Ford Ranger – rustikaler Pick-up auf Lifestyle-Kurs

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Von Klaus H. Frank

Aufmerksamkeit ist garantiert – auf dieses Auto schauen sie alle: Männlein wie Weiblein, Kids, Millenniums oder Generation Silberlocke. Die einen lächeln zustimmend freundlich, manch anderer zieht die Mundwinkel nach unten. Warum nur? Na ja, der Ford Ranger Wildtrak ist schließlich kein normales Auto. Es ist ein richtiger Hammer, ein Truck, passt nicht ins Schema des oft biederen deutschen Otto-Normal-Autofahrers. Amis sind da ganz anders. In etlichen US-Bundesstaaten gehört ein Pick-up schon fast „zum guten Ton“. Und hierzulande schütteln vor allem all jene den Kopf, die ein grünes Mäntelchen anhaben – Ressourcen-Verschwender und Umwelt-Verpester, so meinen sie. Was soll’s – wir finden ihn geil, den Ranger, wie er so da steht mit seiner martialischen Front mit viel schwarzem Kunststoff, einem Unterfahrschutz und der knalligen Farbe Orange-Metallic. Auffällig auch der große Überrollbügel direkt vor der Ladefläche.

Einsteigen? Einfach wie gewohnt mit den Allerwertesten hinein rutschen – das geht nicht. Ranger-Fahrer müssen schon ein bisschen klettern. Aber wie? Gar nicht so einfach: Linker Fuß auf das Abstellbrett, rechte Hand an den Haltegriff, und dann hinein schwingen mit dem Po voraus auf den Sitz, der quasi ein Hoch-Sitz ist. Wenn sich der Fahrer dann hoch gehievt hat, genießt er den Blick aufs Fahrgeschehen aus distanzierter Höhe – das finden nicht nur wir klasse.

Der Blick aufs Cockpit birgt keine Überraschung, es ist kaum anders als im normalen SUV oder PKW. Die Armaturentafel ist nett gemacht, wirkt hochwertig, ist leicht genarbt und mit orangefarbenen Ziernähten umkränzt. Nicht zu vermeiden bei einem Nutzfahrzeug – es ist auch viel Plastik zu finden, aber das stört nicht. Schließlich ist dies ein Pick-up und der wird ja in erster Linie wegen seiner Alltagstauglichkeit und Praktikabilität gekauft und nicht, um sich an schicken Interieur-Designs zu ergötzen – stimmt doch, oder?

Jedoch: Wer aktuelle Trends anschaut, der wird sehen, dass Pick-ups mehr und mehr als Lifestyle-Fahrzeuge erkannt werden – sogar in Deutschland. Optisch ist der Ranger Wildtrak auf jeden Fall ein Lifestyler. Doch nicht nur das: Denn diese rauen Gesellen fahren in jeder Hinsicht voll auf Höhe der Zeit, besitzen innovative Technik mit Assistenzsystemen, wie sie auch in Limousinen zu finden ist. Schließlich sind High-Tech-Systeme, wie eine adaptive Geschwindigkeitsregelanlage (976 Euro), nicht unbedingt in einem Pick-up zu erwarten.

Der von uns gefahrene Ranger ist eine sogenannte Doppelkabine. Das heißt: ordentlich Platz für vier bis fünf Passagiere mit relativ guter Kniefreiheit hinten. Es gibt sogar Isofix-Verankerungen. Die Sitze mit gutem Seitenhalt sind in einem orangenen Farbton gehalten und an der Rücklehne mit einem auffallendem „Wildtrak“-Schriftzug verziert. Auch hier und am Schaltknüppel und Handbremshebel finden wir schicke Ziernähte.

Da der Passagierraum zwei Sitzreihen beherbergt, ist die Ladefläche mit 1,62 Meter Länge und 1,56 Meter Breite etwas kürzer als beim Single-Cab. Die maximale Zuladung darauf beträgt beim Double-Cab 960 Kilogramm. Obwohl das Ladeabteil wohl eher für rustikale Anlässe (Gartenabfall wegbringen, Schrott zum Wertstoffhof fahren) gedacht ist (die Ladefläche ist mit festem Kunststoff ausgekleidet), kann dort auch sensibleres Ladegut befördert werden, das zum Beispiel gegen Regen oder Schnee geschützt werden muss. Hierfür gibt es ein abschließbares Laderaumrollo (1904 Euro), das alles im Heck quasi fest versiegelt. Das Rollo zu öffnen und zu schließen ist über ein Gurtband etwas fummelig. Zudem ist das Band beim Be- und Entladen ständig im Weg. Ziemlich schwer ist es, die Heckklappe zu öffnen und zu schließen, denn sie wiegt etliche Kilo – dafür braucht es schon ein paar Muckis.

Truckergefühl kommt nicht nur wegen der hohen Sitzposition auf, sondern auch durch die Geräuschkulisse nach dem Dreh am Zündschlüssel. Der 3,2 Liter Fünfzylinder-Diesel mit 200 PS rüttelt und schüttelt sich und fällt dann in die typische Selbstzünder-Tonart „rau aber herzlich“ – sicherlich nicht das typische Diesel-Nageln. Allerdings wird der Tonfall moderater, wenn das Triebwerk Betriebstemperatur erreicht hat. Und beim Cruisen auf der Autobahn fällt das Motorengeräusch des kräftigen Diesel (470 Newtonmeter ab 1500 Touren) überhaupt nicht mehr auf. Beim Verbrauch hält sich der Diesel angenehm zurück. Die 8,8 Liter aus dem Datenblatt erreicht er zwar nicht, aber mit einem Testverbrauch von 10,2 Litern darf man durchaus zufrieden sein.

Sehr überzeugend sind seine Fahrleistungen und sein Fahrkomfort. Der Sprint auf 100 ist mit 10,6 Sekunden für den Zweitonner sehr gut. Die Höchstgeschwindigkeit von 175 km/h mehr als ausreichend. Übrigens: Trotz dieser flotten Autobahngeschwindigkeit kommt im Ranger nie ein Gefühl der Unsicherheit auf, obwohl er nach wie vor mit rustikalen Blattfedern unterwegs ist. Dennoch ist er ein komfortabler Cruiser auf der Langestrecke, steht hinter seinen SUV-Brüdern kaum zurück.

Hervorragend sind seine Geländeeigenschaften. Bis zu einer Geschwindigkeit von 120 km/h kann die Vorderachse zugeschaltet werden, was ihn zu einem perfekten Kletterer in unwegsamem Gelände macht. Schaltet der Fahrer das Untersetzungsgetriebe dazu, dann ist dem Ranger mit 23 Zentimeter Bodenfreiheit wirklich kein Berg zu steil (Böschungswinkel vorne 28 Grad, hinten 25 Grad)  und keine Flussdurchfahrt zu tief (Wattiefe 80 Zentimeter).

Ist der Ranger allein mit seinem Heckantrieb auf Tour, sollte der Fahrer jedoch etwas Vorsicht walten lassen, denn wegen des relativ leichten Hecks schmiert er bei etwas zu viel Gaseinsatz gerne mal hinten weg – und das erneute Einfangen ist wegen seiner Sperrigkeit (Länge 5,35 Meter) gar nicht so einfach. Ganz generell wirken die Fahreigenschaften etwas schwammig, was wohl auch an den riesigen All-Terrain-Reifen (265/65 R 17) und dem dadurch nicht unbedingt präzisen Lenkgefühl liegen mag.

Die Ausstattung des Ranger Wildtrak ist klasse. Serienmäßig sind das Ford SYNC3 Infotainmentsystem mit 8″-Touchscreen und, Alu-Dekor-Dachreling, Rückfahrkamera, 18-Zöller, Teillederausstattung und vieles mehr. Optional ist unter anderem die Anhängervorrichtung (774 Euro), das Park-Pilot-System (357 Euro), das Off-Road, Paket (417 Euro) und die tolle Orange-Metallic-Lackierung (595 Euro). Außerdem gibt’s einen Spurhalteassistenten und eine Rückfahrkamera.

Obgleich der Basispreis des Ranger attraktive 28572 Euro beträgt, summiert sich der Preis für unser Testfahrzeug dann auf 51 416 Euro – das ist aber noch okay.

Dumm nur, dass man einen Pick-up im Alltag eigentlich kaum braucht. Die Entscheidung zwischen einem SUV und dem Pick-up würde mir leicht fallen. Wie gesagt: Aufmerksamkeit ist garantiert – und Fahrspaß auch.

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Technische Daten Ford Ranger 3,2 TDCi Doppelkabine: Länge x Breite x Höhe (in Meter): 5,35 x 2,16 x 1,85. 5-Zyl.-Diesel, Turbo, 3198 ccm, Leistung: 147 kW/200 PS bei 3000 U/min, Max. Drehmoment: 470 Nm bei 1500–2750 U/min. Sechsgang-Automatikgetriebe. Normverbrauch: 8,8 Liter. CO2-Emissionen: 231 g/km (Euro 6). Höchstgeschwindigkeit: 175 km/h. Leergewicht / Zuladung: 2081 – 2342 kg / max. 1000 kg, Länge der Ladefläche: 1549 cm. Anhängelast: 3500 kg. Wendekreis: 12,4 m (4×4), 11,8 m (4×2). Preis: ab 28 572 Euro. Testwagen-Preis: 51 416 Euro.

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