Fahrspaß pur – Subarus kleines Sport-Coupé BRZ

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Von Klaus H. Frank

Ein richtig geiles Sport-Coupé für gerade mal 35 000 Euro – gibt’s das? Ja das gibt’s. Und fündig wird man dort, wo man eigentlich gar nicht sucht. Bei Subaru. Nein, wir meinen jetzt nicht die Rallye-Legende WRZ STI, sondern den BRZ, den Subaru gemeinsam mit Toyota (dort heißt er GT 86) seit dem Jahr 2012 baut. Was ist denn das für ein Fahrzeug, wird nun derjenige fragen, der in der Sportwagenszene nicht so heimisch ist? Eine berechtigte Frage. Denn er ist selten zu sehen, der BRZ. Gerademal 78 Exemplare hat Subaru von Januar bis Juli verkauft – Zyniker nennen solche Absatzzahlen homöopathische Dosen. Schade eigentlich, denn der BRZ ist genau das, was immer wieder gefordert wird: ein klassischer Sportwagen zum günstigen Preis.

Die Ausnahme: Ein Subaru mit Heckantrieb

Klassisch ist er allemal, hat er doch Heckantrieb – als einziger in der Subaru-Modellpalette, die ausschließlich mit Allradantrieb angeboten wird. Und sportlich ist er ohne Frage, wenn auch die 200 PS etwas mager erscheinen mögen. Da aber das Gewicht gerademal bei rund 1250 Kilo liegt, ist an der Performance, die der BRZ auf die Straße bringt, wenig auszusetzten.

Doch beginnen wir von vorn und werfen erst mal einen Blick auf die Karosserie mit der Länge von 4,24 Metern – das ist in etwa VW Golf Niveau. In der Höhe misst der BRZ nur 1,33 Meter – deutlich weniger als ein Golf, der 1,49 Meter misst. Kein adäquater Vergleich sicherlich, aber immerhin.

Seit dem Facelift im vergangenen Jahr hat das Design des BRZ deutlich gewonnen: Sportlich-elegant, nicht außergewöhnlich spektakulär – dennoch auffallend mit dem typischen Hexagonal-Grill, schicken Tagfahrleuchten und großen Lufteinlässen. Auf dem Heck sitzt ein filigraner Spoiler, zwei dicke Endrohre in Chrom versprechen stramme Leistung.

Ein- und Ausstieg beim Subaru BRZ nicht einfach

Und nun ein Blick nach innen – also bitte Platz nehmen im BRZ. Und das ist nicht die einfachste Übung, denn einfach hineinsetzten geht nicht. Die Passagiere müssen sich hineinfallen lassen auf die niedrig eingebauten Sitze und denken dabei sicher schon wieder drüber nach, wie sie wohl am besten wieder aussteigen aus dem BRZ, ohne eine lächerliche Figur abzugeben. Besonders dramatisch ist dies in engen Parklücken, wo das Ein- und Ausfädeln aus dem BRZ ein geradezu grotesker Akt ist.

Fest umschlossen von schicken Alcantara-Sitzen mit roten Steppnähten ist die niedrige Sitzposition jedoch durchaus okay. Es gibt auch zwei Rücksitze, die allerdings mehr oder weniger als Ablagen dienen dürften, denn sitzen kann dort nur, wer einen Yoga-Kurs für Fortgeschrittene belegt hat – zu eng das Ganze. Etwas knapp ist auch der Kofferraum, der im Normalfall 243 Liter, nach Umlegen der Rücksitzlehne 330 Liter schluckt.

Der Subaru BRZ besitzt einen G-Monitor

Das Cockpit ist aufgeräumt, die Materialien sind leicht unterschäumt und genarbt, allerdings findet sich auch Etliches aus Hartplastik. Sehr gut in der Hand liegt das kleine Lenkrad, mit dessen Multifunktions-Tasten Diverses wie Telefon oder Audiosystem gesteuert werden können. Über den sieben Zoll großen Touchscreen lässt sich das Navi ebenso bedienen wie auch Apple CarPlay oder Android Auto, die das Smartphone in das Infotainment-System des Autos einbinden. An der Armaturentafel fällt ein Instrument auf, das sonst eigentlich nur in High-End-Sportwagen zu finden ist. Es misst die „G“, die auf den Fahrer einwirken und informiert über Längs- und Querbeschleunigung beim Gas geben, Bremsen und in Kurven. Außerdem sind die Leistungs- und Drehmomentkurven einsehbar, ebenso die  Temperatur von Öl und Kühlmittel. Mit einer eingebauten Stoppuhr lassen sich Rundenzeiten auf der Rennstrecke stoppen.

Und da passt der BRZ durchaus hin, denn nur dort ist sein tatsächliches Potenzial zu erfahren. Wie nur wenige Fahrzeuge ist der BRZ ein echter Drifter, wenn eine erfahrene Hand am Lenkrad dreht. Heckantrieb, eine Vorderachse, auf die keine Antriebseinflüsse wirken, und der sehr tief hinter der Vorderachse eingebaute Boxermotor erlauben es, so zu fahren, wie es wohl jeder Sportwagen-Novize gern möchte: Quer. Damit ist man zwar nicht schnell, aber spektakulär. Dass dies nur auf abgesperrten Stecken möglich ist, sollte klar sein. Damit es auch wirklich quer geht, müssen vorher sämtliche Assistenzsysteme des Stabilitätsprogramms deaktiviert werden. Der Fahrer ist dann im Modus „Track“ vollkommen auf sich allein gestellt, ohne dass ihn die Elektronik in prekären Situationen retten würde. Die Lenkung übrigens ist außerordentlich präzise mit hervorragender Rückmeldung über das, was da unter den Pneus passiert.

Ein paar PS mehr würden dem Subaru BRZ gut tun

Die 200 Pferdchen des Boxermotors (es dürften gerne ein paar mehr sein) entfalten nur dann ihr ganzes Temperament, wenn das Triebwerk voll ausgedreht wird – also etwa bei 7000 Touren. Das Drehmoment des Zweiliter-Vierzylinders könnte allerdings höher sein, denn die ohnehin etwas niedrigen 205 Newtonmeter Kraft liegen erst zwischen 6400 und 6600 Umdrehungen an – darunter wirkt der Saugmotor in manchen Drehzahlbereichen etwas brav. Unser Testfahrzeug war mit einer Sechsstufen-Wandlerautomatik (Subaru fährt ansonsten mit CVT-Getrieben) ausgestattet, die zwar sehr schnell schaltet, jedoch dem Triebwerk etwas Kraft raubt. Sicher passt da das Sechsgang-Handschaltgetriebe besser zum Charakter des kleinen Sportwagens. Die Automatik lässt sich im manuellen Modus zwar auch per Hand mit Paddels am Lenkrad schalten, was jedoch lang nicht so effektiv ist. Eines würden wir noch wünschen: einen kernigeren Sound. Trotz eines Soundgenerators ist da zu wenig von dem zu hören, was ein Sportfahrerherz höher schlagen lässt.

Das alles ist jedoch Klagen auf hohem Niveau, denn der BRZ ist mit seinem Sprint auf 100 in 7,6 Sekunden (Handschalter) und 8,2 Sekunden (Automatik) und seiner Höchstgeschwindigkeit von 210 (Automatik) und 226 km/h (Handschalter) ein durchaus konkurrenzfähiger Sportwagen, der wegen seiner Agilität sehr viel Spaß bereitet. Beim Verbrauch hält sich der BRZ in Grenzen. Der Subaru-Norm-Wert von 8,0 Litern ist jedoch kaum erreichbar. Realistisch ist unser Testverbrauch von 8,7 Litern.

Spaßfaktor im Subaru BRZ ohne Aufpreis

Um noch auf den eingangs erwähnten Preis zu kommen. In der Ausstattungslinie „Sport“ startet der Subaru BRZ bereits bei 33 480 Euro, das Topmodell Sport+ kostet 35 480 Euro. Das von uns gefahrene Testfahrzeug liegt wegen des Automatikgetriebes bei 37 071 Euro. Zu solch einem günstigen Preis ist kein anderes Sport-Coupé auf dem Markt – den Spaßfaktor gibt’s ohne Aufpreis.(autour24/khf)

Technische Daten Subaru BRZ: Zweitüriges, viersitziges Sport-Coupé, Länge: 4,24 Meter, Breite: 1,78 Meter, Höhe: 1,32 Meter, Radstand: 2,57 Meter.
Vierzylinder-Boxermotor mit zwei Liter Hubraum, 147 kW/200 PS, maximales Drehmoment: 205 Nm ab 6400 U/min., Heckantrieb, Sechstufen-Wandler-Automatik, Vmax: 210 km/h, 0-100 km/h: 8,2 s, Verbrauch (NEFZ): 8,0 Liter / 100 Kilometer, Test-Verbrauch: 8,7 Liter / 100 Kilometer, CO2-Ausstoß: 180 g/km, Grundpreis ab 33 480 Euro.

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