Kia e-Soul: Keine Sorge um die Reichweite – er schafft’s

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Von Klaus H. Frank

Also – wenn ich dem neuen Kia e-Soul so ins Gesicht schaue, dann fühl ich mich unwillkürlich an einen Breitmaulfrosch erinnert. Das ist keinesfalls despektierlich oder abwertend gemeint – aber diese Front schaut halt nun mal ganz anders aus, als wir es von Kia gewöhnt sind. Schmale Scheinwerfer sind mit einer Chromleiste verbunden und scheinen sich so quer über die gesamte Front zu ziehen – wie der Mund vom Breitmaulfrosch. Die typische Tigernase ist kaum noch erkennen, ist weit nach unten gerückt. Die Schnauze an sich ist herrlich knuffig und  knuddelig. Was hinter der A-Säule kommt, das allerdings kennen wir – es ist die quadratisch, kantig-praktische Form des Soul, der bei seinem ersten Erscheinen vor etwa zehn Jahren etliche Preise für sein extravagantes Design einheimste. Unter anderem den begehrten Red Dot Design Award.

Nun, dieser neue Soul ist ja auch ein ganz anderer als sein Ur-Ahn. Er lärmt nicht und stößt kein Treibhausgas aus – er fährt jetzt nur noch elektrisch.  Und das macht er, soweit ich dies als überzeugter Anhänger konventioneller Verbrennungs-Motoren beurteilen kann, richtig gut. Wie bei dieser Spezies Autos  üblich, beschleunigt er aus dem Stand heraus, wie es eben nur elektrisch angetriebene Autos können:  Mit richtig Schmackes, sodass es einen regelrecht in den Sitz presst – und gaaaanz kontinuierlich, ohne jegliche Unterbrechung bis zur Top-Speed.  In Zahlen heißt dies beim Kia e-Soul:  Der Sprint auf 100 dauert 7,9 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei  167 km/h. Diese Werte gelten nur für den e-Soul mit der starken Batterie. Denn es gibt auch eine abgespeckte Version. Hier leistet der Motor nur 100 kW/136 PS und die Batterie 39,2 kWh. Damit reduziert sich die Reichweite auf maximal 276 Kilometer und die Fahrwerte schrumpfen auch. Bei 155 km/h Spitze ist hier Schluss, der Sprint auf 100 dauert dann 9,9 Sekunden.

Sicherlich sind all dies keine ausgesprochen sportlichen Werte. Das ist ja schließlich nicht die Zielperspektive dieses Fahrzeugs. Wir fahren elektrisch, wollen die Umwelt schonen und dabei jedoch nicht außer Acht lassen, dass ein voll alltagstaugliches Auto gewünscht ist, das seinem Fahrer wegen des Elektroantriebs nicht ständig Fragezeichen auf die Stirn zaubert.  Denn die Fragen, mit denen sich jeder Elektroauto-Novize konfrontiert sieht, sind: Wie weit kann ich mit einer Batterie-Ladung fahren und wo lade ich auf, wenn der Saft zur Neige geht. Und wie lang dauert das?

Die erste Frage beantwortet der e-Soul ganz selbstbewusst mit dem Hinweis auf seine Reichweite von 452 Kilometern, gemessen nach WLTP – ein sehr befriedigender Wert. Das allerdings ist der Idealfall, abhängig von der Fahrweise und den Außentemperaturen. Es können auch weniger Kilometer werden, wenn der Fahrer mit einem Bleifuß unterwegs oder sich bei arktischen Temperaturen auf die Straße wagt. Aber es können auch mehr sein, wenn die Rekuperation des Fahrzeugs clever genutzt wird: Über die Wippen am Lenkrad kann die Intensität eingestellt werden, mit der das Fahrzeug beim Gaswegnehmen abbremst. Ist der stärkste Grad eingestellt, so kann der e-Soul quasi im One-Pedal-Modus gefahren werden. Was heißt, dass bei vorausschauender Fahrweise, das Bremspedal außer bei Notbremsungen, kaum gebraucht wird – es macht richtig Spaß, so zu fahren.

Auch die zweite Frage beantwortet der e-Soul selbst. Das neue Infotainment-System, das in Echtzeit arbeitet, zeigt auf dem 10,25-Zoll-Touchscreen an, wo sich die nächsten Ladestationen befinden. Es soll sogar anzeigen können, ob die frei oder besetzt sind. Auch Parkplätze inklusive Verfügbarkeit und Preis kann das neue Infotainment anzeigen. Klasse. Das sind echt tolle Gimmicks, die dem Auto-Fahrer das Leben erleichtern. Übrigens: Ich würde vor dem Start mit einem Elektroauto auch mal das Internet bemühen. Denn dort gibt es hilfreiche Tipps für das Auffinden von Ladestationen, zum Beispiel bei www.goingelectric.de.

Bei der dritten Frage treffen wir einen Punkt, bei dem sämtliche Elektrofahrzeuge nicht allzu toll glänzen – auch der Kia e-Soul nicht: das Laden. Mit einem Standard CCS-Stecker dauert das laut Kia an einer Wallbox (7,2 kW)  6 Stunden und 10 Minuten. Das ist voll in Ordnung, sofern man eine Garage mit einer Wallbox besitzt. Denn soll der e-Soul an einer normalen Haushaltssteckdose geladen werden, dann muss mit Ladezeiten von etwa 18 Stunden gerechnet werden – deutlich zu lang. Wenn die Batterie an einer 100-kW-Schnellladestation bis zu 80 Prozent geladen wird, vergehen 54 Minuten. Auch dies ist eigentlich zu lang für den hierfür gern erwähnten Kaffee-Stopp an einer Autobahnraststätte.

Dennoch darf dem Kia e-Soul bescheinigt werden, dass er voll alltagstauglich ist, sofern seine Leistungen nicht unbedingt auf der Autobahn ausgereizt werden. Im innerstädtischen Verkehr dürfte er dank  Rekuperation den angegebenen Aktionsradius sogar noch überschreiten – Reichweiten-Angst ist deshalb absolut unbegründet.  Wer‘s in Sachen Reichweite auf die Spitze treiben will, fährt im Eco-plus-Modus (es gibt auch Normal, Eco, und Sport), bei dem die maximale Geschwindigkeit auf 90 km/h begrenzt wird und die meisten elektrischen Verbraucher, wie die Klimaanlage, ausgeschaltet werden.

Die Alltagstauglichkeit des e-Soul bezieht sich aber nicht nur auf den Elektroantrieb – auch sonst ist der mittlerweile etwas von sanfteren Formen umschmeichelte kantig-kastige Wagen ein angenehmer Wegbegleiter in allen Lebenslagen. Seine Fahreigenschaften sind dank neuer Mehrlenker-Hinterachse ohne jeden Tadel. Und die Platzverhältnisse im Innenraum des 1,60 Meter hohen und 4,20 Meter langen e-Soul sind ganz ausgezeichnet. Der Kofferraum mit einem Volumen von 315 bis 1339 Litern liegt in etwa auf Golf-Niveau.

Bei den Assistenzsystemen fährt der e-Soul voll auf der Höhe der Zeit, ist in der Top-Version von Grund auf hervorragend ausgestattet (LED-Licht, Antikollisionssystem, Abstandstempomat, aktiver Spurhalteassistent, Ein-Zonen-Klimaautomatik, Radio mit 7,0-Zoll-Display, Smartphone-Anbindung) und erfreut so manchen auch mit spaßigen Details. Wie etwa die im Infotainment angesiedelten Sound-Moods, bei dem der e-Soul in eine kleine Disco verwandelt wird und sich die Ambiente-Beleuchtung an den Rhythmus der Musik anpasst. Wer’s braucht… All dies versteckt sich in einem durchaus vernünftigen Preis von 37 790 Euro. Die 136-PS-Version kostet 33 990 Euro. Übrigens: Die für Kia typische Garantie von sieben Jahren oder 150.000 Kilometer gilt auch für den e-Soul – und zwar gleichwohl für den Elektromotor wie auch den Akku.

Kleines Fazit: Wer abseits des Mainstreams fahren will, ist mit dem poppig-peppigen Kia e-Soul sehr gut beraten und zieht die Blicke auf sich, vor allem wegen des außergewöhnlichen Designs. Aber auch unsere grün bemäntelten Zeitgenossen schauen interessiert und nicken mit wohlwollender Genugtuung die umweltschonende Fahrweise des Kia e-Soul ab. (autour24)

Technische Daten Kia e-Soul 204 PS:  L x B x H (in Meter): 4,19 x 1,8 x 1,61. Radstand: 2,6 Meter. Elektro-Antrieb: Leistung: 204 PS (150 kW) bei 3800-8000 U/min, max. Drehmoment: 395 Nm bis 3600 U/min. Batteriekapazität: 64 kWh, Ladedauer bestenfalls  54 Minuten. Höchstgeschwindigkeit: 167 km/h, Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 7,9 Sek. WLTP-Durchschnittsverbrauch: 15,6 kWh, Effizienzklasse: A, CO2-Emissionen: 169 g/km, Abgasnorm: Euro 6d-Temp. Leergewicht / Zuladung: min. 1833 kg / max. 423 kg. Kofferraumvolumen: 315–1399 Liter. Wendekreis: 11,5 Meter. Garantie: 7 Jahre. Basispreis: 37 790 Euro.

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