Ferrari Portofino – bella figura

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600 PS starker Sportwagen und Einstiegsmodell von Ferrari zugleich: Der neue Portofino ist der Nachfolger des California. Mit seinem versenkbaren Aluminium-Dach macht er offen und geschlossen eine Bella Figura, sein V8-Turbo verspricht Fahrspaß nonstop. Eine Testfahrt mit dem Cabrio-Coupé.

Schon im Stand wirkt er schnell: Scharf geschnittene Linien, schmale LED-Schlitze mit Raubtier-Blick, eine Wespentaille, die das Heck mit den mächtigen 285er Reifen betont: So steht der Ferrari Portofino zur Testfahrt bereit. Vom ersten Strich an hat Ferraris Design-Abteilung (diesmal ohne Hilfe von Pininfarina) darauf geachtet, den 2+2-Sitzer sowohl geschlossen als Coupé als auch offen als Cabrio wie aus einem Guss wirken zu lassen – ein Grund dafür, dass wieder ein faltbares Hardtop statt eines klassischen Stoffdaches zum Einsatz kam. Dank diesem wirkt der Portofino auch im Coupé-Modus stimmig mit durchgehenden Linien und nicht wie ein Cabrio mit aufgesetztem Hardtop. Somit lässt sich der Sportwagen auch in China, wo reine Cabrios völlig unpopulär sind, mit einigen Erfolgschancen anbieten.

Typisch Ferrari das Interieur: Beim Öffnen der Türen schlägt den Insassen der kräftige Duft des Leders entgegen, das den Innenraum dominiert. Als weiteres Material fällt vor allem noch Carbon auf. Am Cockpit, in der Konsole, teilweise am Lenkradkranz: Überall schimmert das hochwertige, zum Teil allerdings optionale Leichtbau-Material.

Vorne lassen sich die Insassen in konturierte, aber nicht übertrieben enge Sitze nieder. Hinten finden Kinder zumindest für kurze Strecken ausreichend Platz: Schließlich bewirbt Ferrari den Portofino ausdrücklich auch als Sportwagen für den Alltag. Alternativ lässt sich der Fond als Gepäckraum nutzen – inklusive Durchlade-Möglichkeit vom Kofferraum aus.

Von den analogen Instrumenten ist, wie bei anderen Modellen der Marke, alleine noch der zentrale, dominante Drehzahlmesser übrig geblieben. Links und rechts daneben informieren rechteckige Displays über alle erdenklichen Daten von G-Force bis zu Navi-Anweisungen. Und auch der Beifahrer blickt auf ein eigenes, schmales Display – quasi als alles überwachender Co-Pilot.

Das kompakte, handliche Lenkrad erinnert mit seinen vielen Schaltern – unter ihnen das ferrari-typische „Manettino“ aus Aluminium zur Wahl des Fahrmodus – an ein Formel-1-Steuer. Links unten sitzt auch der feuerrote Startknopf, der den V8 weckt. Ein kurzes Aufbrüllen, dann pendelt sich der V8 unter der Fronthaube brabbelnd auf Leerlaufdrehzahl ein.

Die Fahrt, die dann folgt, gehört zweifellos zu den höchsten Genüssen automobilen Lebens. Egal, ob das Manettino auf Sport oder Comfort geklickt ist: Das Triebwerk reagiert spontan auf jeden Befehl des Gasfußes – wenn auch, verglichen mit früheren Saugmotoren, mit minimaler Verzögerung. Doch dank des Turbo entwickelt der V8 bei nahezu jeder Drehzahl enormen Druck, beschleunigt rabiat – untermalt vom typischen italienischen Orchester: Erst kräftig brüllend, dann trompetend. Anders als andere Sportwagen-Hersteller bemüht man sich in Maranello auch nicht, den Sound auf Saugmotor umzuschminken. Das heisere Kreischen, das früher an der Drehzahlgrenze die Ohren betäubte, ist damit passé.

Das Doppelkupplungs-Getriebe findet ohne spürbare Schaltpause und zuverlässig den passenden aus sieben Gängen. Natürlich kann der Fahrer per feststehender Schaltpaddel eingreifen, aber notwendig ist das nicht wirklich. Das Fahrwerk unterstützt die schnelle Fahrt mit sportlich-straffer, aber nicht übertrieben harter Abstimmung. Präzise folgt es den Befehlen der Lenkung, Kurven durcheilt das Cabrio-Coupé wie auf Schienen. In dieser Hinsicht ist der Heckantrieb, die konsequente Trennung von Kraftfluss und Lenkung, schließlich noch unübertroffen. Beim Entfesseln der kompletten Leistung gerät das Prinzip aber auch an seine Grenzen. Dann bricht das Heck beim Beschleunigen aus. Der Bordcomputer lässt, zumal im Modus Sport, den Fahrer an der langen Leine und lässt den Schleuderstopper ESC erst spät eingreifen.

Als geschlossenes Coupé vermittelt der Portofino tatsächlich feinstes Sportwagen-Feeling; nachdem sich das Dach auf Knopfdruck über dem Gepäckraum zusammengefaltet hat (was bis Tempo 40 möglich ist), mutiert der Portofino zum waschechten Spider. Dann gesellt sich das Frischluft-Erlebnis dazu. Trotz den faltbaren Hardtop sitzt die Frontscheibe relativ weit vorne und lässt echtes Spider-Feeling zu. Bei hochgefahrenen Fenstern und dem manuell installierten Windschott strömt 30 Prozent weniger Luftmasse in den Innenraum als beim Vorgänger – was unter Cabrio-Enthusiasten natürlich Geschmackssache sein kann.

Für etwas weniger als 190.000 Euro erhält der Ferraristi also tatsächlich einen emotionalen Sportwagen mit hohen Alltagsqualitäten. Darin ist er seinem direkten Konkurrenten, dem Porsche 911 Turbo S Cabriolet, durchaus ähnlich – auch wenn der Italiener schon optisch deutlich spektakulärer daherkommt als der Schwabe. Der ist, auch wegen seines Allradantriebes, sogar teurer als der 20 PS stärkere Ferrari. Der ja eigentlich mit Coupé und Cabrio sogar zwei Autos bietet. Ein italienischer Sportwagen als „Schnäppchen-Angebot“ – Millionär, was willst du mehr? (Marcus Efler, mid)

Technische Daten: Roadster mit Hardtop; Länge 4.586/Breite 1.938/Höhe 1.318 mm/Radstand 2.670 mm; Wendekreis 12,1 m; Gewicht 1.664 kg, Zuladung 290 kg, Sitzkapazität: 2+2; Kofferraum: 292 l. Motor: V8-Turbo-Benzinmotor; Hubraum 3.855 ccm; Leistung 441 kW/600 PS bei 7.500/min; Drehmoment 760 Nm bei 3.000 – 5.250/min; Höchstgeschwindigkeit: über 320 km/h; Beschleunigung: 0 – 100 km/h in 3,5 Sekunden; Heck-Antrieb; 7-Gang-F1-Doppelkupplungs-Getriebe; Verbrauch 10,7 l/100 km; CO2-Emission 245 g/100 km; Preis 189.704 Euro.

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