Heißer Spanier auf verschneiten Gebirgs-Pfaden – der Seat Tarraco

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Von Klaus H. Frank

Unter der grellen Sonne Spaniens haben wir ihn schon gefahren, den Tarraco, Seats großen SUV. Jetzt wagen wir uns mit ihm hinauf auf alpine Höhen in Südtirol, um zu testen, wie sich der heißblütige Tarraco auf eisigen Pfaden schlägt. Hoch droben über der Stadt Bozen auf dem Rittner Horn in mehr als 2200 Metern Höhe, dort oben, wo die Luft schon dünner wird und das Atmen langsam etwas schwerer fällt, zieht der Tarraco seine Spuren im Schnee – unbeirrt und souverän, geleitet von innovativen Assistenten und einem perfekten Allradsystem. Der Blick ist gigantisch, schweift hinüber zu den Geisler Spitzen, wo Reinhold Messner seine ersten Erfahrungen als Bergsteiger sammelte. Schon im zarten Alter von fünf Jahren hat der kleine Reinhold gemeinsam mit seinem Vater dort seinen ersten Berg bezwungen: Die Forchetta, den große Zacken in den Geislerspitzen – 3025 Meter hoch.

Bergsteiger-Qualitäten hat auch der Tarraco. Garant dafür ist sein ausgeklügeltes Allradsystem 4Drive, das Seat als eines der sichersten, effizientesten und fortschrittlichsten On-Demand-Allradantriebe der Welt bezeichnet. Das System sitzt auf der Hinterachse am Ende der Antriebswelle kurz vor dem hinteren Differenzial. So ist die Gewichtsverteilung optimal und das System reagiert schneller, weil die Kardanwelle immer mit dem Motor verbunden ist.

Der Tarraco fährt bei normalen Straßenverhältnissen wie ein Fronttriebler. Wenn der Untergrund jedoch problematischer (Eis, Schnee, Schotter) wird und die Traktion der Vorderräder schwindet, wird auch Kraft in Sekundenbruchteilen an die hinteren Räder geleitet. Ist das intelligente 4Drive-System aktiviert, verteilt das System das Antriebsmoment gleichmäßig 50 : 50 auf Vorder- und Hinterachse. Falls notwendig, kann die gesamte Antriebskraft innerhalb von Millisekunden komplett zur Hinterachse geschickt werden. Auch kann der 4Drive Allradantrieb das Drehmoment variabel auf die Räder links oder rechts verteilen – wirklich intelligent also. 4Drive analysiert in Echtzeit Bodenbeschaffenheit, Beladung des Fahrzeugs, Geschwindigkeit, Lenkradposition und Fahrstil, um blitzschnell und stufenlos die optimale Antriebskraft auf die einzelnen Räder zu übertragen. So stehen Traktion, Kontrolle und Reaktionsfähigkeit jederzeit zur Verfügung.

All dies klingt nach Theorie, funktioniert aber auch in der Praxis ganz hervorragend. Da oben auf dem Rittner Horn pflügen wir im „Snow-Modus“ durch den Schnee, als wär’s ganz selbstverständlich. Der Tarraco fährt wie auf Schienen, absolut spurtreu, bricht nicht aus, weil das Allradsystem die Kraft perfekt verteilt und das ESP wachsam im Hintergrund lauert, falls es doch mal einen Ausrutscher geben sollte. Besonders beeindruckt hat uns der Bergabfahr-Modus. Auf einer brettharten steilen Schneepiste, auf der wohl jeder zu Fuß hoffnungslos verloren wäre und nur auf dem Hosenboden zu Tal rutschen könnte, zuckelt der Tarraco den Hang hinab, ohne dass der Fahrer (außer zu lenken) eingreifen muss. Dabei behält er die gefahrene Geschwindigkeit konstant bei. Also Fuß vom Gas, der große Spanier erledigt den Abstieg ganz allein. Übrigens: Über einen Drehknopf sind noch weitere hilfreiche Off-Road-Programme einstellbar.

Der Tarraco ist aber nicht allein wegen seiner Fahreigenschaften beeindruckend, auch die schiere Größe des Spaniers ringt uns Respekt ab, ganz abgesehen von seinem tollen Design – doch dazu  gleich mehr. Er ist ein richtig großes SUV mit einer Länge von 4,74 Metern und einem Kofferraumvolumen von 760 bis maximal 1920 Litern. Und er ist ein Freund der Familie, denn er ist auch als Siebensitzer lieferbar. Allerdings ist zu bedenken: Die dritte Sitzreihe eignet sich kaum für Erwachsene, sondern eigentlich nur für Kinder. Wird die Komplett-Bestuhlung nicht benötigt, lassen sich die zwei Sitze in dritter Reihe mit wenigen Handgriffen im Fahrzeugboden versenken. Ganz vorne und auch in der zweiten Reihe sind die Platzverhältnisse sehr gut, wenngleich dem Tarraco ein Detail des Bruders Skoda Kodiaq auch gut zu Gesucht stünde: eine um 18 Zentimeter verschiebbare Rückbank.

Auch wenn es bei Skoda und Volkwagen nicht gern gehört wird, der Tarraco macht deutlich mehr her, als seine nahezu baugleichen Brüder Tiguan Allspace und Kodiaq. Er ist eleganter und sportlicher zugleich, trägt mehr Sieger-Gene in sich. Der steil stehende neue sechseckige Grill mit breitem Chromrand ist markant und dominant. Die Motorhaube ist richtig lang, was die Sportlichkeit betont. Seat-typisch sind scharf geschnittene Kanten und eine klare Schnörkellosigkeit. Die Front-Leuchten sind ausschließlich in LED-Ausführung. Am Heck unterstreicht ein Reflektorband zwischen den beiden LED-Rückleuchten die Breite und in der Seitenansicht machen sich die fetten 20-Zöller (optional) auf schicken Felgen besonders gut.

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Verarbeitung und Qualität der Materialien sind sehr gut – obwohl hier und da doch etwas Hartplastik zu finden ist. Ein Blick auf die Armaturentafel stimmt uns sehr zufrieden. Toll finden wir das zentrale Touchscreen-Display (acht Zoll und mit Gestensteuerung) in der Form eines iPads, das im Wesentlichen das Infotainment (inklusive Alexa und Shazam) abdeckt. Immer wieder begeisternd ist das direkt im Blickfeld des Fahrers liegende virtuelle Cockpit mit seinen Informationen über Navigation und der gestochen scharfen Dartellung der Landkarten.  Geschwindigkeit und Drehzahlen werden dort auf simulierten Analog-Instrumenten digital dargestellt.

Der Tarraco ist perfekt vernetzt, fährt permanent online, beherrscht Android-Auto und Apple Carplay. Zur kaum überschaubaren Armada von Seat-Assistenzsystemen sind im Tarraco zwei neue hinzugekommen: Der Pre-Crash-Assistent und die Überschlagerkennung.

Der Seat Tarraco fährt mit vorerst zwei Benzinern und zwei Diesel-Aggregaten in eine aussichtsreiche Zukunft. Ein 1,5-Liter-Benziner leistet 150 PS, der Zwei-Liter besitzt 190 PS, verfügt über 4Drive und DSG. Den Sprint auf 100 km/h erledigt das große Triebwerk in acht Sekunden, das kleinere braucht 9,7 Sekunden. Der Verbrauch des kleinen Motors liegt nach WLTP zwischen 7,3 und 8 Litern, die Höchstgeschwindigkeit bei 201 km/h. Die beiden Zweiliter-Diesel leisten 150 PS und 190 PS. Wobei der starke Diesel (400 Nm, 211 km/h, WLTP-Verbrauch zwischen 7,0 und 7,6 Liter) serienmäßig mit Allrad und Siebengang-DSG unterwegs ist, für den Kleineren kostet dies Aufpreis. Für 2020 kündigt Seat einen Plug-in-Hybrid (210 PS, 400 Nm) an und verspricht rein elektrisch eine Reichweite von 50 Kilometern.

Zum Basispreis von 29 980 Euro (150-PS-Benziner mit Frontantrieb) steht der Seat Tarraco ab sofort beim Händler. Der gleichstarke Diesel startet bei 33 750 Euro. (autour24/khf)

Technische Daten Seat Tarraco 2.0 TDI 4Drive: Länge 4,74 Meter, Breite 1,84 Meter, Höhe 1,66 Meter. Radstand 2,79 Meter. Motor: Turbodiesel mit 1968 ccm, Direkteinspritzung. Leistung: 140 kW / 190 PS bei 3500 U/min,Max. Drehmoment: 400 Nm bei 1750–3250 U/min. Höchstgeschwindigkeit: 210 km/h, Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 8,0 Sek. WLTP-Durchschnittsverbrauch: 5,6 Liter, Effizienzklasse: B, CO2-Emissionen: 147 g/km (Euro 6d-Temp). Leergewicht / Zuladung: min. 1816 kg / max. 594 kg. Kofferraumvolumen: 760–1920 Liter. Max. Anhängelast: 2300 kg. Wendekreis: 11,9 Meter. Basispreis des 2.0 TDI 4Drive: 41 950 Euro

 

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