DS 3 Crossback: Pingpong in den Tiefen des Armaturenbretts

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„Hochwertige Raffinesse“, dieser Begriff taucht bei der Präsentation des DS 3 Crossback in Monte Carlo öfters auf. Aber das passt. Treffender lässt sich ganz knapp nicht zusammenfassen, was den jungen Franzosen ausmacht. Irgendwie ist es auch das Credo der Marke, die 2015 vom PSA-Konzern als eigenständige Premium-Modellreihe oberhalb von Citroen und Peugeot gegründet wurde. DS richtet sich ganz bewusst nicht an Kunden, die gern zur Massenware greifen, sondern mehr an Käufer, die einen gewissen Luxusanspruch haben, den sie nicht an der Fahrzeuggröße festmachen.

Nun geht der DS 3 sozusagen in die zweite Runde und ergänzt dabei die sportliche dreitürige Limousine (die in Sondereditionen weiterleben soll) als kompaktes SUV. Zu seinen Konkurrenten zählen der Mini Countryman und der Audi Q2. Im Gegensatz zum niedrigeren und kürzeren Bruder ist der Crossback beim Fahrverhalten mehr auf Komfort getrimmt. Die zahlreichen kurvigen Bergstraßen bei Monaco liefern schnell den Beweis dafür. Der Crossback nimmt Holperschwellen ziemlich gelassen, wehrt sich jedoch in flott gefahrenen Serpentinen, willig dem Lenkeinschlag zu folgen. Da muss der Fahrer beim Lenkradkurbeln häufig noch etwas nachlegen, um die ausgeprägte Untersteuerungstendenz auszugleichen.

Dagegen weiß der Antrieb zu gefallen: Der 155-PS-Dreizylinder-Benziner, mit dem wir überwiegend unterwegs waren, knurrt tatendurstig und lässt sich beim Beschleunigen nicht lumpen. Selbst die schwächere Variante mit 130 PS fühlt sich nicht untermotorisiert an. Einen dicken Anteil am positiven Gesamteindruck kann dabei das 8-Gang-Automatikgetriebe für sich generieren. Der Wandlerautomat schaltet nicht hölzern, sondern diskret und unterbindet souverän die Heularien, die wir aus Autos dieser Kategorie kennen, die mit stufenlosem CVT-Getriebe offeriert werden.

Seine Schokoladenseite zeigt der DS Crossback mit seinen Innenmaterialien und deren Verarbeitung. Immer wieder zitieren seine Erbauer die traditionelle Handwerkskunst in der Lederverarbeitung, die hier mit modernen Technologien angereichert wurde. Man staunt über die Strukturen der Sitz- und Lehnenflächen und die geschmackvollen Lederfarben – zum Beispiel dunkelrot. Hier trumpft sie auf, die hochwertige Raffinesse!

Auch beim Design haben sich Gestalter des Wagens einiges einfallen lassen. Neben der typischen Haifischflosse an der B-Säule, die allen modernen DS eigen ist, gibt es viele Details zu entdecken. Der Drang nach Raffinesse macht auch vor dem Innenraum nicht Halt. Die Mittelkonsole mit dem außergewöhnlichen Rautenmuster könnte man getrost als Blickfang über das heimische Wohnzimmersofa hängen. Aber warum wurde den Ergonomie-Experten der Einspruch verwehrt, als die Entscheidung fiel, dieses Teil in ein Auto einzubauen? Zu groß ist die Verwechslungsgefahr bei den darauf verstreuten Schaltern.

Besonders kurios wird es im unteren Teil der Konsole, wo – in nahezu identischem Design und in einer Reihe platziert – die Schalter für die Fensterheber und die elektrische Handbremse gemeinsam eingepflanzt sind. Bei den Testfahrten passierte es nicht nur einmal, dass der vermeintliche Befehl zum Schließen der vorderen linken Seitenscheibe eine ungewollte Vollbremsung auslöste. Zum nervenden Suchspiel geriet es auch jedes Mal, die Schalter für einige Fahrerassistenz-Funktionen im dunklen unteren Knieraum zu finden.

Auch hier beweist der DS, dass er sich nicht unbedingt an den technisch orientierten Kunden wendet, der für flugzeugähnliche, funktionale Cockpits im Auto schwärmt. Insofern überrascht es dann schon positiv, dass auch ein Head-up-Display zu haben ist. Hochwertige Raffinesse lässt sich eben sehr weiträumig definieren. Es ist einfach die Andersartigkeit, die an diesem SUV fasziniert. Dazu gehören auch die bündig eingesetzten äußeren Türklinken, die beim Annähern des Schlüsseleigners höflich nach außen klappen und zum Einsteigen einladen.

Zur Markteinführung im Mai 2019 geht der DS 3 Crossback mit drei Benzinmotoren (Basis 100 PS) und einem Diesel an den Start. Die Preisliste beginnt derzeit bei 23.400 (Chic) und endet bei 39.090 Euro (La Première). Ende 2019 kommt dann noch eine rein elektrische fahrende Version als E-Tense (mit absolut identischer Karosserie) hinzu, bei der trotz dicker Batterien keine Abstriche an den Innenraummaßen hingenommen werden müssen, und die eine große Reichweite verspricht. Wer einen DS haben will, muss sich umschauen, wo sich einer der 20 DS-Händler versteckt.

Und was steckt hinter dem in der Überschrift genannten Pingpong-Effekt im Armaturenbrett? Ganz einfach: Beim Betätigen des Blinkers entsteht ein Geräusch wie bei einem Tischtennis-Spiel. An dieser Stelle wird die Raffinesse auch akustisch erlebbar. (Klaus Brieter, mid)

Technische Daten DS 3 Crossback Puretech 130 Automatik Performance Line: Fünftüriges SUV der Kompaktklasse, Länge/Breite/Höhe/Radstand in Millimetern: 4.118/1.791 (ohne Außenspiegel)/1.534/2.558, Leergewicht: 1.205 kg, Zuladung: 405 kg, Tankinhalt: 44 l, Kofferraumvolumen: 350 – 1.050 l, Anhängelast ungebremst/gebremst: 640/1.700 kg, Preis: ab 30.290 Euro. Motor: 3-Zylinder-Turbobenziner mit Direkteinspritzung, Hubraum 1.199 Kubik, Leistung: 96 kW/130 PS bei 5.500 U/min, max. Drehmoment: 230 Nm bei 1.750 U/min, 0-100 km/h: 9,2 s, Höchstgeschwindigkeit: 200 km/h, 8-Gang-Automatik, Frontantrieb, Durchschnittsverbrauch: 5,0 l Super/100km, CO2-Ausstoß: 115 g/km.

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