Honda Jazz – die Musik spielt in der zweiten Reihe

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Von Klaus H. Frank

Es ist ein außergewöhnliches Auto. Allein schon der Name „Jazz“. Wenn da keine Musik drin ist…? Schön, dass Honda seinem Kleinen einen wirklich klanghaften Namen verpasst hat, viel besser als der übliche Ziffern-Salat anderer Hersteller. Nicht alltäglich ist auch das Design, das sehr an einen Mini-Van erinnert. In der Silhouette steigt das Heck ungewöhnlich stark an, die Front hingegen fällt extrem ab. Eine Sicke, die sich über beide Türen hinweg zum Heck hin nach oben zieht, betont den pfeilartigen Charakter der Karosserie. Die A-Säulen stehen so schräg, dass sogar Platz für ein kleines Seitenfenster gefunden wurde. Viel ist dadurch aber nicht zu sehen. Die markante Front erinnert an den Civic R, den aggressiven Honda-Sportler. Wenngleich das Jazz-Gesicht unruhig anmutet – hübsch ist es, mit viel Chrom und schwarzem Lack verziert, reich bespoilert und mit schicken Frontleuchten plus einem attraktiv gestalteten Tagfahrlicht garniert. Am Heck dominieren große Rückleuchten – auch schick.

Wie er so da steht, mit nur 4,02 Metern Länge (24 Zentimeter weniger als ein Golf, drei Zentimeter kürzer als ein Polo), ist es kaum zu glauben, wie viel Platz der Jazz im Innenraum bietet. Das liegt einerseits an der Höhe von 1,53 Metern (fünf Zentimeter höher als ein Golf), was ein erstaunlich luftiges Raumgefühl erzeugt. Andererseits an einem innovativen Sitzkonzept für die Rückbank, wie es sonst nirgendwo zu finden ist. Fahrer und Beifahrer sitzen vorne sehr bequem, und für die hinteren Fahrgäste gibt’s einen solch üppig dimensionierten Fußraum, wie er sonst eigentlich nur in der Oberklasse zu finden ist.

In der zweiten Reihe jedoch wartet noch der echte Knüller. Dort befinden sich die sogenannten Magic Seats, deren Funktionsweise wahrhaftig an Zauberei grenzt. Werden die Sitzflächen der Rücksitze wie bei einem Kino-Stuhl nach oben geklappt und der gesamte Sitz nach vorne umgelegt, dann ergibt sich eine riesige, sehr niedrige und ebene Ladefläche. Mit zwei simplen Handgriffen lässt sich so das Ladevolumen von 354 Litern auf 1314 Liter erweitern. Doch damit nicht genug. Werden allein die Sitzflächen hochgeklappt, so können dort auch sehr hohe Gegenstände verladen werden – Pflanzen aus dem Gartencenter zum Beispiel. Ideal ist dieser hohe Stauraum auch für Menschen, die mit Hund unterwegs sind. Denn dort hinten fühlt sich Dackel Waldi wirklich gut untergebracht, fliegt beim Bremsen nicht von der Hutablage quer durchs Auto seinem Herrchen direkt ins Genick. Und sogar zwei Mountainbikes (quer zur Fahrtrichtung mit demontierten Vorderrädern) können transportiert werden. Und wie ist das Ganze möglich? Nun, da der Kraftstofftank nicht wie üblich unter den Rücksitzen, sondern unter den Vordersitzen liegt, wartet in der zweiten Reihe natürlich ein ungeheuer großzügiges Platzangebot.

Wer sich im Innenraum umsieht, kann zufrieden sein. Die Verarbeitung ist gut, allerdings ist sehr viel Hartplastik verbaut. Einige Alu-Applikationen lockern das etwas triste Bild auf. Auffallend, dass keine Knöpfe und Schalter zu finden sind. Das ist gut, aber auch nicht. Denn fürs Einstellen der Lautstärke zum Beispiel ist ein Drehschalter ganz klar besser als das Gefummel mit dem Finger auf einem Touchscreen. Das gleiche gilt für die Klimaanlage, die in der Bedienung ebenfalls sehr umständlich ist. Während der Fahrt den gewünschten Lautstärke-Pegel zu finden, ist schwierig und nicht ungefährlich, weil man die Augen von der Straße nehmen muss.

Die Ausstattung des Jazz in der von uns gefahrenen Version Elegance ist lobenswert. Serienmäßig sind Berganfahrhilfe, City-Notbremsassistent, Tempomat, beheizte Sitze, Lichtautomatik, 7-Zoll-Touchscreen, Rückfahrkamera und zusätzlich Parksensoren vorn und hinten, schlüsselloses Zugangssystem, Kollisionswarner und  Spurhalte-Assistent. Die ebenfalls serienmäßige Verkehrszeichenerkennung ist an den Geschwindigkeitsbegrenzer gekoppelt und stellt das jeweils aktuelle Tempolimit bei aktiviertem Begrenzer automatisch ein. Damit erspart sich so mancher Autofahrer einen Strafzettel wegen einer Tempoüberschreitung.

Etwas lahm ist das 1,3-Liter-Triebwerk. Da der Motor die maximale Leistung von 102 PS erst bei 6000 Touren liefert, braucht der Motor Drehzahlen und nochmal Drehzahlen. Das maximale Drehmoment von gerademal 123 Nm liegt bei 5000 Touren an, womit wohl jeder weiß, dass beim Jazz unten raus fast gar nichts geht – trotz des niedrigen Gewichts von 1073 Kilogramm. Dennoch darf man mit den Fahrwerten nicht unzufrieden sein. Der Sprint auf 100 dauert 11,4 Sekunden und die Spitze von 190 km/h reicht allemal, um auch auf der Autobahn zügig voran zu kommen. Wer sportlichere Werte sucht, muss sich für das stärkere 130-PS-Triebwerk entscheiden. Der Normverbrauch gibt Honda mit 5,2 Litern an, im Test waren es dann 6,2 Liter.

Das ziemlich straff ausgelegte Fahrwerk ist nicht sehr komfortabel, jedoch ist der kleine Jazz ungeheuer agil, eignet sich dank des kleinen Wendekreises auch perfekt für die Stadt.  Die Lenkung ist präzise, die leichte Untersteuerneigung ist zu vernachlässigen. Nicht gut gefallen hat die leichtgängige Kupplung, mit der es schwierig ist, den perfekten Schleifpunkt zu erwischen. Die 6-Gang-Schaltung ist manchmal etwas hakelig.

Wollte man ein Fazit ziehen und pro und kontra abwägen, so muss auf der Negativ-Seite der zu schwache Motor erwähnt werden, auf der Positiv-Seite steht die hervorragende Raumausnutzung. Mit großer Genugtuung muss der Preis bewertet werden. Angesichts der tollen Ausstattung der Elegance-Version sind 20 390 Euro ein fairer Preis. (autour24/khf)

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