Audi TT RS – kurvengeiler Super-Sportler

 

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Von Klaus H. Frank

Als der Audi TT im Jahr 1998 auf den Markt kam, jubelten Design-Ästheten vor Verzückung. So etwas hatte die Welt noch nicht gesehen. Eine Karosserie, so glatt gelutscht wie ein Karamell-Bonbon.  Keine Ecken, keine Kanten, nur sanfte, pralle Rundungen. Auch heute noch begeistert das Design des TT von damals – doch im Lauf der Jahre hat Audi  nachgeschärft. Heute sehen wir Kanten, exakt und scharf wie Bügelfalten:  Der TT, hat eine Metamorphose durchlebt – von der Design-Ikone zum reinrassigen Sportwagen. Ein atemberaubendes Auto, im wahrsten Sinne des Wortes – gestern wie heute.

Speerspitze des Audi TT-Programms ist der TT RS, ein Sportler, der sich von den Leistungen her gesehen, durchaus  mit einem Porsche 718 Cayman GTS messen,  ja ihm sogar davon fahren kann. Und auch die legendäre deutsche Sportwagen-Ikone, den 911er Porsche, braucht ein Audi TT RS nicht zu fürchten, sondern ist ihm in etlichen Disziplinen sogar ebenbürtig. Einzig in der Höchstgeschwindigkeit hat der Ingolstädter das Nachsehen gegenüber dem Zuffenhausener – aber der hat ja schließlich mindestens 50 PS mehr im Heck sitzen.

Das Herz des Audi TT RS ist ein Klassiker im Motorenbau, der schon in den 80ern im Motorsport Geschichte schrieb: Es ist ein Fünfzylinder. Bis dato ist er mehrfach überarbeitet worden und präsentiert sich nun in jüngster Generation mit einem kombinierten Einspritzsystem aus Direkt- und Saugrohreinspritzung und vor allem als Leichtgewicht, das im Vergleich zum Vorgänger 26 Kilogramm abgespeckt hat. Der Grund: Alubauweise des Kurbelgehäuses und hohl gebohrte, leichte Kolben. Der Fünfzylinder-Turbo mit 2480 Kubikzentimeter leistet heute 400 PS – das ist eine Literleistung von 161,3 PS. Das maximale Drehmoment von 480 Nm liegt bereits bei 1700 Touren an und bleibt bis 5.850 Umdrehungen konstant auf diesem Niveau. So beschleunigt das Audi TT RS Coupé (genau wie der 911er) aus dem Stand in 3,7 Sekunden auf 100 km/h. Die Höchstgeschwindigkeit liegt (abgeregelt) bei 250 km/h. Auf Wunsch macht Audi den TT RS gern auch auf und damit 280 km/h schnell (Aufpreis 1500 Euro).

Nackte Zahlen sind all dies, die nicht im Leisesten das Gefühl beschreiben können, dass dem Piloten beim Beschleunigen des TT RS einen Adrenalin-Schub nach dem anderen durchs Blut jagt. Emotionen, die gefühlt den Rücken hoch- und wieder runter krabbeln, Gänsehaut, Wollust, Euphorie. Wann immer der TT RS über die siebenstufige S-tronic die nächste Stufe „zündet“, spürt der Fahrer ein ums andere Mal „einen regelrechten Tritt ins Kreuz“. Mit ungeheurer Schubkraft wird er nach vorne gepusht, fühlt kaum eine Kraftunterbrechung vom Start bis zum Erreichen der Höchstgeschwindigkeit. Und wer es auf die Spitze treiben will, der kann – a la Formel 1 – mit der Launch Control starten. Wie das geht?  Mit der Drive-Select-Taste den Dynamic-Modus einschalten, Schalthebel auf Sport, ESC ausschalten, linker Fuß voll auf die Bremse, mit rechtem Fuß Vollgas geben. Dann die Bremse lupfen – und ab geht die Post, als gäb’s kein morgen. Ob die Lauch Control bei den Beschleunigungswerten tatsächlich sehr viel bringt? Die einen sagen so, die anderen so. Auf jeden Fall ist es eine Mords-Gaudi, mit der der Audi-Pilot seinen Freunden imponieren kann.

Was einen Fünfzylinder auch außergewöhnlich macht, ist der Sound. Mal röhrt er, mal trompetet er hell oder posaunt dunkel, mal spotzt er, mal rotzt er – er beherrscht die Klaviatur des automobilen Sounds in Perfektion. Sensationell. Wer bei dem irren Sound des Fünfzylinders (nicht vergessen die Klappen im Abgas-Trakt zu öffnen) keine Gänsehaut bekommt, der ist in solch einem Auto fehl am Platz. Sorry, solche Zeitgenossen sollten lieber Elektroauto fahren.

Was eigentlich macht diesen Sound eines Fünfzylinders so unnachahmlich? Um zu verstehen und obwohl dies sehr technisch klingt, zitieren wir Audi: „Aufgrund der Zündfolge 1-2-4-5-3 zünden abwechselnd direkt benachbarte Zylinder und weit voneinander entfernte. Das bringt einen ganz speziellen Rhythmus und Charakter mit sich. Die ungerade Zylinderzahl führt zu Oberwellen-Frequenzen, die den Grundton begleiten. Auch das Motorsteuergerät trägt zum unverwechselbaren Sound bei. Unter höherer Last öffnen die Klappen im Abgasstrang für einen noch volleren Klang.“  Verstanden?

Die Optik: Allein schon der Blick ins Gesicht des Supersportlers begeistert. Sechseckgrill mit Wabenmuster, riesige Lufteintrittsöffnungen, Spoiler und LED-Scheinwerfer prägen die Front. Auf dem Heck thront ein frei schwebender Spoiler, ein schwarzer Diffusor und zwei große Auspuff-Endrohre sitzen darunter. Die Silhouette erinnert immer noch stark an den Ur-TT – jedoch, wie gesagt, heute mit einem deutlich geschärften Design.

Auch der Innenraum ist Sportwagen pur. Die runden Luftausströmer sind vom Ur-TT übernommen und sehen heute aus wie Flugzeugturbinen. Ledersitze mit Wabenmuster, verziert mit feinen roten Nähten, geben besten Seitenhalt beim Slalom durch kurvige Landsträßchen. Ein kleines, unten abgeflachtes Lenkrad, ebenfalls geschmückt mit feinen Ziernähten, erlaubt perfekten Kontakt zur Straße und liegt dank Alcantara fest in den Händen, sollen sie doch mal etwas schwitzig werden – kann ja passieren in so einem heißen Fahrzeug. Unterhalb der beiden Lenkradspeichen sitzen rechts und links zwei unübersehbare rund Knöpfe. Links ein Schwarzer mit der Aufschrift „drive select“, mit dem die Einstellungen für Motor, Schaltcharakteristik und Stoßdämpfer vorgewählt werden können. Natürlich passt der „Dynamic“-Modus am besten zum TT RS, denn hier werden die Stoßdämpfer straff gestellt, der Motor nimmt spontaner Gas an und das S-tronic-Getriebe verlegt seine Schaltpunkte in die oberen Drehzahlregionen. Der rechte Knopf ist knallrot und dient zum Starten und Stoppen. Zentral hinter dem Lenkrad liegt das virtuelle Cockpit, das vor allem durch seine gestochen scharfe Darstellung des Navigationssystems überzeugt.

Die Fahreigenschaften des Audi TT RS sind wie von einem anderen Stern. Dieses Auto ist nur mit bösem Willen und unter Außerachtlassung jeglicher physikalischer Grenzen von der Straße zu bekommen. Dank des Quattro-Antriebs, der die Antriebkräfte frei zwischen den Achsen verteilt, der Progressivlenkung und des kurzen Radstands lässt sich der TT RS so agil durch die Kurven peitschen, wie es von einem Supersportler zu erwarten ist – der TT RS ist regelrecht geil auf Kurven. Die Bremsanlage des TT RS, die schwarz lackiert hinter den Felgen hervorlugt,  packt kräftig zu. Kein Wunder, denn die innenbelüfteten, gelochten Stahlscheiben an der Vorderachse haben 370 Millimeter Durchmesser.

Wer den Audi TT RS „seiner Bestimmung gemäß“ bewegt, der darf nicht erwarten, Preise für effizientes Fahren zu gewinnen. Je nach Fahrweise können da schon mal 15 Liter durch die Düsen gepustet werden. Unser Testverbrauch liegt schließlich bei 10,3 Litern. Den Normverbrauch gibt Audi mit 8,4 Litern an. Kein billiges Vergnügen also den Audi TT RS zu fahren, was den echten TT RS-Fan sicherlich nur unwesentlich stört, muss er doch beim Kauf (abhängig von Sonderausstattung) ordentlich tief in die Tasche greifen. Der Basispreis liegt bei 67 700 Euro. Unser Testwagen kostet 85 885 Euro. (autour24)

Technische Daten Audi TT RS: Motor: Hubraum 2480 Kubik, 294 kW (400 PS) bei 1950 – 7000 U/min. Max. Drehmoment: 480 Nm/1950 -5850 U/min. Permanenter Allradantrieb (quattro). 7-Gang S-tronic (Doppelkupplung). Vorne McPherson-Federbeinachse, hinten Vierlenker-Hinterachse. Zweikreisbremsanlage mit diagonaler Aufteilung, ESC, ABS, EBV, hydraulischer Bremsassistent; Vorn: Faustsattel mit integrierter elektronischer Parkbremse; Hinten: Aluminium-Festsattel. Elektromechanische Progressivlenkung mit geschwindigkeitsabhängiger Servounterstützung / Lenkübersetzung; Wendekreis ca. 11 Meter. Leergewicht 1515 kg, zul. Gesamtgewicht 1875 kg. Gepäckraumvolumen 305 Liter, Tankinhalt, ca. 55 Liter. Höchstgeschwindigkeit 250 km/h bzw: 280 km/h. Beschleunigung 0-100 km/h 3,7 Sekunden. Kraftstoffart SuperPlus. Verbrauchs- und Emissionswerte nach NEFZ: innerorts 10.5 Liter, außerorts 6.4 Liter, kombiniert 7.9  Liter. Testverbrauch 10,3 Liter. CO2-Emissionen kombiniert: 181 g/km. Emissionsklasse: Euro 6d-Temp-Evap, Effizienzklasse E. Basispreis: 67 700 Euro.

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