Kastenwagen sind die beliebtesten Reisemobile

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Kaum ein Konsumgut hat jemals eine derartige Nachfrage-Steigerung erlebt: Zum achten Mal in Folge erreichte der Absatz von Reisemobilen in Deutschland Rekordniveau. 2018 stiegen die Neuzulassungen der Rolling-Homes bei uns auf 46 859 Fahrzeuge, das entspricht einem Zuwachs um 15,5 Prozent im Vergleich zum ohnehin starken Vorjahr. Seit 2008 hat sich die Zahl der Neuzulassungen von Reisemobile mehr als verdoppelt. Auch der Wohnwagen erfreut sich wieder zunehmender Beliebtheit. 24 327 Caravans kamen 2018 neu auf die Straßen und Campingplätze, das sind 7,2 Prozent mehr als im Vorjahr.

„Mit dem neuen Rekord bei den Neuzulassungen von Freizeitfahrzeugen haben wir unsere optimistischen Prognosen für 2018 übertroffen“, sagt Daniel Onggowinarso, Geschäftsführer des Caravaning Industrie Verband (CIVD). „Caravaning verbindet selbstbestimmtes Reisen mit vielfältigen Möglichkeiten der individuellen Freizeitgestaltung. Das Reisen mit Caravan oder Reisemobil ist daher für immer mehr Deutsche eine sehr attraktive Form des Urlaubs. Wir rechnen daher auch für 2019 mit einer erneuten Steigerung der Nachfrage“, zeigt sich Onggowinarso weiterhin optimistisch.

Verschoben haben sich die Anteile der verschiedenen Aufbauarten bei den Reisemobilen. Nur mit rund sieben Prozent sind aktuell die einst so beliebten Alkovenmobile vertreten, die vollintegrierte Aufbauform, die auch als Liner bezeichnet wird, macht gut 16 Prozent aus. Das Volumen stellen ausgebaute Kastenwagen, die gerne Camping-Bus, Camping-Van oder jüngst auch CUV, Camping Utility Vehicle genannt werden. Sie halten einen Anteil von über 40 Prozent, gefolgt von den Reisemobilen in teilintegrierter Form, bei denen das Original-Fahrerhaus des Basisfahrzeugs erhalten bleibt und der Wohnaufbau dahinter auf dem Chassis montiert wird. Sie haben einen Marktanteil von rund 33 Prozent.

In der Statistik nicht erfasst werden die zahlreichen kleineren Campingfahrzeuge, die wie der Bestseller California von Volkswagen Nutzfahrzeuge (VWN) teils gar nicht als Reisemobil zugelassen werden. Der kräftige Absatz des California auf Basis des hannoverschen Transporters T6 von mehr als 18 000 Fahrzeugen dürfte bei genauerer Betrachtung des Anteils der Kastenwagen nochmals erheblich steigern. Steigen dürfte auch der Durchschnittspreis der Reisemobile. Hierfür wird unter anderem der neue Mercedes Sprinter sorgen, der bei vielen Herstellern jetzt im Programm zu finden ist und sich bei den Kunden großer Beliebtheit erfreut. Er ist komfortabler, moderner und vor allem mit höherer Konnektivität ausgestattet als der Marktführer Fiat Ducato, der zwar deutlich günstiger aber allmählich in die Jahre gekommen ist.

Wirtschaftlich gesehen ist die deutsche Caravaningbranche ein gewichtiges Pfund. Sie erzielte 2018 den Rekord-Umsatz von 11,2 Milliarden Euro und damit das beste Ergebnis ihrer Geschichte. Der Umsatz lag um 9,1 Prozent über dem des Jahres 2017. Den größten Anteil daran hat mit 6,5 Milliarden Euro der Verkauf von Neuwagen. Hier war eine Steigerung um 10,3 Prozent zu Verzeichnen. Der Reisemobil-Umsatz legte sogar um 11,0 Prozent auf 5,5 Milliarden Euro zu.

Für das neue Jahr erwartet der CIVD eine weitere Steigerung. Der Caravan-Absatz in Deutschland wird mit 25 500 Einheiten prognostiziert, fünf Prozent mehr als 2018. Bei den Reisemobilen rechnen die Hersteller mit einer wiederum zweistelligen Zuwachsrate, der Absatz in Deutschland dürfte demnach zum ersten Mal die Grenze von 50 000 Neufahrzeugen überschreiten und 51 400 Neuzulassungen erreichen. Das sind zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Deutschland ist der stärkste EU-Markt für Freizeitfahrzeuge, was sowohl für Reisemobile als auch für Caravans gilt. Großbritannien folgt bei Caravans vorerst noch mit rund 5000 Einheiten weniger auf Platz zwei, den dritten Rang belegt mit deutlichem Abstand Frankreich. Die Platzierungen sind beim Reisemobil vertauscht, hier liegt Frankreich auf der zweiten und Großbritannien auf der dritten Position.

Das Kaufverhalten der Kunden ist trotz des vielfältigen Angebots eher konservativ geprägt. Holzdekoren aus Kunststoff als Möbelfronten wird meist der Vorzug gegenüber reinweißen oder farbig angelegten Kunststoffflächen gegeben. Echtholz-Möbel sind aufgrund zu hoher Gewichte meist nur in der Luxusklasse zu finden, die bis zu 7,5 Tonnen und mehr wiegen.

CIVD-Geschäftsführer Onggowinarso sieht die vielschichtigen Ausstattungsstile und die damit verbundene Flexibilität der Branche eher als treibende Kraft für weitere Erfolge der Branche: „Die Wünsche und Vorlieben der Caravaning-Käufer sind so vielschichtig wie die Kunden selbst. Ein Teil setzt auf bewährte, vorkonfigurierte Ausstattungsoptionen. Ein anderer Teil konfiguriert sein ganz persönliches Einzelstück und Traummobil. Die Branche hat sich darauf ideal eingestellt, bietet zahlreiche Möglichkeiten der Individualisierung und gewinnt sicherlich auch deshalb seit Jahren neue Kunden hinzu.“ (ampnet/mk)

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