VW Tiguan: Der Lieblings-SUV der Nation

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Von Klaus H. Frank

Es ist, wie’s eigentlich immer ist, bei Modellen der Marke Volkswagen: Sie sind die Erfolgreichsten in ihrem Segment. Auch der Tiguan ist es. Das war schon bei der ersten Generation (ab 2007) so – und so ist es auch nun wieder, seit der Lieblings-SUV der Nation im Januar 2016 zu den Händlern rollte. Um den Erfolg des ersten Modells wiederholen zu können, mussten in zweiter Generation jedoch etliche Änderungen vorgenommen werden. Sichtbar zuallererst im Design. Der alte, etwas altbacken und pausbäckig wirkende Tiguan ist Geschichte. Der neue überzeugt mit frischem, markantem und zeitgeistigem Design, zeigt scharf geschnittene Linien – ein modernes SUV. Dass die Designer mit dieser neuen Tiguan-Kreation goldrichtig liegen, davon zeugen etliche nationale und internationale Designpreise – und natürlich die Verkaufszahlen: der Tiguan ist unbestrittener Spitzenreiter im Segment der kompakten SUV.

Version R-Line steht dem VW Tiguan besonders gut

Kraftvoll und satt steht er auf der Straße, bietet mehr Platz als je zuvor, da die Maße um einiges gewachsen sind. In der Länge um sechs Zentimeter auf 4,49 Meter, in der Breite um drei auf 1,84 Meter, beim Radstand hat er um acht Zentimeter auf 2,68 Meter zugelegt. In der Höhe allerdings ist er um drei Zentimeter geschrumpft. Gut so, denn das Resultat ist ein außerordentlich dynamisches Design, das zum Aufpreis von 2770 Euro nochmal getoppt werden kann. So viel nämlich kostet das Ausstattungspaket „R-Line“, das den Tiguan optisch innen wie außen noch einmal gewaltig aufwertet und dynamisiert. Schweller, Radkästen und Stoßfänger (in Wagenfarbe) sind deutlich ausgeformt und lassen den Tiguan athletischer und muskulöser erscheinen. Pedale und Einstiegsleisten sind aus Edelstahl. Heckspoiler, Diffusor und verchromte Auspuff-Endrohre setzten Akzente. Die Sitze mit sehr gutem Seitenhalt sind von schicken Ziernähten umsäumt, das unten abgeflachte Lenkrad hat einen sportlichen Touch. Wird der Tiguan mit dem Paket „R“ noch ein bisschen nachgewürzt, dann  mutiert der brave SUV zu einer richtig heißen Kiste  – dynamisch, aber trotzdem elegant.

Wenn auch das Größenwachstum nur marginal sein mag, beim Kofferraumvolumen, das um 145 Liter auf 615 bis 1655 Liter gestiegen ist, und beim Platzangebot für Passagiere, macht es sich deutlich bemerkbar. Die Passagiere fühlen sich luftig untergebracht und pudelwohl, ohne den Nachbarn eng auf die Pelle rücken zu müssen.  Ablagemöglichkeiten sind reichlich vorhanden. Besonders praktisch: Schubladen unter den Vordersitzen, in denen all das verschwinden kann, was ansonsten lose durch den Innenraum kullern würde. Ausklappbare Tablets an den Rückseiten der Vordersitze erweisen sich als idealer Spieltisch für Kids, denn dort können sie sich die Zeit mit Stift und Malbuch vertreiben, so dass der allseits bekannte Spruch „wann sind wir denn endlich da?“ nur noch selten zu hören ist.

Der VW Tiguan ist hervorragend verarbeitet

Die Verarbeitung im Innenraum ist, wie bei  Volkswagen üblich, präzise und hinterlässt qualitativ einen hochwertigen Eindruck. Optimal gestaltet ist der Arbeitsplatz des Fahrers. Das fahrerorientierte Cockpit wirkt aufgeräumt, Knöpfe und Schalter sind auf ein Minimum reduziert, ein Dreh-Schalter zur Wahl der Fahrmodi sitzt gut erreichbar in der Mittelkonsole positioniert. Die Instrumente (auf Wunsch auch ein virtuelles „Active Info Display“) bieten alle Informationen über den Status des Fahrzeugs. Sogar ein zweiter Navigations-Bildschirm kann direkt ins Blickfeld eingeblendet werden. Wirklich toll gemacht.

Die Liste der Assistenzsysteme ist eindrucksvoll, aber leider wie so oft in der Mehrzahl  aufpreispflichtig. Allerdings: Bereits die Basisausstattung hat ein City-Notbremssystem samt Kollisionswarner und Fußgängererkennung sowie einen Spurhalteassistenten an Bord – das nennen wir vorbildlich. Sehr gut gefällt uns das Head-up-Display für 565 Euro – ein empfehlenswertes Detail. Wichtige Informationen wie etwa die Geschwindigkeit, Meldungen der Fahrerassistenzsysteme oder Navigationshinweise werden auf eine aus dem Armaturenbrett ausfahrende, glasklare und in etwa postkartengroße Scheibe projiziert. So hat der Fahrer alle Information direkt „vor der Nase“, ohne den Blick von der Straße nehmen zu müssen. Das ist zwar nicht ganz so elegant gelöst, wie bei diversen anderen Autobauern, die die Anzeigen direkt in der Windschutzscheibe einspiegeln – aber deutlich preiswerter: eine lohnende Investition in Sachen Sicherheit und Komfort.

Ein absolutes Muss für sicheres und entspanntes Fahren ist die automatische Distanzregelung ACC. Mit diesem  intelligenten Tempomaten  fährt der Tiguan nach Einstellung einer gewissen Geschwindigkeit und Distanz hinter einem vorausfahrenden Auto her, als würde er von einem unsichtbaren Abschleppseil gezogen. Der Tiguan beschleunigt und bremst wie der Vorausfahrende. Fast ist man versucht, die Beine „hochzulegen“ – entspannter geht’s kaum. Auch kann der Tiguan im Stop-and-Go-Verkehr den Fahrer vom lästigen Gas-geben, Bremsen und Spurhalten komplett befreien: Vollkommen selbstständig fährt er hinter dem vorausfahrenden Auto her.

Der 4Motion-Antrieb macht den VW Tiguan narrensicher

Die Fahreigenschaften des Tiguan sind sehr komfortabel, absolut untadelig und dank des 4Motion-Antriebs geradezu narrensicher. Nur derjenige, der etwas zu optimistisch enge Kurven ansteuert, wird eine leichte Untersteuer-Neigung feststellen. Falls es eng werden sollte, wacht jedoch im Hintergrund das feinfühlige ESP, greift sanft ein und lenkt den Tiguan in geordnete Bahnen. Angenehm fällt die geringe Seitenneigung der Karosserie in Kurven auf. Ganz hervorragend ist die Kombination mit dem sanft schaltenden 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe DSG, das die Antriebsmomente blitzschnell dort hin leitet, wo ausreichend Grip vorhanden ist. In der Regel schickt das Allradsystem seine Kraft an die Vorderachse – das spart Sprit. Falls notwendig, zum Beispiel bei Schlupf, sendet die Lamellenkupplung mehr Kraft nach hinten – wenn es sein muss bis zu 100 Prozent. Die elektronische Differenzialsperre ‚XDS‘ verteilt zudem die Kraft im Fall der Fälle auf beide Räder einer Achse. Das schafft auch bei kritischer Fahrbahnbeschaffenheit sicheres Vorankommen.

Ein Sahnestückchen ist das Triebwerk – bekannt aus dem GTi. Die Leistung von 220 PS steht ab 4500 Touren zur Verfügung.  Und die 350 Newtonmeter Drehmoment liegen bereits früher an als bei vielen Dieseln: Schon ab 1500 Umdrehungen pro Minute steht die volle Kraft parat und bleibt bis 4400 Touren konstant. Und die Leistungswerte lassen sich sehen. Den Sprint auf 100 erledigt der sportliche Volkswagen-SUV in 6,5 Sekunden, die Spitze liegt bei 220 km/h. Das sind Werte, die zwar begeistern, aber skeptisch machen, was die Trinkfreudigkeit angeht. Wer sich nicht in die eigene Tasche lügen will, muss bekennen, dass unter zehn Litern kaum was geht. Es sei denn, man schickt den Tiguan im „Altherren“-Modus Eco über sonntägliche Landstraßen. Dann kommt man nahe an die von VW genannten 7,8 Liter ran – in der Realität ist das aber nicht mehr als eine simple Zahl. Unser Testverbrauch summierte sich auf 10,5 Liter – das ist aber keine Überraschung bei einem Allrad-SUV mit großer Stirnfläche und rund 1,7 Tonnen Gewicht.

Der Aufpreis für den VW Tiguan R-Line liegt bei 2770 Euro

Unser Testfahrzeug, der Tiguan 2.0 TSI DSG mit 220 PS, ist ausschließlich in der Highline-Version zu haben und deshalb nicht gerade billig. 41 275 Euro sagt die Preisliste – was jedoch jegliche Sonderausstattung ausschließt. Wer jetzt in der Euphorie um seinen neuen Tiguan ein paar Kreuzchen zu viel in der Aufpreisliste setzt, darf sich nicht wundern, wenn der Händler dann mal rund 60 000 Euro einfordert.

Und das noch zum Schluss: Der Name Tiguan  ist ein Kunstname und setzt sich aus Tiger und Leguan zusammen. Ein tierisch gutes Fahrzeug also, darf mit voller Überzeugung behauptet werden. (autour24)

 

 

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