Seat: Aufstieg in die Oberliga der SUV mit neuem Tarraco

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Von Klaus H. Frank

Vor eineinhalb Jahren noch hatten sie gar keines – jetzt haben sie drei. Seat, die extrem schnell wachsende Volkswagen-Tochter, macht mit dem neuen Tarraco das Trio seiner SUV-Palette komplett und setzt einen neuen Meilenstein in der verblüffenden Erfolgs-Geschichte der spanischen Marke. Es ist noch gar nicht lange her, da wurde den Spaniern der Tod prophezeit. Heute sind sie neben Skoda der Lichtblick im VW-Konzern, in dem zurzeit mehr Schatten überwiegt, als Licht.

Das erste SUV der Marke Seat, der Ateca (4,36 Meter lang, Kofferraum maximal 1604 Liter), läuft so gut, wie es sich die Spanier besser kaum wünschen könnten. Und auch der Kleine, der Arona (4,14 Meter lang, Kofferraum 400 Liter) fährt munter voran auf der Erfolgsstraße. Und jetzt das Flaggschiff Tarraco. Ein richtig großes SUV mit der Länge von 4,74 Metern und einem Kofferraumvolumen von 760 bis maximal 1920 Litern. Auf Wunsch gibt es den Tarraco auch als Siebensitzer, was ihn unweigerlich zu einem Freund der Familie aufsteigen lässt. Wobei zugegeben werden muss, dass die dritte Sitzreihe für Erwachsene kaum geeignet ist. Youngsters im Teenie-Alter finden es dort hinten jedoch bestimmt ganz kuschelig. Die Platzverhältnisse in der ersten und zweiten Reihe hingegen sind hervorragend, wenngleich es nicht einleuchtet, warum nicht im Tarraco wie im ziemlich baugleichen Skoda Kodiaq eine verschiebbare Rückbank (um 18 Zentimeter) eingebaut wird. Mit diesem simply-cleveren Skoda-Trick gestaltet sich beim Tschechen die Beinfreiheit in der zweiten Reihe geradezu fürstlich.

Seat sieht sich als die sportlich-elegante Mark in Konzern. Das widerspiegelt sich im Design des Tarraco, der mit etwas mehr Chic „gesegnet“ ist als seine beiden Konzernbrüder Skoda Kodiaq und VW Tiguan Allspace. Der steil stehende neue sechseckige Grill mit breitem Chromrand erlaubt eine sehr lange Motorhaube, was Sportlichkeit ausdrückt. Typisch für Seat sind scharf geschnittene Kanten und eine klare Schnörkellosigkeit. Schicke Leuchten vorne sind ausschließlich in LED verfügbar und prägen das typische Seat-Gesicht. Am Heck betont ein Reflektorband zwischen den beiden LED-Rückleuchten die Breite und in der Silhouette machen sich die fetten 20-Zöller (optional) auf schicken Felgen besonders gut und unterstreichen den sportlichen Anspruch.

Die Qualität der Materialien und die Verarbeitung im Innenraum besitzen das typische Volkswagen-Niveau – also gut. Seat sieht seinen Tarraco sogar schon auf dem Weg ins Premium-Segment, was grundsätzlich nicht falsch taxiert ist. Aber der Weg dorthin ist holprig, denn Hartplastik, auch wenn sie nicht auf den ersten Blick zu sehen ist, ist auf dem Olymp der ganz großen Premium-Hersteller ein Tabu. Kostendruck scheint allzu emotionale Designer deshalb schnell auf den Boden finanzierbarer Ausstattung zurück zu bringen – leider. Der Blick auf die Armaturentafel enttäuscht trotzdem nicht. Schick ist das zentrale acht Zoll große Touchscreen-Display in der Form eines iPads, das im Wesentlichen fürs Infotainment (mit Alexa und Shazam) zuständig ist. Erstmals ist das Display auch mit Gesten steuerbar. Begeisternd ist das direkt im Blickfeld des Fahrers liegende virtuelle Cockpit mit all seinen Informationen zum Beispiel über Geschwindigkeit und Drehzahl. Sie werden auf simulierten analog Instrumenten digital dargestellt.

Der vernetzten Welt hat sich Seat schon lange geöffnet und lässt den Tarraco deshalb mit permanentem Zugriff aufs Internet immer online fahren, stellt für die optimale Konnektivität zwischen Smartphone und dem Fahrzeug Android Auto und Apple CarPlay zur Verfügung – extrem wichtige Features in der heutigen Zeit.

Fast unüberschaubar ist die Zahl der Assistenzsysteme. Neu bei Seat und besonders zu erwähnen sind der Pre-Crash-Assistent und die Überschlagerkennung. Der Pre-Crash-Assistent reagiert innerhalb von 0,2 Sekunden auf eine Unfallgefahr, strafft die Sicherheitsgurte, schaltet die Warnblinkanlage ein und schließt Fenster und Schiebedach, um die Insassen zu schützen.

Seat ebnet seinem Tarraco den Weg in die Zukunft mit vorerst je zwei Benzinern und zwei Diesel-Aggregaten. Ein frontgetriebener 1,5-Liter-Benziner leistet 150 PS, der Zwei-Liter-Ottomotor besitzt 190 PS und verfügt über Allrad und DSG-Getriebe. Den Sprint auf 100 km/h erledigt das große Triebwerk in acht Sekunden, das kleinere braucht 9,7 Sekunden. Der Verbrauch für den kleinen Motor liegt nach WLTP zwischen 7,3 und 8 Litern, die Höchstgeschwindigkeit bei 201 km/h. Die beiden Zweiliter-Diesel leisten 150 PS und 190 PS. Wobei er starke Diesel (211 km/h, WLTP-Verbrauch zwischen  7,0 und 7,6 Liter) serienmäßig mit Allrad und Siebengang-DSG unterwegs ist, für den Kleineres kostet dies Aufpeis. 400 Newtonmeter pushen des großen Diesel, in der Praxis fühlt sich dies jedoch nicht ganz so kräftig an. Verständlich, müssen immerhin 1,8 Tonnen bewegt werden. Der kleine Benziner hingegen erscheint nach einer kurzen Anfahrschwäche recht temperamentvoll.

Für 2020 kündigt Seat einen Plug-in-Hybrid (210 PS, 400 Nm) an und verspricht rein elektrisch eine Reichweite von 50 Kilometern. Eine CNG-Variante ist nicht konkret in Planung, aber denkbar.

Wenngleich der Tarraco kein Geländewagen im ursprünglichen Sinne ist, schlägt er sich auch abseits befestigter Straßen dennoch recht wacker. Diverse, über einen Drehknopf wählbare Off-Road-Programme, sowie eine Bergabfahrhilfe und eine 360-Grad-Kamera mit Blick aus der Vogelperspektive, helfen bei Fahrten über Stock und Stein.

Der neue Seat Tarraco wird weiteren Schwung in die SUV-Szene bringen und die Verkaufszahlen der Spanier weiter schwungvoll nach oben befördern. Bestellbar ist der Tarraco ab sofort, ausgeliefert wird er im Februar 2019 zum Basispreis von 29 980 Euro. (autour24/khf)

 

 

 

 

 

 

 

 

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