saulnier MS 315 war ab 1932 ein Anfänger-Schulflugzeug für die französische Armee de l’Air und 1963 wurden die 46 noch existierenden Maschinen vom Salsom-Motor mit 135 PS auf den 220 PS starken Conti W-670A umgerüstet, um sie nicht zuletzt für den Segler-Schlepp einzusetzen.

Mit den 1.590 PS des wassergekühlten Packard-Merlin-12-Zylinders war die P-51D Mustang das stärkste Flugzeug der Sonderschau mit Kolbenmotor. Heute ist der „Warbird“ noch über 700 km/h schnell und  mit dem US-amerikanischen Kennzeichen N6328T auf dem Flugplatz Albstadt-Degerfeld daheim.

Die einzige Cessna mit Stern-Motor ist der mit 300 PS von 1947 bis 1954 produzierte C195 „Businessliner“. Der nur 8,33 Meter lange Vier-oder Fünfsitzer hat aber 11 Meter Spannweite, ein federndes Haupt-Fahrwerk zum hinteren Spornrad und ist beim Landen relativ unempfindlich gegenüber Seitenwind.

Die FOUGA CM 170 R „Magister“ wurde ab 1958 in Riem in Lizenz gebaut, war der erste Strahltrainer der Bundesluftwaffe und bis 1969 auch bei der Marine im Einsatz. Die zwei Turbomeca Marbone Strahltriebwerke mit je 400 kp Schub reichten für über 11.000 Meter Dienstgipfelhöhe und 0,8 Mach Maximal-Geschwindigkeit.

Genau 90 Jahre alt ist die Curtis Robin J-1 und war so unbestritten der „Senior“ der Sonderschau. Der Dreisitzer diente ursprünglich als Geschäftsreiseflugzeug und stellte 1935 einen (bis heute noch nicht gebrochenen) Dauerflug-Weltrekord über 27 Tage auf, bei dem ein zweites Flugzeug gleichen Typs Luftbetankung und Lebensmittelversorgung „per Schlauch“ übernahm. (Text und Fotos: Karl Seiler)

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