Lexus ES 300h: Neuer Anlauf in der oberen Mittelklasse

Stellen Sie sich vor, es ist Generationswechsel und kaum jemand merkt es. So war das bisher beim Lexus ES. Sechs Generationen dieses Modells fanden seit 1986 einfach nicht den Weg nach Europa. Mit dem Lexus ES, dem Siebten, soll sich das schlagartig ändern. Denn ab Mitte Januar 2019 geht die Luxus-Marke von Toyota mit seinem Vertreter der oberen Mittelklasse auch hierzulande auf Kundenfang. Und trifft dabei auf beinharte Gegenspieler, die das Segment dominieren, wie Audi A6, BMW 5er und Mercedes E-Klasse. Genau diese Konstellation macht den Antritt des Japaners so spannend.

Damit ist klar: Wenn Lexus mit dem ES 300h in dieser Liga ebenfalls mitspielen will, muss im Füllhorn ordentlich was drin sein. Auf den ersten Blick hat Lexus alle Register gezogen, um das Ziel zu erreichen. Beim Design setzen die Japaner auf das sportlich anmutende Erscheinungsbild einer eleganten viertürigen Coupé-Limousine mit im Heck sanft auslaufender Dachlinie. Über Platzmangel müssen weder die Vornsitzenden, noch die Passagiere im Fond klagen. Besonders die großzügige Beinfreiheit in der zweiten Reihe überrascht positiv. Die Lehnen der Hinterbänkler lassen sich zudem in einem Winkel bis zu acht Grad in der Neigung verstellen.

Auch die Anmutung des Innenraums rangiert auf Oberklasse-Niveau: Materialien und Verarbeitung wirken edel. Wohin man schaut: Wohlfühlatmosphäre. Natürlich geht die Noblesse so richtig erst mit der Executive-Ausstattung los, zu der wohl rund 30 Prozent der Kunden greifen werden. Darüber verzweigt sich das Ausstattungsangebot zu den Top-Linien Luxury und F-Sport, die beim Kundeninteresse mit 23 und 15 Prozent prognostiziert werden.

Für Flottenkunden bietet Lexus noch die Varianten Business Edition und Taxi (je 15 Prozent) an, sodass für die Grundversion nur noch ein zweiprozentiger Kundenanteil übrig bleiben wird. Besonders stolz sind die Entwickler auf die umfangreichen und ausgeklügelten Maßnahmen, mit denen das Innengeräuschniveau drastisch gesenkt wurde. Wind- und Antriebsgeräusche sind beim gleichmäßigen Gleiten über die Straßen tatsächlich kaum zu hören.

Je nach Ausstattungsumfang kann sich der Fahrer über jede Menge Assistenzsysteme und ein gut gemachtes Head-up-Display freuen, das die wichtigsten Infos wie Geschwindigkeit, Tempolimits und Wegleitung durch das Navigationssystem als Anzeige in der Windschutzscheibe bereithält. In Zeiten des Cockpitminimalismus überrascht der Lexus noch mit einer stattlichen Zahl von Knöpfen und Schaltern im Armaturenbrett und am Lenkrad. Nicht alle offerierten Funktionen lassen sich intuitiv bedienen – Neueinsteigern sei ein gründliches Studium der Bedienanleitung empfohlen.

Damit sind wir beim Antrieb. Die Zusatzbezeichnung „H“ weist den ES als Hybrid-Fahrzeug aus. Für Lexus keine Ausnahmesituation. Klar ist, dass die neueste Generation dieses Antriebs zum Einsatz kommt: mit kompakterer Batterie, die das Kofferraumvolumen nicht anzapft und leichteren Bauteilen, die die Effizienz steigern sollen. Der 2,5-Liter-Benziner kommt zusammen mit einem Elektromotor auf eine Systemleistung von 218 PS. Die Verkäufer werden mit der Zunge schnalzen, wenn sie Kaufinteressenten die Verbrauchswerte präsentieren, die mit 4,4 Liter Benzin je 100 Kilometer angegeben sind.

Zu dumm, dass sich Lexus auch sportlich orientierte Fahrer wendet – nicht zuletzt mit der F-Sport-Ausstattung. Das allein macht aus dem Hybriden jedoch keinen Sprinter. Auch das Umschalten des Fahrmodusreglers von „Normal“ auf „Sport“ ist keine Offenbarung: Die Tacho-/Drehzahl-Kombianzeige wechselt zwar auf die Farbe rot, als hätte jemand eine unanständige Bemerkung gemacht, aber sonst tut sich wenig.

Der sensible Fahrer wird die geänderten Schaltpunkte bei höheren Drehzahlen bemerken und (im F-Sport) auch ein etwas härteres Fahrwerk, aber das war es. Hinzu kommt: Beim spontanen Tritt aufs Gaspedal macht der Motor mit seinem angestrengten blechernen Brüllen schlagartig alle Akustikmaßnahmen zunichte – ohne allerdings den Vortrieb entsprechend anzugleichen. Überholmanöver mit dem ES auf der Landstraße wollen daher von langer Hand strategisch vorbereitet sein. Keine „Boost-Funktion“, die im ES 300h die spontanen Leistungsabfragen freudig bejaht. In dieser Disziplin verpasst der Lexus den Anschluss in der oberen Mittelklasse, noch bevor er dort als Business Limousine losgefahren ist.

Das muss aber kein K.o.-Kriterium sein. Denn alle potenziellen Kunden, die in erster Linie daran interessiert sind, einfach im Verkehr mitzuschwimmen und dabei in einem gut gestylten Auto mit hohem Status-Auftritt komfortabel sowie sparsam unterwegs zu sein, werden im ES 300h bei Preisen von 48.200 bis 63.950 Euro durchaus eine automobile Heimat finden. (Klaus Brieter, mid)

Technische Daten Lexus 300 ES 300h, Luxury Line: Viertürige Coupé-Limousine der oberen Mittelklasse, Länge/Breite/Höhe/Radstand in Millimetern: 4.975/1.865 (ohne Außenspiegel)/1.445/2.870, Leergewicht: 1.680-1.740 kg, Zuladung: 410-470 kg, Tankinhalt: 50 l, Kofferraumvolumen: 454 Liter. Motor: 4-Zylinder-Sauger-Benziner, Hubraum: 2.487 ccm, Leistung: 130 kW/178 PS bei 5.700 U/min, max. Drehmoment: 221 Nm bei 3.600-5.200 U/min, E-Motor mit 88kW/120 PS und 202 Nm Drehmoment, Systemleistung: 160 kW/218 PS, Beschleunigung: 0-100 km/h in 8,9 s, Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h, elektronisch gesteuertes stufenlos variables Getriebe, Frontantrieb, Durchschnittsverbrauch: 4,4 – 4,6 Liter Benzin je 100 Kilometer, CO2-Ausstoß: 100 – 106 g/km (jeweils NEFZ-Werte), Preis: 63.950 Euro.

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