Licht ist nicht allein zum Leuchten da

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Von Klaus H. Frank

Licht ist nicht allein zum Leuchten da, so könnte salopp ein Fazit formuliert werden, wollte man dies nach dem Besuch eines Workshops im Volkswagen-Licht-Kompetenzzentrum in Wolfsburg ziehen. VW-Ingenieure, Designer  und Forscher machen dabei deutlich, was Licht am Fahrzeug noch alles ist, was es kann, außer zu leuchten – und vor allem welche Aufgaben es in Zukunft haben wird. Licht ist mittlerweile Design-Element, Kommunikationsmittel und natürlich Garant für Sicherheit.

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„Die Scheinwerfer prägen die Wahrnehmung eines Fahrzeugs wie kein zweites Designelement. Sie ziehen unsere Blicke auf sich, wir schauen einem Auto zuerst automatisch in die Augen. Sie machen das Auto menschlich“, betont Klaus Bischoff, Leiter Volkswagen Design und macht damit deutlich, wie Licht und Design zusammenspielen. Grill und Scheinwerfer bilden bei Volkswagen in der Regel eine Einheit und sind sichtbarer Ausdruck der VW-Design-Philosophie.

Wer seinen Blick mehr auf die Sicherheit richtet, kann sehen, welche immensen Fortschritte seit der Zeit eines VW Käfer bis heute erreicht wurden. Fuhren alte Käfer vor acht Jahrzehnten noch mit Glühlampen, so sind heutige Fahrzeuge mit interaktiv reagierenden Lichtsystemen ausgestattet, die für den, der nicht im Thema ist, nicht unbedingt als Lichtquelle zu identifizieren sind.

Ein Musterbeispiel: IQ-Light – LED Matrixscheinwerfer, wie sie im neuen VW Touareg eingesetzt werden. Diese LED-Scheinwerfer nutzen einzeln aktivierbare Leuchtdioden, die wie auf einem Schachbrett angeordnet sind. Insgesamt 75 Leuchtdioden sind für das Abblend- und Fernlicht zuständig, weitere LEDs addieren sich dazu – pro Scheinwerfer insgesamt 128 LEDs. Der Touareg nutzt so in den verschiedenen Segmenten des vorderen linken und rechten Scheinwerfers die Leuchtkraft von insgesamt 256 LEDs. Ein Rechner aktiviert in Sekundenbruchteilen punktgenau die einzelnen LEDs für das jeweils beste Licht. Dabei genügt es, Dauerfernlicht einzuschalten, den Rest – Abblenden, Aufblenden, Stadtlicht, optimales Autobahnlicht oder Offroad-Licht – erledigt der Touareg selbst. Die neuen kamerabasierten Matrixscheinwerfer machen so zum Beispiel Personen oder Tiere am Wegrand sichtbar, die mit konventionellen Scheinwerfersystemen im Dunkel der Nacht nur schlecht erkennbar wären. Hat der neue Touareg den Nachtsichtassistenten „Nightvision“ an Bord, dann werden gefährdete Passanten von den LED-Matrixscheinwerfern automatisch kurz angeleuchtet, damit der Fahrer auf sie aufmerksam wird. Der Vergleich zwischen den bereits sehr guten Xenon-Scheinwerfern des Vorgängers und dem neuen Touareg LED-System ergibt bei Fernlicht ein Reichweitenplus von mehr als 100 Metern für die IQ.Light – LED-Matrixscheinwerfer.

Und das System kann noch mehr. Wie etwa im Arteon: Das optionale „Active Lighting System“ leuchtet hier bereits vor dem Ansteuern einer Kurve perfekt deren Verlauf aus. Dies geschieht vorausschauend auf Basis der Frontkamerabilder und der Streckendaten des Navigationssystems. Das heißt, dass der Arteon den Kurvenverlauf bereits ausleuchtet, bevor der Fahrer einlenkt. So blickt der Fahrzeuglenker bis zu zwei Sekunden früher in eine hell beleuchtete Kurve – dies kann eventuell entscheidend sein für die Vermeidung eines Unfalls.

Demonstriert wird dies im Herzstück des Lichtkompetenz-Zentrums in Wolfsburg. Was wie eine simple Halle aussieht, entpuppt sich als Lichttunnel von 100 Metern Länge, 15 Metern Breite und fünf Metern Höhe. Hier entwickelt und erprobt Volkswagen die Lichtsysteme der Zukunft. Und dies unabhängig von Regen oder Schnee oder von Tag und Nacht. Hier arbeiten die Entwickler bereits an Systemen, die noch besser sein werden als das phantastische IQ Licht. Wiederum in einem Touareg als Versuchsträger setzt VW neuentwickelte HD-LCD-Scheinwerfer ein, die eine Auflösung von bis zu 30 000 Pixel pro Scheinwerfer (ein aktueller Scheinwerfer besitzt 80 Pixel) erlauben und andere Verkehrsteilnehmer oder blendende Straßenschilder viel präziser aus dem Lichtkegel ausschneiden als herkömmliche Systeme. Mit den neuen Scheinwerfern können auch neuartige Assistenzsysteme entwickelt werden, die zum Beispiel optische Hilfslinien auf die Straße projizieren, an denen sich der Fahrer orientieren kann (in Baustellen), um die Breite seines Fahrzeuges genau einzuschätzen oder den richtigen Abstand zur Fahrbahnbegrenzung einzuhalten.

Die nächste Evolutionsstufe an der die Licht-Ingenieure arbeiten, sind sogenannte Mikropixel-LED-Scheinwerfer. Basis sind drei Mikropixel-LED-Chips in deren Zentrum auf einer Fläche von lediglich 4 x 4 Millimetern jeweils 1.024 Pixel angeordnet sind. Jeder dieser insgesamt 3072 Pixel kann individuell angesteuert werden, so dass nur die Pixel leuchten, die tatsächlich gebraucht werden. Früher oder später sollen mit diesem System sogar bis zu 30 000 Pixel realisierbar sein und ungeahnte Szenarien eröffnen.

Als weitere Technologie hat Volkswagen das Laserlicht im Blick. Dies allerdings ist nach VW-Aussagen sehr, sehr teuer, weshalb nun der Fokus auf High-Performance-LED-Scheinwerfern liegt. Sie schaffen fast die gleiche Lichtausbeute wie Laserlicht (etwa 500 Meter Reichweite), sind jedoch deutlich günstiger, was der obersten Priorität Volkswagens entspricht, die da lautet, „Sicherheit muss bezahlbar sein.“

Auch bei den Heckleuchten könnte sich Revolutionäres tun, sofern der Gesetzgeber mitspielt. „Das Licht der Zukunft entwickelt sich zu einem Kommunikationsmittel“, sagt Klaus Bischoff. Bereits heute bietet Volkswagen in einigen Baureihen das sogenannte Klick-Klack-System für Heckleuchten an, bei dem abwechselnd das Brems- und Rücklicht aufleuchtet, um eine höhere Aufmerksamkeit zu erzeugen. Bischoff stellt sich auch Rückleuchten vor, die auf Gefahren hinweisen. So könnten bei Straßenglätte das Symbol einer Schneeflocke oder der Schriftzug „Glätte“ in die Rückleuchte eingespiegelt werden. Möglich wäre auch der Hinweis auf einen Unfall oder Stau. Dies bräuchte nicht nur manuell durch den Fahrer geschehen, sondern auch automatisch via Car-to-Car- und Car-to-X-Kommunikation. So wäre es möglich, frühzeitig vor einem Stauende zu warnen und so zu helfen, gefährliche Lkw-Unfälle zu verhindern. Ebenso wichtig wird es sein, dass autonom fahrende Autos via Rückleuchten mit ihrem Umfeld kommunizieren.

Jede Menge weitere Funktionen wären denkbar. So ließe sich ein Coming- oder Leaving-home-Szenario personalisieren, gesteuert per App über das Smartphone.  Elektrofahrzeuge könnten den aktuellen Ladezustand via Rückleuchten anzeigen. Denkbar ist ein Spektrum von rund 100 verschiedenen Signaturen. Auch der Einsatz von Hologrammen in den Rücklichtern soll möglich werden. Aus verschiedensten Blickwinkeln ist das Hologramm unterschiedlich sichtbar, so dass ein dreidimensionaler Eindruck entsteht.

Vieles von den personalisierbaren Lichtszenarien klingt sehr futuristisch, manchmal auch nach Spielerei – die Möglichkeiten sind riesig. Was der Gesetzgeber aber wohl nicht erlauben wird, sind persönliche Infos, die Verkehrsteilnehmer über die Rückleuchten untereinander austauschen könnten. Wie etwa die Preisgabe der Telefonnummer für die nette Dame oder den netten Herrn, die/der gerade auf der Autobahn überholt wurde. (autour24/khf)

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