Der Name ist Programm: Skoda Octavia Scout

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Von Klaus H. Frank

Wer ein multifunktionales, geländegängiges Auto sucht, glaubt vor allem bei SUVs fündig zu werden. Auf den ersten Blick mag das wohl stimmen. Oft aber wird übersehen, dass es noch eine weitere Kategorie von Fahrzeugen gibt, deren Talente nicht minder vielfältig, sogar oft noch praktischer und vor allem preiswerter sind. Wir meinen Kombis mit Allradantrieb. Ein Musterbeispiel hierfür ist der Skoda Octavia Scout, dessen Raumangebot enorm und seine Fähigkeit zu Kraxeln bewundernswert ist. Und außerdem hat er das, wofür Skoda bereits viele Meriten erworben hat:  jede Menge smarte Details.

Wer Näheres über die Fähigkeiten des Skoda Scout wissen will, braucht eigentlich nur seinen Namen ins Deutsche zu übersetzen: Pfadfinder, Kundschafter, Späher lauten die und sind quasi selbsterklärend für die Talente, die im tschechischen Allrad-Kombi von 4,69 Metern Länge stecken. Bei 17,2 Zentimeter Bodenfreiheit (der SUV-Bruder Karoq hat auch nicht mehr) gibt’s da nicht viel, was ihm im Weg liegen könnte – und wenn ja, dann fährt er mit seinem robusten silberfarbenen Unterfahrschutz einfach drüber weg. Der ist zwar aus Plastik – aber er schützt trotzdem. Der im Vergleich zum normalen Kombi vergrößerte Böschungswinkel von (vorne) 16,6 Grad und (hinten) 14,5 Grad hilft beim Klettern auf steilen Pfaden.

Natürlich aber ist es der serienmäßige 4×4Allradantrieb, der ihm die entscheidenden Pluspunkte liefert, wenn es um Traktion, Sicherheit und Geländegängigkeit geht. Die hydraulische Lamellenkupplung mit elektronischer Regelung verteilt die Antriebsmomente an die vier Räder je nach Beschaffenheit des Untergrunds und funktioniert folgendermaßen: Bei normalen Bedingungen mit guter Bodenhaftung wird alle Kraft an die Vorderräder geschickt – der Octavia Scout fährt dann mit Frontantrieb, was vor allem den Spritverbrauch positiv beeinflusst. Machen jedoch Schnee, Eis oder Schmutz auf der Fahrbahn das Autofahrerleben problematischer und geht Grip verloren, dann schließt die Lamellenkupplung innerhalb von Millisekunden und aktiviert den Allradantrieb. Abhängig von Motordrehzahl, Gaspedalposition, Raddrehzahlsensoren, Sensoren für Quer- und Längsbeschleunigung und Lenkwinkelgeber errechnet dabei ein Steuergerät die optimale Verteilung der Kraft für die einzelnen Räder. Verlieren allein die Vorderräder die Haftung, dann schickt die Lamellenkupplung bis zu 90 Prozent der Kraft an die Hinterräder. Bis zu 85 Prozent des Antriebsmomentes kann sogar auf nur ein einzelnes Rad gelenkt werden, um dem Scout aus der Patsche zu helfen, in die ihn sein Fahrer hineinmanövriert hat.

Zusätzlich besitzen Vorder- und Hinterachse die elektronische Differenzialsperre XDS+, die ein problemloses Anfahren auch auf losem Untergrund garantiert. Und falls zu ambitionierte Fahrer mal eine Kurve etwas schnell angehen, dann hilft nicht nur das ESP, sondern auch XDS+. Es bremst die kurveninneren Räder leicht ab und leitet mehr Antriebskraft auf die kurvenäußeren Räder. Dadurch dreht sich das Fahrzeug in Kurven leicht ein – das erhöht die Agilität.

Auch auf Asphalt fährt sich der Scout sehr souverän. Federung und Dämpfung schaffen den Spagat von Komfort und Agilität beeindruckend gut und machen den Octavia Scout auch zum komfortablen Langstreckenfahrzeug. Die Fahreigenschaften sind dank Allradantrieb sehr gutmütig.

Damit jeder mitbekommt, dass dieser Octavia auch abseits der Straße seinen Mann steht, haben ihm die Designer ein robustes Äußeres verpasst. Kunststoffverkleidungen an den Radhäusern und Schwellern identifizieren ihn  als Kumpel, der auch die härtere Gangart mag. Ansonsten aber ist das Design genau wie bei den anderen Octavia-Modellen auch. Allerdings zum Teil etwas umstritten, denn das Vier-Augen-Gesicht ist nicht bei Jedermann beliebt – Geschmacksache. Wir finden es nicht schlecht, zudem ist die Lichtausbeute sehr effektiv: Die äußeren Scheinwerfer erzeugen das Abblendlicht, die inneren, zum Grill hin spitz zulaufenden generieren das Fernlicht. Voll-LED-Scheinwerfer mit adaptivem Lichtsystem (AFS) sind optional.

Der Innenraum ist mit Ambiente-Licht wohnlich illuminiert, schick mit Klavierlack und Holz-Imitaten garniert und top verarbeitet. Die Platzverhältnisse sind außerordentlich großzügig. Ganz gleich ob hinten oder vorne, die Passagiere sitzen bequem auf Alcantara-Gestühl, haben ausreichend Knie-, Ellbogen- und Kopffreiheit. Riesig ist das Gepäckabteil mit variablem Ladeboden, Ablagen unter der Kofferraumabdeckung, Gepäcknetz,  Taschenhaken und einer 12-Volt-Steckdose. Das Gepäckabteil schluckt 610 Liter und lässt sich bei umgeklappter Rückbank auf 1740 Liter erweitern. Dank der Öffnungsbreite von 1, 01 Meter können auch sperrige Gegenstände problemlos transportiert werden.

Mit der Ausstattung darf der Scout-Fahrer zufrieden sein. Serienmäßig sind ein beheizbares Dreispeichen-Lederlenkrad mit Multifunktionstasten, zwei USB-Anschlüsse, ein sechs Zoll großes Display, die LED-Ambiente Beleuchtung, ein Tempomat sowie elektrische Fensterheber vorn und hinten. Für Sicherheit sorgen der aufpreispflichtige  Frontradarassistent inklusive City-Notbremsfunktion. Das System löst im Bereich zwischen 10 und 60 km/h eine Notbremsung aus, falls ein Fußgänger dem Scout vor die Nase zu laufen droht. Praktisch auch der Spurwechselassistent, dessen Radarsensoren am Heck Fahrzeuge erfassen, die sich rasch von hinten nähern oder sich bereits im toten Winkel befinden. Das System warnt den Fahrer dann mit einem Blink-Signal im Gehäuse des Außenspiegels. Genial ist der Parkassistent, der das Rückwärts-Ausparken absichert. Er warnt erst optisch, dann akustisch und bremst schließlich – falls nötig – das Fahrzeug ab.

Da der Scout durchaus auch eine Option für Pferdefreunde ist (Anhängelast 1800 Kilo), kann er zu deren Freude auch mit einem Anhänger-Rangier-Assistenten geliefert werden. Damit ist das Rückwärtsrangieren mit einem Pferdeanhänger eine simple Übung. Einfach mit dem Drehschalter für die Außenspiegel den Winkel einstellen, in dem zurückgesetzt werden soll und dann nur noch vorsichtig Gas geben. Alles andere erledigt das System, das den Hänger dann zielgenau in die richtige Position rangiert.

Unser Testwagen wird von einem 184 PS Diesel-Triebwerk angetrieben, das zwar etwas rau läuft, jedoch mit dem hohen maximalen Drehmoment von 380 Nm ab 1750 U/min. in Sachen Beschleunigung und Durchzugskraft kaum Wünsche offen lässt. Damit sprintet der Skoda  Octavia Scout in 7,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 219 km/h. Das 6-Gang-DSG ist serienmäßig und leistet im Gelände genau wie auf der Straße hervorragende Dienste. Die Schaltvorgänge laufen so sanft, dass der Fahrer davon absolut nichts mitbekommt. Der von Skoda angegebene Normverbrauch von 5,1 Litern erhöht sich im „normalen Leben“, also im Testbetrieb, auf 7,7 Liter. Das ist nicht schlecht für ein Fahrzeug, das über vier Räder angetrieben wird und ein Automatikgetriebe besitzt.

Und dann sind da schließlich noch die smarten Details, mit denen ein Skoda immer wieder überrascht. Zum Beispiel der Eiskratzer im Tankdeckel, ein Flaschenhalter in der Mittelkonsole, mit dem das einhändige Öffnen von PET-Flaschen möglich ist, herausnehmbare kleine Mülleimer in der Türablage, ein Regenschirm, herausnehmbare LED-Taschenlampen im Kofferraum, die sich während der Fahrt aufladen, und eine Warnwesten-Halterung unter dem Fahrersitz.

Der Skoda Octavia Scout ist ein absoluter Kauftipp. Denn die nächste Generation des Octavia soll schon nächstes Jahr folgen. Händler werden deshalb sicherlich mit sich über den Preis reden lassen. Zurzeit liegt der bei 34 110 Euro für das Modell mit dem 184-PS-Diesel. (autour24)

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