Erinnerungen: Das Golf Cabriolet mit Spitznamen „Erdbeerkörbchen“

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Unter dem Motto „Tradition verbindet“ stand heuer der schon traditionelle, gemeinsame Auftritt von Volkswagen Nutzfahrzeuge Oldtimer, Volkswagen Classic Parts, Audi Tradition und dem 1. Käferclub Wolfsburg auf der Bremen Classic Motorshow in Halle 5. Unter vier Bullis von Volkswagen war als Higlight ein T3 „B32“ mit 911-Motor von Porsche, Volkswagen Classic präsentierte den Golf I Cabriolet Prototyp neben einem Serien-Golf I Cabriolet der ersten Generation und der 1. Käfer Club Wolfsburg überholte auf dem Stand binnen der drei Messetage einen historischen „Jubi-Käfer“.

Weil Kombiwagen einer der diesjährigen Ausstellungs-Schwerpunkte waren, erinnerte Volkswagen daran, dass die Marke schon 1950 den ersten „Kombi“ auf den Markt brachte. Diese Mischung aus dem VW-Bus mit Fenstern im Fond und dem geschlossenen Transporter war für Gütertransport und Personen­beförderung gleich gut geeignet – einer für beide Welten. Höhepunkt dieser Entwicklung war dann der T1 als Sambabus. Der Welterfolg des Transporters basierte aber auch auf individuellsten Varianten: Für das Wohl der Gäste auf dem VW-Messestand sorgten eine 67er T1 Pritsche als Kaffee- Stand und ein 63er „BECK’s“-Bulli mit Zapfanlage. Letzter war zwar kein offizieller Wagen der Bremer Brauerei, wurde aber von einem Enthusiasten im Stil der weltbekannten Biermarke aufgebaut.

Bulli plus 911 – Ikone traf Ikone

Im Rampenlicht des Gemeinschaftsstandes stand zu Recht der „B32“: Vom Blechkleid her ein T3 Kombi, vom Typ her ein Caravelle in der edlen Ausstattung Carat – und im Fahrzeugschein steht „Porsche“ als Hersteller, denn der Stuttgarter Sportwagenhersteller legte ihn in den 80er Jahren als Kleinserie auf. Mit dem 160 kW/231 PS starken Sechszylinder des 911 Carrera im Heck war der gern als Rallye-Begleitfahrzeug eingesetzte VW-Porsche-Bus offiziell 185 km/h schnell und der stärkste Power-Würfel seiner Zeit. Die Bezeichnung B32 stand einfach für Bulli und 3,2 Liter Hubraum.  In Bremen konnten sich die Besucher sich zumindest optisch ein Bild von diesem Exoten mit seinem (unter einer gläsernen Abdeckung) gut 15 Zentimeter in den Gepäckraum ragenden Triebwerk machen und mussten einfach glauben: Wer je damit fahren und den Sound des Boxers im Heck hören durfte, hat dieses Erlebnis nie wieder vergessen.

Bügelfreies „Erdbeerkörbchen“

Eine einzigartige Cabrio-Kostbarkeit brachte Volkswagen Classic mit dem Prototyp des Golf Cabriolet nach Bremen. Karmann präsentierte schon 1976, unmittelbar nachdem der Golf den Käfer ablöste, dem Volkswagen Vorstand eine eigenständig entwickelte Cabriolet-Variante – noch ohne integrierten Mittelbügel und mit einem flach faltenden, einfachen Verdeck. Der Vorschlag wurde in Wolfsburg sehr aufmerksam begutachtet. Prof. Dr. Ulrich Seiffert, der damalige Leiter der Volkswagen Fahrzeugsicherheit, hatte jedoch mit Blick auf zu erwartende US-Sicherheitsauflagen einen wichtigen Einwand und verfügte für das damals schon exportorientierte Unternehmen: „Nicht ohne Bügel!“

Karmann reagierte prompt und konstruierte einen im Falle eines Überschlags die Insassen schützenden Bügel. Der bildete gleichzeitig die Auflage für das, ähnlich wie beim Käfer Cabrio mehrlagige und absolut wintertaugliche Verdeck. Zusätzlich wurde dadurch die Scheibenführung verbessert – die hinteren Seitenscheiben ließen sich aber auch nicht mehr vollständig versenken und das abgeklappte Dach trug auf dem Heck relativ dick auf, weil (zumindest offiziell) immer eine gepolsterte Abdeckung darüber gezogen werden musste. So kam das Golf Cabriolet zu Spitznamen wie „Henkelmann“ oder „Erdbeerkörbchen“. So feiert das 84er Golf I Cabriolet in seltenem Capriblau und bereits mit Kunststoff-Stoßfängern statt der schönen Chrom-Stoßstangen 2019 das runde Jubiläum „40 Jahre offener Golf Fahrspaß“ auch mit dem der Zeit geschuldeten „Rucksack“.

Zweite Chance für Jubiläums-Käfer und T3

Der Tacho ist mit 1.100 Kilometer noch nahezu im jungfräulichen Zustand, aber der „Jubi-Käfer“ aus dem Jahr 1986 hat trotz langer Standzeit schon einiges erlebt: In Dänemark sollte er ausgeliefert werden, doch ein Hagelsturm setzte ihm mächtig zu und das zum 50. Geburtstag des VW Käfers gebaute Sondermodell wurde zum Rückläufer. Dann blieb es aus unerklärlichen Gründen von der Verschrottung verschont und schlummerte zwar nicht in einer Scheune, aber in einer Lagerhalle des Wolfsburger VW-Werkes. Nach der Bergung im vergangenen Jahr bekommt nun der Jubi-Käfer eine zweite Chance. Fünf erfahrene Schrauber vom 1. Käferclub Wolfsburg machen sich ab Messebeginn in Halle 5 in einer professionell ausgestatteten Werkstatt ans Werk. Sie zerlegten den knapp 33 Jahre alten, beschädigten Wagen am ersten Messefreitag zuerst in seine Einzelteile und bauten ihn dann bis Sonntagabend mit originalen Teilen neu auf. Die Oldtimer-Experten von Volkswagen Classic Parts unterstützten das Projekt mit zahlreichen Neuteilen. Ziel ist es laut Björn Schewe vom Käferclub, dass der Jubiläums-Käfer nach der Messe im VW-Museum ein schönes Plätzchen findet.

Seit 1950 sind VW-Transporter als Kombi oder mit Camping-Ausstattung beliebte Ausflugsgefährte, um mit Kind und Kegel die nähere Umgebung oder die weite Welt zu erkunden. Für die frühen Versionen T1 und T2 müssen Liebhaber aber heute tief in die Tasche greifen. Die dritte Generation hingegen, die in diesem Jahr ihren 40. Geburtstag feiert, ist noch erschwinglich – beim Autokauf gilt aber „Augen auf“! Versteckten Rost und korrosionsanfällige Teile erläuterte deshalb auf der Bremen Classics Motorshow der T3-Spezialist Dirk Klöß mehrmals täglich in kurzen Vorträgen unter dem Titel „Markante Stellen des T3“. Die Problemstellen demonstrierte er zudem anhand eines T3 Joker. Wer Lust bekam, sich einen T3 zuzulegen, konnte sich gleich gegenüber und im Parkhaus bei den Privat-Verkäufern umschauen – überall standen geeignete Modelle und darunter war sogar ein schwimmfähiger Bus. Text und Fotos: Karl Seiler

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