Cupra Ateca – kann  Rennkurs, Gelände und Alltag

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Von Klaus H. Frank

Seat greift nach den Sternen – und die Konkurrenz bekommt vor Staunen den Mund nicht mehr zu. Monat für Monat meldet die spanische VW-Tochter neue Rekordergebnisse, macht vergessen, dass noch vor einigen Jahren der oberste VW-Lenker Ferdinand Piech die Marke wegen Erfolglosigkeit am liebsten eingestampft hätte. Aber sie haben sich erholt, die Spanier. Und wie. Alle neuen Modelle, besonders die SUV, laufen grandios. Und jetzt wagen sich die Spanier sogar daran, eine neue Untermarke zu etablieren, die vorwiegend eines im Sinn hat: sportliche Modelle zu entwickeln, deren Gene im Rennsport liegen.

Cupra (eine Abkürzung der Rennsportserie Cup Racing) heißt die neue Marke mit dem mystischen, kupferfarbenen Logo, in das so mancher einen Stierkopf hineininterpretiert. Die Cupra-Macher aber hatten bei dessen Kreation wohl eher  indianische Stammeszeichen im Hinterkopf, die vor allem die DNA der Marke zum Ausdruck bringen sollen, die da heisst:  „Leidenschaft, Präzision, Entschlossenheit und Mut“. Jüngstes Produkt des sportlichen Newcomers: der Cupra Ateca, ein SUV und Zwillingsbruder des Seat Ateca, aber mit deutlich mehr Schmackes unter Haube und optisch aufgemotzt.

Das macht neugierig: Und wo ist ein Fahrzeug mit Rennsport-Ambitionen besser zu testen als auf einem Rennkurs? Also ab nach Malle, wo es neben dem Ballermann mit seinen prolligen Sangria-Suffköpfen auch einen veritablen Rennkurs (Circuit de Mallorca) gibt – nicht gerade Formel-1 geeignet, aber immerhin. Ein SUV auf einem Rennkurs? Geht das? Und ob.

Da macht sich schon eine bisschen Erstaunen breit, wie sich der lediglich um 10 Millimeter tiefer gelegte (Bodenfreiheit 180 Millimeter) und immerhin knapp 1,6 Tonnen schwere SUV durch die Kurven prügeln lässt. Erstaunlich wenig Seitenneigung und Wankbewegungen erlaubt der Cupra Ateca, schiebt selbst bei Geschwindigkeitsüberschuss in Kurven nur leicht über die Vorderräder und ist stets gut kontrollierbar – auch dank der äußerst präzisen Lenkung. Das serienmäßige Allradsystem schickt Kraft dahin, wo sie gebraucht wird. Dass der Cupra abgeht wie Schmitz berühmte Katze, sollte nicht verwundern, toben sich unter der Haube doch 300 muntere Pferdchen aus und beschleunigen den SUV in gerade mal 5,2 Sekunden auf 100. Die Spitze ist mit 247 km/h angegeben – auszutesten war das auf dem Circuit de Mallorca nicht – die Geraden der Rennstrecke sind hierfür zu kurz geraten. Der Kraftstoffverbrauch liegt nach WLTP zwischen 8,5 und 8,9 Litern. Im „wirklichen Leben“ auf dem Rennkurs haben wir lieber nicht aufs Display gekuckt, denn da summieren sich die Werte für den Durst mindestens auf das Doppelte.

Obwohl das Siebengang-DSG gut mit dem Triebwerk harmoniert, ist die Gasannahme im Drehzahlkeller auch im dynamischen Cupra-Modus (hier ist Gas-Annahme spontaner, die Lenkung direkter und der Sound aggressiver) etwas holprig. Dies lässt schon ein Blick auf die Drehmomentkurve vermuten: Denn das maximale Drehmoment von 400 Newtonmetern liegt erst ab 2000 Touren an – da hakt es ein bisschen, will der ambitionierte Fahrer am Kurvenausgang mit dem bis aufs Bodenblech durchgedrückten Gaspedal zügig wieder auf Touren kommen. Macht nichts: Schließlich gibt’s ja Schaltwippen am Lenkrad, mit dem dieses Manko auszubügeln ist – also den Cupra immer gut auf Touren halten. Übrigens: Wer ein bisschen spielen möchte, kann die Launch-Control aktivieren und aus dem Stand heraus starten wie ein Formel-1-Bolide.

Und natürlich: Der Cupra Ateca ist ein SUV und kann auch Gelände. Wenngleich: Wer will mit dem schicken Racer schon über Stock und Stein donnern. Sein Können ist hier ohnehin nicht außergewöhnlich, sondern sehr solide  – aber jeder kommt hinauf auf die Berghütte, wo die Brotzeit schon wartet. Und praktisch ist die Bergabfahrhilfe, mit der wohl jeder Bergfreund nach einem Weißbier auch wieder sicher hinab ins Tal klettern kann, denn an kniffligen Stellen erledigt der Cupra Ateca alles ganz von selbst. Also  Füße vom Brems- und Gaspedal nehmen und nicht nur „dem lieben Gott“, sondern vor allem der Technik vertrauen.

Wie unterscheidet sich der Cupra Ateca optisch vom „normalen“ Ateca? Nicht gravierend, denn er steckt ja in der gleichen Karosserie. In der modifizierten Front, inmitten des Wabengrills, prangt das kupferfarbene Cupra-Logo und  darunter, oberhalb des Frontspoilers, ist in mattem Aluminium der geprägte Schriftzug CUPRA zu lesen. Markant ist das Heck, ebenfalls mit kupferfarbenem Logo und einer doppelflutigen Abgasanlage im Heckdiffusor. Die hinterlässt nicht nur visuell einen sportlichen Eindruck, sondern auch akustisch: Der satte, sonore Sound ist wie gemacht für Gänsehaut-Feeling.

Auch der Innenraum erfreut das Auge, wo es immer wieder mal auf das typische Cupra-Logo trifft. Hübsch anzusehen, mit gutem Seitenhalt und bequem, sind die grauen Alcantara Sitze. Carbonfaser-Optik und kupferfarbene Nähte am Lenkrad und Schalthebel setzen Akzente. Natürlich findet der Sportfahrer auch die typischen Alu-Pedale aus dem Rennsport.

Direkt im Blickfeld des Fahrers liegt das digitale Cockpit (Serie), das alle relevanten Informationen anzeigt und durch seine brillante Auflösung immer wieder begeistert. Im Zentrum des Cockpits ist ein Acht-Zoll-Touchscreen platziert, auf dem nicht nur Infos zur Navigation und zum Entertainment zu sehen sind, sondern auch Daten zur Performance, über die Öltemperatur und die G-Kräfte. Und die wirken ganz schön heftig im Cupra Ateca – in Kurven, beim Beschleunigen und beim Bremsen mit der giftig zubeißenden Bremsanlage von Brembo.

Das Tolle an diesem Cupra Ateca: Man kann mit ihm auf die Rennstrecke oder ins Gelände gehen (macht eh kaum jemand) und er ist voll alltagstauglich. Mit 4,36 Meter ist er auch Stadtfahrzeug, wird zum begehrten Objekt staunender Väter vor dem Kindergarten, denn er ist auch Familienfahrzeug. Der Kofferraum schluckt zwischen 485 und 1579 Liter. Und außerdem besitzt er all die tüchtigen Assistenz-Heinzelmännchen, die niemand mehr missen möchte. Serienmäßig ist zum Beispiel: das virtuelle Cockpit, Voll-LED-Scheinwerfer, Navigationssystem plus, 7-Gang-DSG, Rückfahrkamera, 360-Grad-Kamera mit Topview und Keyless-Go.

Und wer soll den Cupra Ateca kaufen? Deutschland-Chef Bernhard Bauer sieht großes Potenzial bei sportlichen Menschen, die nach einem SUV suchen, der zwar nicht mehr zum Massenmarkt zählt, aber auch noch nicht im Premiumsegment beheimatet ist. Und dazwischen ist ordentlich Platz für den Cupra Ateca, meint er, auch mit dem Preis von 42 850 Euro. Und auch Jugendliche hat Bauer im Visier, die ein anderes Auto als die Eltern fahren möchten. Mag schon sein. Aber kann sich das ein Jugendlicher leisten? (autour24/khf)

Daten Cupra Ateca 2,0 TSI 4Drive 7-Gang-DSG: L x B x H in Metern: 4,38 x 1,84 x 1,63, Radstand: 2,63. Motor: Vierzylinder-Ottomotor, 1984 ccm, Turbo Direkteinspritzung, Leistung: 300 PS bei 5300 – 6500 U/min. Max. Drehmoment: 400 Nm bei 2000 – 5200 U/min. Höchstgeschwindigkeit: 247 km/h, Beschleunigung 100 km/h: 5,2 Sek. WLTP-Durchschnittsverbrauch: 8,5-8,9 Liter. Effizienzklasse: D. CO2-Emissionen WLTP: 192-201 g/km (Euro 6d-Temp). Leergewicht / Zuladung: min. 1615 kg / max. 610 kg. Kofferraumvolumen: 485 bis 1579 Liter. Max. Anhängelast (gebremst bei 12% Steigung): 2100 kg. Wendekreis: 10,8 m. Basispreis: 42 850 Euro.

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