Honda Civic Diesel: sportlich – und dennoch umweltschonend

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Von Klaus H. Frank

Honda, der größte Motorenhersteller der Welt, kann nicht nur Benziner – Honda kann auch Diesel. Erfreulich, dass sich Honda nicht vom allgemeinen Diesel-Bashing irritieren lässt und am Selbstzünder festhält. Das Alu-Triebwerk wurde jetzt für den neuesten Civic (10. Generation) weiter entwickelt und hält brav die strenge Abgas-Norm von 6d-Temp  ein. Ob dieser Selbstzünder auf dem Niveau der alteingesessenen Hersteller Europas liegt, haben wir uns im Civic 1.6 i-DTEC einmal angesehen.

Mögen die 120 PS im Civic auf den ersten Blick auch nicht sehr überzeugend erscheinen – in der Praxis hält der Diesel den Japaner, der mittlerweile 24 Millionen Mal verkauft wurde, gut auf Trab. Das liegt weniger an den Pferdestärken, die, wie wir es bei Honda-Otto-Motoren gewohnt sind, erst bei hoher Drehzahl (hier bei 4000) so richtig losgaloppieren. Der Grund legt in der guten und geschmeidigen Kraftentfaltung des Selbstzünders fast über das gesamte Drehzahlband hinweg. Das maximale Drehmoment von 300 Nm liegt bei 2.000 Touren an – ausreichend Kraft, die wohl die meisten Zeitgenossen zufrieden stellen soltte. Wer seinen Civic jedoch in gewohnter Diesel-Manier nur kurz über der Leerlaufdrehzahl bewegt, der wird etwas enttäuscht sein. Denn unter 2000 Touren tut sich da recht wenig, da fühlt sich der Civic ziemlich schlapp an. Also beherzt runterschalten und ordentlich Gas geben  – dann wacht der Diesel-Civic auf und zieht in sportlicher Manier los. Übrigens: Die Schaltung, mit der die sechs Gänge sortiert werden,  ist richtig knackig und lässt sich über den hoch liegenden Schalthebel perfekt bedienen.

Den Sprint auf 100 schafft der Civic in 9,8 Sekunden, die Spitze liegt bei 201 km/h. Das ist recht ordentlich für den knapp 1,4 Tonnen schweren Testwagen. Was mehr begeistert, als die nackten Leistungsdaten und sein sportlicher Anspruch, ist sein Verbrauch. Auf dem Papier liest er sich schier unglaublich: Nur 3,5 Liter verspricht Honda nach Norm – phänomenal. Die Realität sieht zwar etwas anders aus, ist aber auch noch sehr gut. Wer’s nicht übertreibt, sollte mit etwa 4,5 Liter auskommen. Bei uns summierte sich der Testverbrach auf 5,3 Liter – das ist verständlich, da wir sehr viele lange Autobahnstrecken in recht zügigem Tempo zurücklegten.

Erstaunlich und erfreulich, das der Diesel im Civic, obwohl nach 6d-Temp zertifiziert, nur mit einem NOX-Speicherkat und ohne den Harnstoffzusatz AdBlue auskommt. Das lästige Additiv-Nachfüllen entfällt deshalb für den Civic-Fahrer. Begeistert waren wir von der hohen Laufkultur – sehr geräuscharm, kaum Vibrationen.

Ein Triebwerk also, das hervorragend zum Gesamtkonzept des kompakten Sportlers passt. Sehr präsent steht der Civic auf der Straße, kurze Überhänge demonstrieren Dynamik, Grill und schmale Scheinwerfer betonen die Breite. Außergewöhnlich ist die Heckgestaltung mit einem Spoiler, der durch den unteren Teil der Heckscheibe verläuft, was jedoch die Sicht nach hinten kaum einschränkt.

Der Honda Civic in zehnter Generation ist den Maßen eines Kompaktfahrzeugs nahezu entwachsen. In der Länge streckt er sich auf 4,52 Meter – ein VW Golf ist 26 Zentimeter kürzer. Die Höhe haben die Honda-Designer um zwei Zentimeter abgesenkt und durch tiefer eingebaute Sitze den Schwerpunkt um 3,4 Zentimeter nach unten gedrückt. Das macht sich richtig gut für Freunde sportlicher Fahrweise. Dank seiner beachtlichen Außenmaße und des langen Radstands von 2,70 Metern, herrschen im Innenraum üppige Platzverhältnisse. Der Kofferraum schluckt 478 Liter und lässt sich bis auf 1287 Liter erweitern.

Bei den Fahreigenschaften gibt sich der Civic recht sportlich. Das Fahrwerk ist straff, ohne unkomfortabel zu sein, die Progressiv-Lenkung ist erfreulich direkt, so dass der Fahrer selbst in engen Serpentinen nicht umgreifen muss. Kurven umrundet der Fronttriebler auch bei zügiger Fahrweise sehr gutmütig, die leichte Untersteuerneigung beeinträchtigt die Sicherheit in keiner Weise.

Die Verarbeitung der Materialien ist perfekt, das Interieur besitzt einen hochwertigen Touch. Das Cockpit ist aufgeräumt und fast alles (Klima, Navi, Infotainment, Rückfahrkamera), wird über ein Sieben-Zoll-Touchscreen gesteuert. Der Civic ist serienmäßig mit dem Sicherheits- und Assistenzpaket „Sensing“ ausgestattet, das Kollisionswarner und Bremsassistent, Spurhalte- und Lenkkorrektur, adaptive Tempo-Regelung und Verkehrszeichen-Erkennung umfasst.

Natürlich muss ein Blick auf die Konnektivität gerichtet werden. Selbstredend ist serienmäßig ein AM-FM-DAB-Radio an Bord, ebenso ein Navi. Unterhalb der Mittelkonsole findet sich je eine USB- und HDMI-Schnittstelle, im Staufach zwischen den Sitzen liegt ein weiterer USB-Anschluss zur Stromversorgung. Das Infotainment-System lässt sich auch mittels Sprachbefehl bedienen und das induktiv ladbare Smartphone mittels Bluetooth, Apple CarPlay oder Android Auto koppeln.

Wer etwas Außergewöhnliches sucht, ist mit dem Civic gut beraten und fällt durch das extrovertierte Design des sportlichen Japaners mit Sicherheit auf. Der Preis des Civic 1.6 i-DTEC  liegt in der Basisversion bei echt günstigen 21 390 Euro. Unser Testwagen (Ausführung „Elegance“) kostet 26 890 Euro. Das ist nicht zu viel, angesichts der sehr guten Ausstattung. Besonders erfreulich: Wer seinen Gasfuß im Zaum hält, darf sich über einen nahezu konkurrenzlos  niedrigen Kraftstoffverbrauch freuen. Für uns ist der Civic als Diesel deshalb ein echter Kauftipp. (autour24)

Technische Daten Honda Civic i-DTEC: Motor: 1,6-Liter-Vierzylinder-Turbodiesel, Getriebe: Sechsgang-Schaltgetriebe, Leistung: 120 PS (88 kW) b. 4.000 U/min, Drehmoment: 300 Nm bei 2.000 U/min, 0-100 km/h: 9,8 s, Vmax: 201 km/h, Durchschnittsverbrauch: 3,5 Liter, CO2-Ausstoß: 93 g/km, Abgasnorm: Euro 6d-TEMP, Länge: 4,52 Meter, Breite: 1,80 Meter (mit Außenspiegel 2,08 m), Höhe: 1,43 Meter, Radstand: 2,70 m, Gewicht: 1.287–1.301 kg, Kofferraumvolumen: 478-1245 l, Preis: ab 21.390 Euro.

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