Lkw von Mercedes Benz stehen für 100 Jahre Nutzfahrzeuggeschichte

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Daimler Trucks als größter Lkw-Hersteller der Welt stellte heuer zum Thema „100 Jahre Güter(fern)verkehr“ auf der Oldtimermesse Retro Classics 2019 in Stuttgart zwölf Mercedes-Benz Lkw aus und zeigte so deren spannende Entwicklung vom offenen 1,5-Tonner bis zum modernen Sattelzugmaschinen.

Die Vorläufer der erst 1926 gegründeten Daimler-Benz AG bauten bereits Nutzfahrzeuge: Die Daimler-Motoren-Gesellschaft DMG lieferte schon am 1. Oktober 1896 den ersten Lastkraftwagen der Welt aus Cannstadt nach Großbritannien und die Mannheimer Benz & Cie führte ab 1909 nach der Übernahme der Süddeutschen Automobilfabrik deren Lastwagenbau in Gaggenau fort. Eine breitere, zivile Verwendung von Lastkraftwagen und erste Ansätze für Güter(fern)verkehr gab es aber erst nach dem I. Weltkrieg.
Der 1,0- bis 1,5-Tonner Benz Typ 1C (mit 35 PS starkem 4,7 Liter Motor) wurde ab 1919 gebaut, dann zum Typ 1CN weiter­entwickelt und bis zum Jahr 1926 gefertigt. Dessen Kraftfahrer waren Wind und Wetter ausgesetzt, saßen noch auf der rechten Fahrzeugseite  und machten ihrem Namen alle Ehre: Ohne jegliche Servo-Unterstützung mussten Lenkrad und Bremsen bedient werden.
Der Mercedes-Benz Lo 2000 war 1932 nach der zur Fusion von Daimler und Benz die erste Neukonstruktion, bot bereits ein geschlossenes Holz-Fahrerhaus und hatte bei 4,8 Tonnen Gesamtgewicht immerhin zwei Tonnen Nutzlast. Mit dem neuen Dieselmotor OM 59, einem Vierzylinder mit 3,7 Liter Hubraum und 40 kW/55 PS Leistung, brachte der Lo 2000 zum Höhepunkt der Wirtschaftskrise auch den Durchbruch für Selbstzünder im Lkw-Bereich.

Ab 1934 fertigte Daimler-Benz einige geländegängige Versuchsfahrzeuge und 1938 folgte dann der Dreitonner L 3000 als Straßenfahrzeug mit moderner Stahlkabine. Mit 4,8-Liter-Dieselmotor und 55 kW/75 PS wurde er dann ab 1939 zum „mittleren Einheits-LKW“ und bis 1944 mit Standard-Antrieb über die Hinterachse oder als Allradler produziert. Der Typ L 4500 lebte nach Kriegsende mit seinem einfachen Fahrerhaus aus Holz bis zum Jahr 1949 wieder auf.

Das Rückgrat des Wirtschaftswunders wurde in den fünfziger Jahren der Typ L 311. In Mannheim entstanden bis 1961 fast 146.000 Einheiten dieser robusten und für viele Einsatzzwecke genutzten Lastwagen. Das rundliche, mit Holzrahmen versehene Ganzmetall-Fahrerhaus und der neue Reihen-Sechszylinder-Dieselmotor OM 312 mit 66 kW/90 PS bis 74 kW/100 PS wurden schließlich sogar in Brasilien und als Lizenznachbau in Indien gefertigt.

Fahrkomfort fast wie im Pkw bot mit dreisitziger Bank und serienmäßiger Heizung in den 50er Jahren der L 3250. Ebenfalls mit dem OM 312 war auch der davon abgeleitete Omnibus O 3250 motorisiert. Ab 1955 folgten dann bei der Bezeichnung an Stelle der plakativen Hinweise auf die Nutzlast (zuerst interne) Produktionschiffren und so der neue Name L 311.

Ab 1958 zeichnete sich der dreiachsige LP 333, auch Tausendfüßler genannt, durch ein Maximum an Nutzlast aus. Gleichzeitig verhalf er dem Frontlenker­prinzip zum Durchbruch. Das Ein- und Aussteigen war aber wegen nur einer, in luftiger Höhe vor der Vorderachse postierter Steighilfe nicht einfach. Mit 7,5 Tonnen Nutzlast wurde der 159 kW/200 PS starke OM 326 mit Vierventil-Technik („mehr als sechs PS pro Tonne“ waren inzwischen gefordert) dagegen leicht fertig.

Das Ende der langen Motorhauben leitete 1959 der runde Kurzhauber L 322 ein, der vier Jahre später in L 1113 umbenannt wurde – weil nun die ersten beiden Ziffern für das Gesamtgewicht in Tonnen und die hinteren beiden Stellen die Motorleistung in „Zehn-PS“ angaben. Das typische Verteilerfahrzeug für Baustoffe und Konsumartikel gab es aber auch als Kipper und  mit Allradantrieb. Bis 1984 wurde der oft auch als Basis für Feuerwehr- und Behörden-Fahrzeuge dienende Lkw äußerlich nur  geringfügig überarbeitet, die Motorleistung mit dem Direkteinspritzer OM 352 aber auf 93 kW/126 PS angehoben.

Der LP 1519 mit seiner modernen kubischen Form war ab 1963 einer der ersten Lkw aus dem nagelneuen Werk Wörth und technologisch ein gewaltiger Fortschritt: Erstmals kam eine Zweileitungs-EG-Bremsanlage – die erst 1972 für alle Lkw gesetzlich vorgeschrieben wurde – statt der früheren Einleitungsbremse zum Einsatz. Die vielen Wartungsklappen am (später auch kippbaren) Fahrerhaus brachten dem LP 1519 den Spitznamen „Adventskalender“ ein.

Von 1973 bis 1988 gab es die Baureihe NG (Neue Generation) und der folgte dann für fünf Jahre die Baureihe SK (Schwere Klasse). Authentisches Zeugnis dieser Zeit ist die Fernsehserie „Auf Achse“, in der neben Manfred Krug ein blau-weißer Mercedes-Benz NG-Truck die Hauptrolle auf abenteuerlichen Fahrten im Nahen Osten und Nordafrika spielte.

Die Ära der vier Mercedes-Benz Actros-Generationen begann schließlich auf der IAA 1996. Das neue Actros Sondermodell Edition 1 schreibt die nun stetige Entwicklung der Nutzfahrzeugtechnik durch zahlreiche technologische Neuerungen wie die MirrorCam, Active Drive Assist, Active Brake Assist 5 und Multimedia Cockpit fort. (Text und Fotos: Karl Seiler)

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