Ford Edge Vignale: The „American way of drive“

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Von Klaus H. Frank

Der Markt der SUV boomt – ein Ende ist nicht abzusehen. Auch Ford profitiert davon, hat im Jahr 2018 genau 200 577 Kuga und 27 507 EcoSport verkauft, vom großen Edge allerdings nur 7508 Exemplare. Das ist wenig im Vergleich zur direkten Konkurrenz mit Audi Q5, Volvo XC60 oder BMW X5 etc. Eigentlich unverständlich, denn der Edge ist ein attraktiver, präsenter SUV und braucht sich in Sachen Technik vor niemandem zu verstecken. Wir fuhren den Edge in der Top-Version Vignale und können eigentlich nur Bestnoten verteilen.

Es ist ein richtiger Brocken, dieses Auto – so wie dies schließlich von einem Ami-Schlitten aus dem SUV-Segment zu erwarten ist. Obwohl: Ein richtiger Ami ist der Ford Edge gar nicht, denn er läuft im kanadischen Oaksville vom Band. Mit 4,81 Metern Länge erscheint er riesig, überragt die meisten in seinem Segment, steht eindrucksvoll und präsent auf der Straße. Die markante Front wird von einem sechseckigen chromumrandeten  Kühlergrill in Wabenoptik dominiert. Darunter sitzt, ebenfalls chromumrandet, ein großer Lufteinlass. Wuchtig auch das Heck, das dem Namen Edge alle Ehre macht. Denn es zeigt Ecken und Kanten, ist ziemlich zerklüftet. Weniger wäre hier sicher mehr. Auffällig hinten: Ein durchgängiges Reflektorband, das die Breite betont, ein Unterfahrschutz und trapezförmige Blenden für die Auspuff-Endrohre.

Der Innenraum ist eine Komfort-Insel. Alles wirkt sehr hochwertig und luxuriös, ist perfekt verarbeitet. Diese Vignale-Version des Edge bietet wahrhaftig alles, was gut, aber auch manchmal etwas teuer ist. Der dicke Ami erfreut uns mit bequemen Leder-Sitzen im Wabenmuster, todschick ist die lederbespannte Armaturentafel, umrahmt von feinen Nähten. Sportlich elegant finden wir eine Spange aus Carbon über dem Handschuhfach. Sehr praktisch ist ein geschlossenes Ablagefach auf der Armaturentafel, in das jedweder Krimskrams gepackt werden kann und so nicht im Fahrzeug unkontrolliert  rumfliegt.

 

Das Cockpit, an dem sich wohl jeder auf Anhieb zurecht findet, ist übersichtlich und modern, nahezu ohne Knöpfe, lediglich die Klimatisierung ist dort regulierbar und (gottseidank) auch die Lautstärke des Radios via Drehknopf. Der 8-Zoll-Touchscreen wirkt im Vergleich zu mancher Konkurrenz etwas klein, ist aber leicht und intuitiv bedienbar. Problemlos findet sich im Ford Edge auch die Generation Smartphone zurecht, denn mit dem Sync Infotainment ist das smarte Telefon über  Bluetooth mit Apple Car Play oder Android Auto blitzschnell ins Fahrzeug eingebunden.

Es fährt sich angenehm in dieser ruhig dahinrollenden Wohlfühl-Oase, die dank ihrer opulenten Außenmaße und dem langen Radstand von 2,85 Metern im Innenraum ein ungeheuer luftiges Fahrvergnügen bietet. Selbst in der zweiten Reihe sitzen die Passagiere fürstlich mit jeder Menge Kniefreiheit. Groß, wie der gesamte Innenraum ist auch das Gepäckabteil. Es schluckt 602 Liter, und werden die Rücksitzlehnen umgelegt, dann passen enorme 1847 Liter rein. Dass die Ladefläche nicht ganz eben ist, stört kaum – eher schon die etwas hohe Ladekante, die 78 Zentimeter über dem Asphalt liegt. Unter dem Kofferraumboden gibt es noch weiteren Stauraum, und ein Notrad findet ebenfalls dort Platz. Die elektrische Heckklappe lässt sich mit einem Kick unter den hinteren Stoßfänger öffnen.

Auffallend, dass kein Lärm auffällt. Der Edge besitzt nämlich, was in anderen Fahrzeugen kaum zu finden ist: eine aktive Geräuschkompensation (Active Noise Control). Was ist das?  Im Dachhimmel sind drei versteckte Mikrofone versteckt, und die zeichnen störende Geräuschfrequenzen im Innenraum auf und neutralisieren sie über das Audiosystem, indem sie gegenläufige Schallwellen erzeugen, die den Lärm komplett eliminieren. Selbst bei hohem Autobahntempo können sich Fahrer und Beifahrer nahezu flüsternd unterhalten – und verstehen. Genial!

Schauen wir dem Ford Edge unter die Haube, so macht sich Erstaunen breit. Denn dort werkelt ein simpler Vierzylinder-Diesel mit zwei Litern Hubraum – eigentlich zu klein für solch einen fetten SUV sollte man denken. Stimmt nicht ganz. Mit Hilfe eines Bi-Turbo aktiviert der Selbstzünder 210 PS und hält so den Edge trotz des hohen Gewichts von knapp zwei Tonnen recht gut bei Laune. Temperament ist zwar was anderes – aber: Der Edge sprintet auch mit dem Vierzylinder-Selbstzünder in 9,4 Sekunden auf Tempo 100 und schafft eine Spitze von 211 km/h. Beeindruckend ist die Kraft der 450 Newtonmeter, die bereits ab 2000 Touren zur Verfügung stehen. Nach einer kleinen Anfahrschwäche gibt’s Schub ohne Ende. Das Ford Powershift-Automatik mit sechs Gängen passt sehr gut zur relaxten Fahrweise, mit der wohl jeder am liebsten im Edge unterwegs ist. „American way of drive“ heißt das. Dass der theoretische Normverbrauch von 5,8 Litern trotz bedächtiger Fahrweise nicht erreicht wird, ist keine Überraschung. Trotzdem sind wir auch mit dem Testverbrauch relativ zufrieden: 8,4 Liter sind angesichts eines Autos, das wie ein Scheunentor im Wind steht, gar nicht übel.

An den Fahreigenschaften des Ford Edge gibt es nichts zu bemängeln. Dank seines intelligenten Allradantriebs, der die Kraft je nach Bedarf zwischen den einzelnen Achsen verteilt, ist der Edge-Fahrer immer auf der sicheren Seite. Sensoren messen in 16 Millisekunden (das ist zwanzig Mal schneller als ein Lidschlag dauert), wo Schlupf vorhanden ist und schickt die Antriebsmomente von hinten nach vorn oder umgekehrt – und das bis zu 100 Prozent. Traktion ist also kein Thema. Als Zugfahrzeug darf der Edge bis 2,2 Tonnen schwere gebremste Hänger (bei maximal acht Prozent Steigung) an den Haken nehmen – wenn’s ein bisschen mehr wäre, wär’s nicht schlecht. Die serienmäßige Adaptiv-Lenkung passt sich den Verkehrsverhältnissen an und sorgt für ein präzises und agiles Ansprechen auf Lenkbefehle. Die Bremsen packen ordentlich zu. Ein Wankstabilisator hat dem Edge das Wanken und Nicken abgewöhnt und Torque-Vectoring verbessert das Fahren und vor allem das Einlenken in Kurven. In normales Deutsch übersetzt heißt das: Dieses Riesenteil lässt sich erstaunlich handlich durch die Lande – und natürlich auch die Stadt – kutschieren.

Um dem Piloten im Edge die Arbeit zu erleichtern, werkeln im Hintergrund zahlreiche Heinzelmännchen. Zu den teils aufpreispflichtigen Fahrassistenten in unserem Vignale-Testwagen zählen der Tot-Winkel-Warner (460 Euro), der Spurhalteassistent, die Fußgängererkennung, der City-Notbremsassistent, die Berganfahrhilfe, die Split-View-Kamera (350 Euro), der Kollisionswarner, der adaptive Tempomat (500 Euro), Parkassistent (200 Euro), Diebstahl-Alarmanlage (450 Euro) und die Gurt-Airbags. Zur weiteren Ausstattung zählen, Spurassistent inkl. Müdigkeitswarner, Verkehrsschilderkennung, LED-Rückleuchten, adaptive LED-Scheinwerfer inkl. Fernlichtassistent, das Sony Navigationssystem inkl. Ford SYNC 3 mit 8“-Touchscreen und Navi sowie DAB/DAB+ und 12 Lautsprecher inklusive Subwoofer, 20-Zoll-Alufelgen, Ford Key Free-System, Lederlenkrad und Frontscheibe beheizbar, Sitzheizung, Metalliclackierung, Tempomat und noch vieles mehr.

Wirft man nun einen Blick auf den Preis, so verwundert es angesichts dieses dicken Pakets von Ausstattung nicht, dass sich der Testwagen-Preis des Ford Edge Vignale 2,0-I TDCI auf stolze 56 200 Euro hochschraubt. Im Vergleich zur Konkurrenz ist dieser Preis aber immer noch angemessen. Und wer das stattliche Dickschiff ohne großen Schnickschnack fahren möchte, der kann ja die Basisversion bestellen. Die gibt’s schon ab 41 900 Euro.

Technische Daten Ford Edge 2,0-I TDCI: L x B x H (in Meter): 4,81 x 1,93 x 1,71, Radstand 2,85 Meter. R4-Turbodiesel, 1.997 ccm, 154 kW (210 PS) bei 3.750 U/min, max. Drehmoment: 450 Nm bei 2.000 U/min. Höchstgeschwindigkeit: 211 km/h, Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 9,4 Sek. ECE-Norm-Durchschnittsverbrauch: 5,8 Liter. CO2-Emissionen: 152 g/km (Euro 6). Testverbrauch 8,4 Liter, Effizienzklasse: A. Leergewicht / Zuladung: 1.949 kg / 606 kg. Kofferraumvolumen: 602 – 1.847 Liter. Wendekreis: 11,9 Meter. Reifen: 255/45 R 20. Preis ab 41 900 Euro, Testwagenpreis 56 200 Euro.

Hinweis der Redaktion: Unser Testfahrzeug war ein Modell des Jahrgangs 2018. Seit einigen Monaten ist das Modell 2019 auf dem Markt. Zu den wichtigsten Neuerungen neben einem Facelift zählt hier ein neuer Diesel (238 PS) mit einer Achtgang-Wandler-Automatik. Innen gibt’s unter anderem eine neu gestaltete Mittelkonsole mit einem Wählrad für das Automatikgetriebe und eine Ablage, für kabelloses Laden von Smartphones. Auch in Sachen Assistenten und Sicherheit hat Ford einiges draufgepackt. Neu ist das „Post Collision Braking“, das nach einem Aufprall das unkontrolliert rollende Auto abbremst, und der „Evasive Steering Assist“, der bei Kollisionsgefahr Lenkunterstützung beim Ausweichen bietet. Neu auch die adaptive Geschwindigkeitskontrolle, die das Fahrzeug mittig auf der Fahrbahn hält und den Abstand zum vorausfahrenden Auto reguliert. Der Basispreis beträgt nun 42 900 Euro, die Topversion Vignale startet bei 53 900 Euro. (autour24)

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