Messen – Pflichtveranstaltung oder Geldverschwendung

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Ein Kommentar von Walther Wuttke

Automobilmessen, die Älteren können sich noch gut erinnern, waren einmal für die Branche die gefeierten Höhepunkte des Jahres. Die Spannung stieg jedes Mal, weil die automobilen Neuheiten unter absolute Geheimhaltung fielen und erst auf den Ständen der Hersteller dem staunenden Publikum mit großem Tamtam präsentiert wurden. Allenfalls bedeutende Fachblätter oder Magazine erhielten vorab Informationen, die aber erst pünktlich zu Beginn der Veranstaltung veröffentlicht wurden. Jedes neue Modell eine Sensation, manche auch ein Flop, und das Publikum genoss es in Massen.

Das hat sich inzwischen grundlegend geändert. Heute muss die Frage erlaubt sein, warum sich die Industrie den Aufwand einer Messe so viele Millionen kosten lässt. Denn die wirklich wegweisenden Innovationen werden von den Herstellern längst nicht mehr auf den Automobilmessen gezeigt. Andere Veranstaltungen haben den Messen den Rang abgelaufen, lassen die sogar angestaubt aussehen.

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Was die Zukunft der Mobilität prägt, wird seit einigen Jahren in Las Vegas auf der Consumer Electronic Show (CES) oder in Barcelona beim Mobil World Congress präsentiert. Da geht es um neue Technologien. Für die klassischen Messen bleibt dann nur noch die auf Hochglanz polierte Hardware übrig, und auch die ist den interessierten Zeitgenossen lange vor den ersten Pressetagen bekannt. So wird man auch auf dem Genfer Automobilsalon Antworten auf die wirklich wichtigen Fragen der Mobilität vergeblich suchen.

Die Presseabteilungen der Hersteller lassen die Neuheiten in den Wochen zuvor durch die Weltpresse fahren, sodass die vermeintlichen Neuheiten der interessierten Öffentlichkeit bereits bekannt sind, bevor die ersten sogenannten Pressekonferenzen, bei denen Fragen gar nicht vorgesehen sind, auf den Ständen stattfinden.

Inzwischen haben offensichtlich viele Hersteller den Sinn der Automobilsalons hinterfragt und bleiben den Veranstaltungen fern. Denn mittels der modernen Medienwerkzeuge ist es ein leichtes, ein Millionenpublikum zu erreichen – ganz ohne aufwendige Stände und Unterhaltungsprogramme während der Messetage. So sichert man sich einen exklusiven Auftritt.

Die Unternehmen, die dennoch an diesen Veranstaltungen festhalten und dafür zweistellige Millionensummen in die Hand nehmen, leiden allerdings nicht etwa unter einer akuten Neigung zur Geldverschwendung – sie folgen einer einfachen Rechnung. Denn während früher über die neuen Modelle mangels zusätzlicher Gelegenheit eben nur einmal berichtet wurde, erzielen sie heute eine Vervielfältigung der Berichterstattung. Das Marketing freut das; denn das neue Blech steht so gleich mehrfach im Mittelpunkt der Berichterstattung. Und die Messe bildet so nur noch den End- und Höhepunkt einer sich länger hinziehenden Kampagne. Denn für die meisten Medien sind Messen noch immer Pflichttermine mit umfangreicher Würdigung der versammelten Neuheiten – gut zu erkennen in diesen Tagen auch an unserem Medium.

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Wie lange klassische Automobilmessen noch in die Zeit passen, müssen die Hersteller selbst beantworten. Sie müssen auch Wege finden, dem Publikum die wirklich zukunftweisenden Entwicklungen nahezubringen. Die Faszination, die einmal von diesen Ereignissen ausging, verblasst. Es wird Zeit für neue Konzepte, auch um dem Publikum die Zukunft der Mobilität nahezubringen. Das wartet angesichts seiner Verunsicherung in Zeiten von Fahrverboten darauf, endlich zu erfahren, wie man sich in den kommenden Jahren fortbewegen wird. Die Automobilmessen könnten eine passende Bühne dafür sein. (ampnet/ww)

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